Die AKW-Betreiber sind entsetzt. Nicht nur über das Beben in Japan - sie spüren, was sich in Berlin zusammenbraut: Die Politik wendet sich von ihnen ab. Der legendäre Einfluss der Branche auf die Politik fährt herunter wie ein Reaktor bei der Notabschaltung.
Sie sprechen von apokalyptischen Ausmaß der Zerstörung, von der nie für möglich gehaltenen Katastrophe, und davon, dass jetzt wohl nichts mehr sei wie zuvor: "Wir erleben eine Zäsur. Das wird die Lage in Deutschland ändern", heißt es aus den Chefetagen der deutschen Atombranche. Das Beben im fernen Japan hat mit dem Abschalten von sieben deutschen Kernkraftwerke auch seine massive Wirkung bei den hiesigen AKW-Betreibern.
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Die deutschen Energiekonzerne haben in Sachen Kernkraft an Einfluss verloren. Im Bild: AKW Philippsburg bei Karlsruhe. (© dapd)
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Ihre wortgewaltigen Führer sind entsetzt. Nicht nur über das Beben. Sie spüren, was sich in Berlin und in den Bundesländern zusammenbraut: Die Politik wendet sich von ihnen ab. Wer jetzt noch an der Kernenergie festhält, könnte vom Volkszorn hinwegfegt werden. Da hilft keine Nähe zum Zentrum der Macht und schon gar kein öffentlicher Druck.
Der legendäre Einfluss der Branche auf die Politik fährt nach der Katastrophe herunter wie ein Reaktor bei der Notabschaltung. Die Deutungshoheit in Energiefragen haben andere übernommen. Der Atomlobby wird klar: Die Japan-Katastrophe läutet den beschleunigten Atomausstieg in Deutschland ein. Die Betreiber werden viele ihrer Kraftwerke nie wieder anfahren dürfen.
Ein Land will raus, und zwar schnell. Das Vertrauen in die Kernenergie schwindet mit der letzten Hoffnung, die Reaktoren in Fukushima wieder unter Kontrolle zu bringen. Sie ist erschüttert von den Verharmlosungsversuchen des Betreibers und der Kontrollbehörden in Japan.
Und sie ist untergraben von den beispiellosen Volten von Unternehmen und Politikern in Deutschland. Was haben sie nicht alles an die Wand gemalt! Vor 2020 könne das Land auf keinen Reaktor verzichten. Versorgungsengpässe, Kostenexplosion drohten. Jetzt geht es noch in dieser Woche.
Ein Land fühlt sich betrogen. In verzweifelten Rettungsmaßnahmen muss die Branche nun um ihr Image und die gewinnbringenden Kraftwerke ringen - und macht die Sache nur noch schlimmer. "Alter ist kein Maßstab für die Sicherheit einer Anlage", beschworen Spitzenmanager am Montag und lehnten Stilllegungen ab, als sich in Japan längst zeigte, wie überheblich diese Einschätzung ist.
Am Dienstag kündigten die ersten Unternehmen plötzlich an, Meiler freiwillig vom Netz zu nehmen, schließlich nehme man die Sorgen der Bevölkerung ernst. Am Mittwoch nahm man das teilweise zurück, weil die Abschaltung aus Sicherheitsgründen nicht begründbar sei. So befand es Eon-Chef Johannes Teyssen.
Das Publikum blieb fassungslos zurück. Sieben Atomkraftwerke gehen nun per Beschluss vom Netz. Und glaubt man der Regierung diesmal, werden sie dem Land noch nicht einmal fehlen. In ganz neuem Licht erscheint plötzlich jener verbissene Kampf der Branche, der im vergangenen Jahr über Monate die Schlagzeilen bestimmt hatte.
Mit allen nur erdenklichen Geschützen hatte die Atomlobby für eine Laufzeitverlängerung gekämpft. Die Kampagne erreichte ihren spektakulären Höhepunkt als sich die vier Betreiber per Anzeige mit der Regierung anlegten. Selten zuvor war eine Bundesregierung von der Wirtschaft so unter Druck gesetzt worden.
Vorbei. Mit den Entscheidungen dieser Woche werden über Jahrzehnte gewachsene Strukturen der Energiewirtschaft über den Haufen geworfen. Damit dürften sich endgültig auch die engen Bindungen zwischen Politik und Konzernen lösen. Dass Energieunternehmen es nicht mehr mit Verhandlungen versuchen, sondern der Regierung wegen des Abschaltens bereits unverhohlen mit Klagen drohen, ist ein deutlicher Hinweis auf die Entfremdung zwischen beiden Seiten.
Zwar wird die Politik die Konzerne auch beim Eintritt in eine neue Phase der Energieversorgung brauchen. Doch ihr Einfluss schwindet. Das Beben wird in der deutschen Energiebranche bleibende Spuren hinterlassen.
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(SZ vom 18.03.2011/ema)
Vor der EM in Polen und der Ukraine
Wahr ist, dass Technikern errechnet haben, das nach statistischer Wahrscheinlichkeit ein GAU nur alle 100.000 Jahre auftritt. Kernkraft also relativ sicher wäre. Dem ist entgegenzuhalten, dass Versicherungsgesellschaften das anders sehen und daher AKWs als nicht versicherbar betrachten, jedenfalls nicht zu Preisen, die irgendwie bezahlbar wären. Für eine latente Gefährdung sprechen auch die Ereignisse: 28.03.1979 Harrisburg: beinahe GAU; 26.04.1986 Tschernobyl: Super-GAU; 16.-17.12.1987 Biblis-A: beinahe GAU; 25.06.2006 Forsmark: beinahe GAU; 11.03.2011 Fukushima: wahrscheinlicher SuperGAU. Dazu hunderte schwere Störfälle und zigtausend Störfälle. Alleine bei den angeblich sicheren deutschen AKWs z.Z. durchschnittlich ein Störfall im Monat.
Noch eine Wahrheit zur Sicherheit: Kann man eine Technik als sicher empfinden bei der nie - wirklich niemals -etwas Unvorhersehbares passieren darf, da sonst im schlimmsten, aber möglichen Fall, Millionen Menschen zugrunde gehen würden? Beim Fukushima-GAU löst das worst case-Szenario für den Nordosten Japans und den Großraum Tokio Grauen aus. Gefährdungs-Szenarien unserer Politiker und Medien, von Flugzeugabstürzen genau auf Meiler, sind Nebelkerzen zur Volksverwirrung. Die größte Gefahr für die Sicherheit der AKWs sind deren Bedienungsmannschaften und deren Betreiber-Firmen. Die Mehrheit der beinahe GAUs und GAUs wurden durch diese verursacht. Durch den Faktor Mensch, durch Irrtum, Panik oder Schludrigkeit, sowie mangelndes Sicherheitsbewusstsein der Betreiber, (auch bei uns eindrucksvoll demonstriert), ist selbst höchstmögliche Sicherheit fragwürdig. Es kann niemals sichere AKWs geben.
(Nebenbei bemerkt, auch 100 Meter dicke Betonwände schützen nicht vor einem vollgetankten Jumbo, da brennendes Kerosin in die Gebäude eindringen kann und ein solches Großfeuer jeden Sauerstoff aus diesen aufsaugt.)
Eine allgemein unbestrittene Wahrheit ist die vordergründig billige Energie, welche AKWs unserer Wirtschaft liefert. Daher ist diese Form der Energiegewinnung weltweit bei der gesamten Wirtschaft, und daraus folgend auch bei Politikern, extrem beliebt.
Nebensächliche Wahrheiten sind die Kosten für ehemalige Forschungsmeiler, für Versicherung, welche die Betreiber nicht übernehmen können, oder die Kosten für Polizeieinsätze bei Bewachung und Demos. Verschwiegene Wahrheit ist, dass alleine die Kosten, welcher der Steuerzahler für die Sanierung des ungeeigneten Zwischenlagers Asse tragen muss, Atomstrom zur teuersten Energie machen. Dazu hunderte Milliarden für die Endlagerung des Restmülls, mitsamt Bewachungskosten für mehrere Millionen Jahre, d.h. mit Schutz vor Terroristen, Kriminellen und Psychopathen, vor eindringendem Wasser usw. Wird nicht ganz billig, der preiswerte Atomstrom.
Eine weitere Wahrheit, eine allgemein unbestrittene, ist die Halbwertszeit eines verwendeten Brennstoffes in Atommeilern, z.B. von Uran 235. Diese beträgt 703,8 Mio. Jahre. Die von Atomkraftgegnern vielfach angeführten Mindest-Aufbewahrungsfristen für Atommüll von 1 Million Jahren sind nur eine symbolische Hausnummer. Nach diesem Zeitraum ist noch eine große Menge des gesamten radioaktiven Restmülls vorhanden. Man muss also noch etliche Millionen Jahre zuwarten. Aber bereits im Zeitraum von 1 Million Jahren wird es mindestens eine Eiszeit, es wird Kontinentalverschiebungen und Vulkanausbrüche geben, wo diese heute nicht abzusehen sind. Gletscher werden in dieser Zeit mehrere hundert Meter tiefe Täler in die Landschaft schürfen.
Eine weitere, allerdings geleugnete Wahrheit, die daraus folgt: Es wird niemals ein wirklich sicheres Endlager geben.
Daran glaube ich frühestens, wenn das letzte AKW abgebaut und entsorgt ist, und wenn die Firmen weiterhin (also bis in alle menschliche Ewigkeit) für die Sicherheit der Endlager (! welchen eigentlich?) zahlt.
Vermutlich werde ich meine Zweifel mit ins Grab nehmen.
"Und wenn Sie glauben, daß der bundesminister dort die Richtung vorgibt, dann irren Sie sich auch. Dieses Schrottministerium hat sich von Anbeginn an verselbstständigt."
Danke, Danke, ich merke mir, das Röttgen in Ihren Augen eine Luftnummer ist (...in meinen ja auch ;-)
Das Sie hartnäckig realitätsresistent sind war mir ja schon vorher klar. Ich halte aber fest, dass die Zahlen die ich genannt habe, korrekt sind. Ihnen könnte ich jetzt zwar vermutlich 20 andere Quellen nennen, aber dann würden Sie natürlich bei jeder dieselbe Unglaubwürdigkeit unterstellen.
Gegenvorschlag: Nennen Sie mir doch mal ihre "Wahrheit" der Anzahl der Arbeitsplätze der Erneuerbaren in Deutschland. Aber mit Quellenangabe... ;-)
Ach, ich glaube das geht bei Guhviech beim linken Ohr hinein und absolut verlustlos beim rechten Ohr wieder hinaus. Zwischendrin rauscht es vielleicht ein wenig.
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