Ein Kommentar von Stefan Weber

Arcandor muss einen eigenen Beitrag leisten, um die Misere zu meistern - denn der ehemalige Chef Thomas Middelhoff hat schon alles versilbert, was nicht niet- und nagelfest war.

Mit breitem Lächeln und einem wohlklingenden Versprechen hatte sich Thomas Middelhoff Ende Februar als Chef des Handels- und Touristikkonzerns Arcandor verabschiedet. Er übergebe das Unternehmen "gut geordnet und aufgeräumt", ließ er wissen.

Thomas Middelhoff, dpa

Thomas Middelhoff hat als Arcandor-Chef alles versilbert, was nicht niet- und nagelfest war. (© Foto: dpa)

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Wenige Wochen im Amt, hat sein Nachfolger, der frühere Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick, einen ganz anderen Eindruck von der Hinterlassenschaft Middelhoffs. Die Situation des Unternehmens, zu dem unter anderem die Karstadt-Warenhäuser und der Quelle-Versand gehören, ist so verheerend, dass eine Insolvenz droht.

Wenn Arcandor oder seine Tochtergesellschaft Karstadt mit mehreren zehntausend Beschäftigten ihre Rechnungen nicht mehr begleichen könnten, würde dies ein Beben in der deutschen Wirtschaft auslösen. Auch aus Sicht der Politik wäre die Pleite eines Traditionsunternehmens mit Blick auf die Bundestagswahl im September ein verheerendes Signal.

Arcandor-Chef Eick darf somit hoffen, dass seine Bitte um Staatshilfe in Berlin nicht ungehört bleibt. Aber der Konzern muss auch einen eigenen Beitrag leisten, die Misere zu meistern - durch einen tiefgreifenden Umbau, zu dem voraussichtlich auch die Trennung von Warenhäusern und der Abbau von Arbeitsplätzen gehören. Zudem werden auch die Aktionäre frisches Geld zur Verfügung stellen müssen.

Eine Alternative dazu gibt es nicht. Der Konzern hat unter der Regie von Middelhoff alles versilbert, was nicht niet- und nagelfest war. Mit den Erlösen konnte zwar eine schon damals drohende Insolvenz abgewendet werden. Aber statt die Ärmel aufzukrempeln und das Geschäft neu zu ordnen, hat Middelhoff vornehmlich Phantasien geschürt.

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(SZ vom 20.04.2009/mel)