Der erste öffentliche Auftritt Zumwinkels nach dem Steuerskandal war mit Spannung erwartet worden - doch der Ex-Post-Chef, der als Aufsichtsrat wiedergewählt wurde, blieb der Hauptversammlung fern.
Der erste öffentliche Auftritt Zumwinkels nach dem Steuerskandal war mit Spannung erwartet worden - doch der Ex-Post-Chef, der unter heftiger Aktionärskritik als Aufsichtsrat wiedergewählt wurde, blieb der Hauptversammlung fern.
Klaus Zumwinkel: Passend zum Valentinstag am 14. Februar bekam er Besuch von der Staatsanwaltschaft. (© Foto: ddp)
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Die Hauptversammlung von Arcandor wäre der erste öffentliche Auftritt des Ex-Post-Chefs Klaus Zumwinkel gewesen, seit er wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung Mitte Februar aus seinem Haus abgeholt wurde. Doch Zumwinkel hat seine Wiederwahl als Aufsichtsrat von Arcandor verpasst.
Zumwinkel sei erkrankt und nehme deshalb nicht an der Hauptversammlung teil, sagte Aufsichtsratschef Hero Brahms in Düsseldorf - und verteidigte die erneute Berufung des Ex-Post-Chefs für das Kontrollgremium gegen Kritik von Aktionären. Brahms warnte vor Vorverurteilungen des unter dem Verdacht der Steuerhinterziehung stehenden Zumwinkel.
Zumwinkel in den Aufsichtsrat wiedergewählt - trotz Aktionärsprotesten
Der Aufsichtsrat des Handels- und Touristikkonzerns hatte Zumwinkel zur Wiederwahl für weitere fünf Jahre nominiert. In der Einladung firmiert er als Unternehmensberater. Dem Gremium gehört er seit 2003 an. Die Aktionäre sind an die Vorschläge nicht gebunden.
Trotz heftiger Kritik von Aktionärsseite berief die Hauptversammlung mit den Stimmen der Großaktionärin Madeleine Schickedanz Zumwinkel erneut in den Arcandor-Aufsichtsrat. Er erhielt allerdings mit nur 78,8 Prozent der Stimmen deutlich weniger Unterstützung, als die anderen Mitglieder des Kontrollgremiums.
Die Entscheidung sei dem Aufsichtsrat nicht leicht gefallen, sagte Brahms. Aber Zumwinkel habe wertvolle Beiträge für die Fortentwicklung der Gesellschaft geleistet. Zudem gelte die Unschuldsvermutung. Zumwinkel habe kein Schuldeingeständnis gegeben. "Wir wollen nicht in den gleichen Rhythmus verfallen, wie es in der Öffentlichkeit passiert ist", sprach sich Brahms gegen eine Vorverurteilung aus.
Aktionärsvertreter äußerten dagegen Bedenken. Der Vorschlag habe ihn vom "Stuhl gerissen", sagte ein Aktionär. Zumwinkel sei aus moralischen und ethischen Gründen ungeeignet, ein anderer.
"Wir sind im operativen Geschäft abhängig vom Image. Wir sollten uns das nicht versauen", sagte Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Sobald es zu einer Anklage komme, müsse Zumwinkel aufgefordert werden, sein Mandat niederzulegen.
Middelhoffs Vertrag verlängert
Aus fast allen anderen Unternehmensgremien war Zumwinkel nach dem Bekanntwerden der Steuer-Ermittlungen ausgeschieden. Unter massivem Druck der Politik hatte er sein Amt als Post-Chef aufgegeben und war als Aufsichtsratschef der Deutschen Postbank und der Deutschen Telekom zurückgetreten. Das Kontrollgremium der Deutschen Lufthansa und den Verwaltungsrat von Morgan Stanley verlässt er ebenfalls.
Am Rande der Hauptversammlung tagte der Aufsichtsrat, der den Vertrag von Arcandor-Chef Thomas Middelhoff bis Ende 2009 verlängerte. Versandhandels-Chef Marc Sommer wurde jedoch zugleich als Middelhoffs möglicher Nachfolger positioniert.
"Wichtige strategische Weichenstellungen in den Bereichen Warenhaus und Homeshopping sind derzeit in der Vorbereitung und ich will sie auch persönlich zum Abschluss bringen", sagte der Vorstandsvorsitzende.
Vor allem von Investoren sei die Bitte an ihn herangetragen worden, "diesen wichtigen Abschnitt noch persönlich zu begleiten".
Außerdem scheinen die Pläne des Metro-Konzerns zum Verkauf seiner Warenhaussparte Kaufhof den Essener Konzern offenbar elektrisiert zu haben. "Das wird den Warenhausmarkt verändern. Da können wir nicht unbeteiligt bleiben", sagte der Middelhoff. Auch bei der Versandhaustochter Primondo habe man große strategische Pläne, "die erhebliche Auswirkungen auf den gesamten Konzern haben werden".
Middelhoff hatte ursprünglich zum Jahresende den Konzern, der unter seinem Dach den Touristik-Riesen Thomas Cook, die Karstadt-Warenhäuser und den Versandhändler Quelle vereinigt, verlassen und nach London zurückkehren wollen. Doch habe er im Interesse des Unternehmens seine persönliche Lebensplanung zurückgestellt, sagte der Manager.
Middelhoff betonte, er werde damit auch operativ die Verantwortung für die Erreichung des angepeilten Ergebnisziels von 1,3 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2008/09 übernehmen. "Jetzt können mich alle in die Pflicht nehmen." Der Manager steht seit Mai 2005 an der Spitze des Essener Konzern. Nach dem Ende seiner Amtszeit will Middelhoff in den Aufsichtsrat zurückkehren.
Der Chef der Versandhandelssparte Primondo, Sommer, wurde zum stellvertretenden Vorstandschef ernannt, "um die Kontinuität der Führung sicherzustellen und weil wir noch große strategische Pläne mit Primondo vorhaben", wie Middelhoff sagte. Der Chef der Touristik-Tochter Thomas Cook, Manny Fontenla-Novoa, rückt in den Vorstand auf. Die Bedeutung von Thomas Cook im Konzern hat stark zugenommen. Der Umsatzanteil liegt bei rund 60 Prozent, im Rumpfjahr 2007 (Januar bis September) schrieb allein die Reisetochter schwarze Zahlen.
Große Hoffnungen auf Touristiksparte Thomas Cook
Obwohl sich der Aktienkurs von Arcandor in den vergangenen 12 Monaten mehr als halbierte, zeigte sich Middelhoff auf der Hauptversammlung demonstrativ optimistisch für die Zukunft des Unternehmens. "Dieser Konzern ist definitiv zurück auf der Erfolgsspur", betonte er.
Große Hoffnung setzt Middelhoff vor allem in die Touristiksparte Thomas-Cook. Arcandor wolle das Tochterunternehmen zum weltweit führenden Touristikunternehmen entwickeln und werde deshalb nicht zuletzt die Geschäfte auf die Wachstumsmärkte in Asien und im Nahen Osten ausweiten. Erst vor wenigen Wochen habe der Konzern den zweitgrößten nationalen Touristikanbieter in Indien gekauft, sagte Middelhoff. Auf der Tagesordnung stehe auch der Markteintritt in China und Russland.
Das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2007/08 verlief Middelhoff zufolge bereits sehr zufriedenstellend. Arcandor erwartet 2008/09 einen Umsatz von über 23 Milliarden Euro und ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) der operativen Bereiche von mehr als 1,3 Milliarden Euro.
Erstmals Prognose für laufendes Jahr veröffentlicht
Primondo habe eine anhaltend starke Entwicklung gezeigt. Middelhoff stellte für die Versandhandelstochter ein Ebitda von bis zu 210 Millionen Euro in Aussicht, bei Karstadt gehe er von einem Ebitda am unteren Ende der Spanne von 260 bis 300 Millionen Euro aus. Thomas Cook weise eine unverändert gute Buchungssituation mit einem starken Sommergeschäft auf.
Erstmals gab Arcandor auch eine Prognose für das laufende Jahr. 2007/08 (bis September) sollen die operativen Bereiche ein bereinigtes Ebitda von über 800 Millionen Euro erreichen. Die Anleger reagierten positiv auf die Nachrichten: Die Aktie lag fast vier Prozent im Plus bei 12,18 Euro. Damit ist das Papier aber immer noch weit von dem Kurs von "40 Euro plus" entfernt, den Middelhoff anstrebt. Er sehe dafür das negative Umfeld als Grund und nicht "unternehmensspezifische Faktoren", sagte Middelhoff.
Der Manager ist seit Mai 2005 Vorstandschef von Arcandor, nachdem er die Geschicke des Unternehmens seit 2004 zunächst als Aufsichtsratschef begleitet hatte. Der frühere Bertelsmann-Chef sollte den kränkelnden früheren KarstadtQuelle-Konzern wieder in die Spur zu bringen. Dazu stieß er Spezial-Versandhäuser und den Verlustbringer Neckermann ab, baute im Versandhandel 5000 Stellen ab und baute die Touristiksparte aus. Um die Schulden zu senken, trennt sich Arcandor von seinen Immobilien. Sonst würde es Arcandor gar nicht mehr geben, sagte der Konzernchef.
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(sueddeutsche.de/Reuters/dpa/AP/jkr)
Es ist wie bei den Paten der Mafia - wer zur Familie gehört, bleibt dabei.
Sicher gilt auch für Zumwinkel die Unschuldsvermutung.Andererseits ist er nicht aus Spaß von seinem Vorstandsposten und 2 weiteren Aufsichtsratsposten zurück- oder nicht wieder angetreten.
Es wäre also auch hier Zurückhaltung bis zur Klärung der Vorwürfe angebracht gewesen.
Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen:Da wird einer in ein Amt gewählt,in dem er den Vorstand einer Gesellschaft -auch in steuerrechtlicher Hinsicht- beaufsichtigen soll.der von der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung verfolgt wird.
Man hat stets,häufig im Zusammenhang mit vom Aufsichtsrat nicht aufgedecktem Managerfehlverhalten über den Sinn dieser Institution nachgedacht .
Und dann wird mit Hilfe eines Großaktionärs jedweder Ballast ethischer oder moralischer Art über Bord geworfen.
Dass diese Erscheinungen unseres Wirtschaftssystems Übelkeit bis Wut erzeugen,dürfte wohl niemanden überraschen.
Wo bleibt Hundt eigentlich mit seinem Gefasel von der Vorbildfunktion unserer sog. Wirtschaftselite?
So blieb eben der Arcandor-Aufsichtsrat "Zumwinkel" diesmal aus Feigheit "im Winkel" um der informierten Deutschen Öffentlichkeit nicht in' s Auge blicken zu müssen.
Wann kommen nun eigentlich "Erlebnisreisen" nach Liechtenstein endlich in' s Angebot von Thomas Cook ?