Arcandor in der Krise Eine Chance für Karstadt

Es gibt gute Gründe, warum der Staat Arcandor und seiner Tochterfirma Karstadt helfen sollte - jedenfalls bessere als für Opel.

Ein Kommentar von Caspar Busse

Karl-Gerhard Eick ist um seinen neuen Job nicht zu beneiden. Seit März ist der ehemalige Topmanager der Deutschen Telekom Chef beim Handelskonzerns Arcandor, zu dem vor allem Karstadt und Quelle gehören. Und seitdem kämpft er gegen die Pleite. Nur noch eine staatliche Bürgschaft könne Karstadt inzwischen vor dem Untergang bewahren, betont Eick seit Wochen bei jeder Gelegenheit und führt immer wieder Gespräche in Berlin.

Es gibt gute Gründe Arcandor mit Staatsgeld zu unterstützen, allein bei Karstadt arbeiten doppelt so viele Menschen wie bei Opel.

(Foto: Foto: ap)

Es wäre zu einfach, Eick lediglich versuchte Erpressung vorzuwerfen - nach dem Motto: Staatsgeld her oder es kommt die Insolvenz mit unabsehbaren Folgen. Denn klar ist, dass Arcandor für die deutsche Wirtschaft wichtig ist, sicher wichtiger als etwa Opel. Während aber Milliardenhilfen für den angeschlagenen Autobauer aus Rüsselsheim schon seit längerem nicht mehr grundsätzlich in Frage stehen, sondern es eigentlich nur um das Wie geht, ist bei Arcandor noch alles offen - auch wenn Finanzminister Peer Steinbrück jetzt eine staatliche Unterstützung nicht grundsätzlich ausgeschlossen hat. Die Bundesregierung hat immerhin eine zügige Prüfung versprochen.

Es gibt durchaus Gründe für eine Unterstützung von Arcandor. Alleine bei Karstadt sind derzeit mehr als 50.000 Menschen beschäftigt, doppelt so viele wie bei Opel. Dazu kommt: Viele der insgesamt noch 90 Kaufhäuser des Konzerns sind gerade für eine Reihe mittlerer und kleinerer Städte von großer Bedeutung. Sie sind in einigen Innenstädten oft das Zentrum des Einzelhandels, viele kleine Geschäfte in unmittelbarer Nachbarschaft - von der Apotheke über die Bäckerei bis hin zur Gastronomie - profitieren von der Anziehungskraft eines Karstadt-Warenhauses. Von "unerlässlichen Magneten" ist die Rede.

Sollten bei einer Karstadt-Insolvenz flächendeckend Standorte geschlossen werden, könnte das also massive Probleme für die Einzelhandelsstruktur nach sich ziehen. Auch wenn nicht sofort eine Verödung der Innenstädte nach amerikanische Vorbild drohen würde, so könnte doch ein Domino-Effekt in der ohnehin kämpfenden Einzelhandelsbranche drohen.

Keineswegs ausgemacht ist übrigens auch, ob das traditionsreiche Kaufhaus alter Prägung endgültig ausgedient hat - manche sehen durchaus Chancen. Denn es gibt auch Kunden, die das Konzept "Alles unter einem Dach" mit guter Beratung schätzen. Möglicherweise könnte der Bund also - wenn er schon mit Staatshilfen eingreift - im Fall Arcandor mit deutlich weniger Aufwand als bei Opel deutlich mehr Jobs sichern.

Natürlich ist auch richtig, dass bei Arcandor in den vergangenen Jahren schwere Managementfehler gemacht wurden. Eicks Vorgänger Thomas Middelhoff hat das Tafelsilber verkauft, vor allem die wertvollen Immobilien, Belastungen über viel zu hohe Mietverträge in die Zukunft verlagert und vor allem versäumt, Karstadt wirklich zu modernisieren. Die Probleme waren also unzweifelhaft schon vor Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise da. Aber erst die Bankenkrise hat Arcandor in Existenznot gebracht. Man muss Eick zugutehalten, dass er ein Konzept auf die Beine gestellt hat, bei dem alle Zugeständnisse machen, Arcandor-Aktionäre, Mitarbeiter, Lieferanten und Vermieter.

Verständlich ist, dass die Konkurrenz über Bundeshilfen für Arcandor wettert. Ein Subvention, wie auch immer sie aussieht, verzerrt immer den Wettbewerb. Doch der kurzfristige Fusionsvorschlag von Konkurrent Kaufhof aus dem Metro-Konzern ist ein taktisches Manöver - mehr nicht. Lange haben sich die Metro-Manager gegen einen Zusammenschluss gewehrt, mit durchaus plausiblen Gründen. Jetzt plötzlich wittern sie offenbar die Chance, sich bei einer Karstadt-Insolvenz billig zu bedienen und die Rosinen rauszupicken. Das ist schlechter Stil.

Vielleicht aber kann Arcandor-Chef Eick ja doch noch die Banken und die Besitzer der Karstadt-Immobilien zu Zugeständnissen bewegen, um eine Insolvenz abzuwenden. Denn eine privatwirtschaftliche Lösung ohne Staat wäre natürlich immer noch die beste - auch für Karstadt.

Von Karstadt bis Arcandor

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