ARD-Dokumentation über Leiharbeiter Amazon im Shitstorm

Warenlager von Amazon: Eine ARD-Reportage über die dortigen Arbeitsbedingungen bei dem Online-Versandhandel sorgt für Empörung.

(Foto: REUTERS)

Niedrige Löhne, beengte Unterkünfte und rechtsradikale Sicherheitskräfte: Die katastrophalen Arbeitsbedingungen beim Versandhandel Amazon sind bekannt. Eine ARD-Doku richtet nun erneut den Fokus darauf. In den sozialen Netzwerken tobt ein Sturm der Entrüstung gegen den Online-Riesen.

Von Lars Langenau

Ekelerregend, menschenverachtend, unglaublich - das sind drei Worte aus mehreren Tausend Kommentaren, die am Donnerstagmittag auf der Facebook-Seite der deutschen Niederlassung von Amazon zu finden waren. Eigentlich hatte der Onlinehändler dort zu einem Gewinnspiel geladen. Doch gaben die Kunden dort gleich Anweisungen, wie man sein Amazon-Konto löscht. Eine ARD-Dokumentation über Leiharbeiter hatte einen wahren Sturm der Entrüstung ausgelöst.

Die Langzeitreportage von Diana Löbl und Peter Onneken erhebt schwere Vorwürfe: Die Filmemacher werfen Amazon vor, Arbeiter zu beschäftigen, die mit falschen Versprechungen aus ganz Europa angelockt worden seien. Die Arbeiter hätten nicht, wie versprochen, Arbeitsverträge direkt bei Amazon erhalten, sondern seien bei Leiharbeitsfirmen beschäftigt worden. Zu einem Stundenlohn von 8,52 Euro brutto. Erfahren hätten sie davon erst zwei Tage vor Abfahrt aus ihrer Heimat. Zudem müssten Arbeiter bis zu 17 Kilometer am Tag in den Lagern laufen, 15 Tage ohne Ruhetag arbeiten und nach Ende ihrer Schicht in leerstehenden Ferienparks beengt zusammenleben. Dabei seien sie auf den Bustransfer von diesen Unterkünften in die Lager angewiesen, bekämen Wartezeiten aber nicht bezahlt, wenn sich die Busse verspäten. Kost und Logis würden vom Lohn abgerechnet.

In dunklen Bildern zeigt der Film eine Schattenwelt abseits des glitzernden Internetauftritts eines Unternehmens, das mittlerweile ein Viertel des deutschen Versandhandels beherrscht. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete der Internetkonzern allein in Deutschland 6,8 Milliarden Euro Umsatz. Die Kunden können dort fast jedes Produkt günstig bestellen - von der Kaffeemaschine bis zum Klopapier. Geliefert wird oft über Nacht.

Per Telefon war Amazon für die Süddeutsche Zeitung nicht zu erreichen. Stellung bezog eine Sprecherin nur schriftlich: Die via Zeitarbeitsfirma beschäftigten Mitarbeiter würden bei einer "37,5 Stundenwoche 1400 Euro brutto im Monat verdienen, in der Nachtschicht bei 32,5 Wochenstunden 1500 Euro im Monat".