RWE-Atomkraftwerk Biblis Klarheit statt Klüngel

Jürgen Großmann, Chef des Stromkonzerns RWE, klagt gegen die Abschaltung seines AKW Biblis. Er riskiert das Ansehen des Unternehmens und seine guten Beziehungen zur Politik. Dafür kann man ihm nicht genug danken.

Ein Kommentar von Michael Bauchmüller

Jürgen Großmann ist keiner, der schnell klein beigibt. Charme, Druck, notfalls Zeitungsanzeigen - der Chef des Stromkonzerns RWE kennt viele Mittel, sich durchzusetzen. Allzu oft hat das funktioniert. Nun aber, da selbst Union und FDP zu Atomkraftgegnern werden, versagen die alten Mittel.

Jetzt müssen andere her: RWE zieht vor Gericht, Großmann klagt gegen die Verfügung, mit der die Bundesregierung kürzlich sein Atomkraftwerk in Biblis für drei Monate vom Netz zwang. Wieder hat er gute Chancen zu gewinnen. Nur siegt sich RWE diesmal zu Tode.

Denn vor Gericht wird sich der Konzern bestenfalls einen Ausgleich für den Schaden sichern, der durch die vorübergehende Abschaltung des Biblis-Reaktors entstand. Großmann erweist so seinen Aktionären einen Dienst, die sich mit der so überstürzten Abschaltung lukrativer Meiler nicht abfinden wollen. Der Preis dafür aber ist hoch: Großmann riskiert das Ansehen des Unternehmens und - mehr noch - seine bisher guten Beziehungen zur Politik.

Dafür kann man Großmann nicht genug danken. Seit jeher ist das Verhältnis zwischen Energiekonzernen und Politik eng, zu eng. Einer Modernisierung der deutschen Stromversorgung stand das stets im Wege. Denn zwangsläufig kollidierte der Ausbau von Öko-Energien mit den Geschäftsinteressen der vier großen Stromkonzerne, die doch an ihren großen Kraftwerken festhalten wollten.

Sie wussten ihre Interessen zu wahren - zuletzt eindrucksvoll zu besichtigen bei der Laufzeitverlängerung vom Herbst. Nun aber schafft Großmanns Klage endlich klare Verhältnisse. Klarheit statt Klüngel: Die Bundesregierung sollte es fortan in Energiefragen genauso halten.