| 17.06.2008
22:46 Uhr
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Neue Richtlinien
Börsen gehen gegen Öl-Spekulanten vor
Amerikanische und britische Aufsichtsbehörden beschränken Handel mit umstrittenen Termin-Geschäften. Erstmals soll die Londoner Termin-Börse den Handel mit Terminkontrakten regulieren.
Von Andreas Oldag
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Wilden Spekulationsgeschäften soll künftig Einhalt geboten werden.
Foto: dpa
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Amerikanische und britische Aufsichtsbehörden wollen gegen wilde Spekulationsgeschäfte mit Öl vorgehen. Erstmals soll die Londoner Termin-Börse ICE den Handel mit Terminkontrakten regulieren. Dabei geht es um die wichtige Öl-Sorte "West Texas Intermediate". Darauf haben sich die Londoner Financial Services Authority und die oberste amerikanische Terminmarktaufsicht (CFTC) geeinigt. US-Politiker haben die CFTC schon seit Monaten aufgefordert, mit einer schärferen Aufsicht gegen Spekulanten vorzugehen, die für den drastischen Ölpreis-Anstieg mitverantwortlich gemacht werden. Der republikanische Kongressabgeordnete Bart Stupak (Michigan) sprach sogar von einer großangelegten "Manipulation" der Märkte. Er nannte in diesem Zusammenhang die Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley, die große Rohstoff-Index-Fonds aufgelegt haben. Stupak ist Vorsitzender des einflussreichen Energieausschusses. Sprecher der Geldinstitute wiesen seine Vorwürfe jedoch zurück. Die amerikanische Aufsichtsbehörde geht schon länger dem Verdacht nach, dass Ölhändler den Preis an den Rohstoffbörsen künstlich hochgetrieben haben. Dabei ist besonders die Londoner Termin-Börse ICE, ein Ableger der amerikanischen ICE ins Visier gekommen. Aufsichtsbeamte sprachen von einem "schwarzen Loch", weil die Londoner ICE bislang nicht den strengeren Auflagen, die in den Vereinigten Staaten gelten, unterlag. So müssen keine detaillierten Informationen über die Handelspositionen von Öl-Terminkontrakten veröffentlicht werden.
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Laut der neuen Vereinbarung sollen nach einer Übergangsfrist von drei Monaten die schärferen amerikanischen Transparenzvorschriften auch in London gelten. So soll die Londoner ICE einen täglichen Bericht über große Transaktionen von Händlern liefern. Außerdem setzt die New Yorker Rohstoffbörse Nymex - einer der wichtigsten Marktplätze für Öl weltweit - eine Obergrenze für den Handel fest. In den letzten drei Tagen vor Fälligkeit eines Terminkontrakts darf kein Händler mehr als drei Millionen Barrel bewegen. Eine solche Regelung könnte künftig auch in London gelten. Die amerikanische Aufsichtsbehörde will auch Handelsplätze außerhalb der USA dazu auffordern, Begrenzungen einzuführen. Öl und andere Rohstoffe haben sich in den vergangenen Jahren zu einer alternativen Anlageklasse entwickelt. Sie gelten bei vielen Investoren als Schutz gegen die weltweit steigende Inflation. Spekulation mit Öl ist an sich nicht illegal. Ähnlich wie andere Rohstoffe ist Öl aufgrund der steigenden Nachfrage an den Rohstoffbörsen sehr begehrt. Insofern springen die Spekulanten lediglich auf einen Zug auf, der von anderen in Gang gesetzt wurde. Der Handel mit Öl-Terminkontrakten kann und soll deshalb nicht generell unterbunden werden. Es soll nur gegen die Marktmanipulationen vorgegangen werden. An den internationalen Rohstoffbörsen wird mit der angenommenen Nachfrage in der Zukunft gehandelt. Dabei geht es zum Beispiel um die Frage, was China oder Indien bereit sind, künftig pro Barrel Öl zu zahlen. Bei Terminkontrakten verpflichten sich Verkäufer vorab zur Lieferung der Ware zu einem fixierten Preis und zu einem festen Termin.
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