Er war "der Mann auf der Leiter": Karl-Gerhard Eick führte sechs Monate lang und am Ende erfolglos Arcandor, kassierte aber das Gehalt für fünf Jahre. Jetzt spendet er, aber nicht an ehemalige Kollegen.
Der goldene Handschlag, mit dem Karl-Gerhard Eick im September 2009 als Vorstandschef des insolventen Arcandor-Konzerns verabschiedet wurde, war ungewöhnlich großzügig gewesen: Der 56-Jährige verließ das Unternehmen nach nur sechs Monaten mit der Zusage, dass seine Bezüge noch viereinhalb Jahre weiterbezahlt werden. Und zwar nicht von Arcandor selbst, sondern von dessen Großaktionär, dem Bankhaus Sal. Oppenheim - so hatte es sich Eick in weiser Voraussicht garantieren lassen. Bis zum Ende seiner Vertragslaufzeit im Frühjahr 2014 kann der Kurzzeit-Chef somit Zahlungen von insgesamt bis zu 15 Millionen Euro erwarten.
Er kam, sah - und siegte nicht: Karl-Gerhard Eick. (© Foto: AP)
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Als diese Details am Tag seines Abschieds bekanntwurden, war die allgemeine Entrüstung groß. Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich öffentlich empört über die Höhe der Summe. Dafür habe sie "absolut kein Verständnis", sagte sie. Eick versprach, ein Drittel seiner Bezüge an Mitarbeiter von Arcandor spenden zu wollen, die durch die Insolvenz ihren Arbeitsplatz verloren haben oder noch verlieren werden.
Einfach mal breiter spenden
Dazu wird es jedoch nicht kommen. Aber nicht, weil der ehemalige Arcandor-Chef nicht zu seinem Versprechen steht, sondern weil die von ihm favorisierte Lösung einer Stiftung nicht praktikabel ist. Eick hat sich deshalb entschlossen, aus seinen laufenden Bezügen verschiedene Organisationen zu unterstützen, die sich zum Ziel gesetzt haben, Menschen zu helfen, die unverschuldet durch Arbeitslosigkeit in Not geraten sind. Wie aus seinem Umfeld bestätigt wurde, hat der Manager bereits im ersten Quartal 150.000 Euro an Spenden zugesagt.
Zu den Empfängern gehört die Stiftung der Eheleute Hans-Joachim und Mathilde Lock, die als Stiftungszweck die "Förderung mildtätiger Zwecke durch die Unterstützung unverschuldet in Not geratener und hilfsbedürftiger Menschen in der Stadt Essen" angibt. Zudem habe Eick an zwei Organisationen mit vergleichbarer Zielsetzung mit Sitz in Stuttgart und Jena gespendet, heißt es. Bei der Auswahl der Adressaten habe er sich vom Stifterverband für die deutsche Wissenschaft beraten lassen.
Nach intensiver Prüfung hat Eick, der vor seinem Kurz-Engagement bei Arcandor sieben Jahre Finanzchef der Deutschen Telekom gewesen war, offenbar eingesehen, dass die Gründung einer Stiftung für Arcandor-Mitarbeiter wenig sinnvoll gewesen wäre: Weil das Stiftungsvermögen nicht angetastet werden darf und lediglich die Erlöse ausgeschüttet werden können, hätte diese Organisation den ehemaligen Beschäftigten des Touristik- und Handelskonzerns nicht schnell und wirksam helfen können. Bei der Entscheidung, das Geld breiter zu spenden, hat offenbar auch eine Rolle gespielt, dass eine Stiftung für notleidende Beschäftigte eines Unternehmens, das es nicht mehr gibt, Schwierigkeiten gehabt hätte, die richtigen Adressaten zu finden.
Wohin es den Klavierliebhaber Eick beruflich verschlägt, ist weiter offen. Gespräche mit dem Energieversorger EnBW, wo er als Finanzvorstand im Gespräch war, haben sich dem Vernehmen nach zerschlagen.
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(SZ vom 29.04.2010/mel)
Mubarak-Prozess in Ägypten
150 000 im ersten Quartal cool. Nach dreißig Jahren Betriebszugehörigkeit bei Arcandor/Quelle hat mein Nachbar nun fast den Vorruhestand erreicht. Klar mit 55 nicht mehr vermittelbar. Er würde ja noch gerne, aber... Na ja, Stütze gibts noch ne ganze Zeit lang und dann halt etwas weniger Rente (wenn er überhaupt darf). Das schlimmste was passieren kann, ist dass er zur H4-Kläffer-Stasi zwangsverpflichtet wird, um die ansässigen "Herrchen und Frauchen" unter seinen ehemaligen Kollegen, beim Gassi gehen mit Struppi zu überwachen. Was solls. Nürnberg hat ja günstige Mieten, die Kinder verdienen ja schon selbst und Oma hilft mit der Witwenrente aus... Alles, nur kein Sozialneid.
Tipp an Herrn Eick: Übernehmen sie doch mit ihrem Geld das Karstadtcafe und laden ihre "Ex-Kollegen", hi und da auf ein Bierchen ein.