Die Einkommensschere in Deutschland wird immer größer: Reiche sind dabei die Gewinner, Arme die Verlierer. Das ist zwar ungerecht, aber ein schlichter Umverteilungsreflex wäre dennoch grundverkehrt.
Deutschland ist ein reiches Land, heute und noch auf lange Zeit. Doch die Schere in der Einkommensverteilung öffnet sich weiter, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) soeben errechnet hat: Die Reichen werden reicher, und die Armen ärmer. Darf das sein?
Die Reichen werden immer reicher. (© Foto: AP)
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Reichtum und Armut sind relative Begriffe. Natürlich leben die Deutschen heute, global betrachtet und im Vergleich zu früheren Jahrhunderten, auf einer Insel der Seligen. 68.500 Euro hat jeder Haushalt zur Verfügung, 35 Prozent mehr als 1998. Leider aber ist dies ein Durchschnittswert und deshalb nur begrenzt aussagefähig.
Drei Millionen Haushalte überschuldet
Gleichzeitig sind so viele Menschen wie nie überschuldet: acht Prozent der Haushalte, drei Millionen an der Zahl. Auf das oberste Zehntel der Haushalte entfällt rund die Hälfte des Vermögens, die untere Hälfte verfügt über weniger als vier Prozent.
Seit 1984 ermittelt das DIW das verfügbare Haushaltseinkommen: Löhne, Kapitaleinkünfte, Sozialleistungen, private Unterhaltszahlungen, und niemals in diesen gut 20 Jahren war die soziale Ungleichheit so groß wie heute.
Entsprechend wächst die Armut in Deutschland. Als arm gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Haushaltseinkommens hat. Das sind heute 17,3 Prozent der Bürger, in Ostdeutschland ist es ein Fünftel.
Unter-der-Brücke-Dasein
Man mag den Armutsbegriff in Frage stellen, der irreführenderweise nach Hunger und Unter-der-Brücke-Dasein klingt. Dabei fließen die Transferleistungen des Staates noch immer vergleichsweise üppig.
Wenn ein Arbeitslosen-Haushalt mit Kindern auf bis zu 2000 Euro netto kommt, ist das mehr, als mancher hart arbeitende Familienvater nach Hause bringt. Aber das ändert nichts daran, dass das Gefälle immer größer wird.
Durch die enge ökonomische Brille betrachtet, gibt es daran wenig auszusetzen, im Gegenteil: Ungleichheit ist Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg. Leistung entsteht aus Ansporn. "Den Menschen treibt die Gier, und wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht", sagt Milton Friedman, US-Nobelpreisträger und Vordenker einer weitgehend schrankenlosen Marktwirtschaft.
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