Artur Fischer Erfinder des Fischer-Dübels ist tot

Der Unternehmer und ein überdimensionaler Fischer-Dübel

(Foto: dpa)

Er revolutionierte das Heimwerken, schon Kinder spielten mit seinen Erfindungen. Artur Fischer, gestorben im Alter von 96 Jahren, war der Herr der Patente.

Nachruf von Elisabeth Dostert

Eine der letzten Erfindungen von Artur Fischer sieht simpel aus. Wie ein Serviettenring aus Kunststoff. Es ist eine Halterung, um Eier leichter köpfen zu können. Sie löste vielleicht sein ältestes Problem; es plagte Fischer seit 1946. Er war gerade aus dem Krieg wieder daheim in seiner Werkstatt, als ein Hotelier ihm klagte, die Gäste bekleckerten sich beim Frühstück mit Ei.

Bekannt wurde Artur Fischer vor allem für die Erfindung des Fischer-Dübels. Sie stecken in vielen deutschen Wänden. Nun ist Artur Fischer im Alter von 96 Jahren gestorben. Das bestätigte sein Unternehmen der SZ.

Die Eier-Halterung sagt viel über den Erfindergeist von Artur Fischer aus. Er löste alltägliche Probleme. Er war ein Pragmatiker, er hatte auch immer den Markt im Blick. 1948 erfand Fischer einen Glühapparat, den seine Frau Rita bei Bauern gegen Butter, Eier und Speck eintauschte. Streichhölzer waren damals knapp. 1949 erfand er den Synchronblitz, 1958 im Bauboom den Spreizdübel aus Nylon. 1964 brachte er Fischer-Technik heraus, einen Baukasten, der Kinder für Technik begeisterte, für seine Welt. Fischer hielt weit mehr als 1100 Patente.

Das Europäische Patentamt zeichnete Fischer 2014 für sein Lebenswerk aus. Es zeichnete damit auch eine Generation aus, Nachkriegsunternehmer, Wiederaufbauer, Wirtschaftswunderland-Bewohner. Die von Artur Fischer gegründete Firma hat rund 4000 Mitarbeiter und macht rund 660 Millionen Euro Umsatz. Die Führung liegt bei Fischers Sohn Klaus.

"Dein Dich liebender Vater"

Disziplin und Willenskraft lernte Artur Fischer im Elternhaus. Er wurde an Silvester 1919 in Tumlingen geboren. Der Vater war Schneider, die Familie hatte wenig Geld. Die Bauern im Waldachtal brauchten nur selten einen neuen Anzug. Die Mutter bügelte Kragen, damit ihr Ältester die Realschule besuchen konnte. "Den Spaß an der Technik habe ich von ihr mitbekommen", sagte Fischer einmal.

Die Realschule brach er dann doch ab. Der Junge vom Land begann eine Schlosserlehre in Stuttgart. Nach ein paar Monaten kündigte er dem Vater per Postkarte den Abbruch der Lehre an. Der antwortete: "Lieber Sohn, wie ich lese, willst Du nach Hause kommen und Deinen Arbeitsplatz verlassen. Aber an meiner Haustür wirst Du umdrehen und wieder zurückgehen müssen. Dein Dich liebender Vater."

Beim nächsten Besuch zu Hause klagte der Junge der Mutter seine Zweifel an der Liebe des Vaters. "Das begreifst du noch nicht, aber du wirst es erfahren", erklärte die Mutter. "Sie hat recht gehabt", erinnerte sich Fischer später. Von da an habe er gewusst: "Es gibt keine Kapitulation. Ich muss."

Artur Fischer musste erfinden, er konnte gar nicht anders. Er war ein ewig Neugieriger.