Auf der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds in Dubai zeichnet sich ein ernsthafter Konflikt ab.
(SZ vom 23.09.2003) — Argentinien verlangt von seinen privaten Gläubigern den Verzicht auf 75 Prozent ihrer Forderungen von insgesamt rund 100 Milliarden Dollar (88 Milliarden Euro).
Anzeige
Der Vorschlag von Finanzminister Roberto Lavagna bei der IWF-Tagung in Dubai stieß am Montag umgehend auf heftige Ablehnung.
Dem argentinischen Plan zufolge würden den Gläubigern im Austausch gegen ihre alten Schuldscheine drei verschiedene neue Bonds angeboten werden, darunter auch einer, dessen Wert an das jeweilige Wirtschaftswachstum Argentiniens gebunden wäre.
Mehr Einfluss für Entwicklungsländer
Derweil verständigte sich das Entwicklungskomitee der Weltbank in Dubai darauf, den Entwicklungs- und Schwellenländern mehr Einfluss in weltumspannenden Organisationen zu geben.
Ihr Stimmenanteil in der Bank soll sich erhöhen. "Wer dafür ist, die multilateralen Institutionen zu stärken", sagte die deutsche Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul, "muss dazu beitragen, dass sie weiter demokratisiert und der neuen Zeit angepasst werden".
Der britische Finanzminister Gordon Brown forderte einen solchen Schritt auch für den Internationalen Währungsfonds (IWF). Erneut warb Brown dafür, die Entwicklungshilfe für die armen Länder deutlich zu erhöhen und ihnen 50 Milliarden Euro zusätzlich durch neuartige Finanzierungsinstrumente zukommen zu lassen.
Der britische Schatzkanzler hatte vorgeschlagen, dass die reichen Länder dieses Geld an den Kapitalmärkten erwirtschaften und es im Wege einer Internationalen Finanzierungsfazilität, wie sie im Jargon der Weltbank heißt, an die bedürftigen Staaten weiterleiten.
Das Entwicklungskomitee forderte die Experten der Weltbank auf, innerhalb von sechs Monaten einen detaillierten Bericht über mögliche Konzepte zu erarbeiten; gleiches solle im Fall der erhöhten Stimmrechte geschehen. Die beiden Konzepte könnten dann auf der Frühjahrstagung von IWF und Weltbank beraten und auf der nächsten Jahrestagung im Herbst endgültig beschlossen werden.
Die Entwicklungsorganisation Oxfam erklärte in Dubai, dies reiche nicht aus und komme zu spät. Ein Sprecher der globalisierungskritischen Organisation be-grüßte gleichwohl, dass Browns Idee mehr und mehr Unterstützer fände: "Gordon Brown hat absolut Recht damit, dass die Entwicklungshilfe erhöht werden muss."
Insbesondere Entwicklungsministerin Wieczorek-Zeul hatte im Entwicklungskomitee darauf gedrängt, den Stimmrechtsanteil der armen Länder in der Weltbank auf 43 Prozent zu erhöhen. "Ich habe mehr Widerstand erwartet", räumte sie nach der Sitzung ein. Es habe "eine breite Unterstützung" gegeben.
Demonstrationen in Hamburg