Endzeitstimmung bei Arcandor: Die Aktie verliert rasant an Wert und die Krisenkommunikation wirft viele Fragen auf. Jetzt nimmt die Bafin den Konzern ins Visier - und Anleger fordern den Rücktritt von Konzernchef Middelhoff.

Es ist nicht einmal ein Jahr her, da kostete eine Arcandor-Aktie 24,19 Euro. Seither ist viel passiert. Die Papiere haben sagenhafte 93 Prozent ihres Wertes verloren. Allein am vergangenen Donnerstag waren die Werte um 30 Prozent eingebrochen, im laufenden Handelstag fielen die Aktien bis zum Mittag noch einmal um 16 Prozent.

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Krise bei Arcandor: Die Aktien des Handels- und Touristikkonzern haben rasant an Wert verloren. (© Foto: ddp)

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Bei dem Handels- und Touristikkonzern herrscht Entsetzen - und Ratlosigkeit. Die Aktie legte in den vergangenen Tagen eine rasante Berg- und Talfahrt hin. Viel deutet darauf hin, dass die Zeiten in Essen alles andere als ruhig sind.

Kursrutsch der Aktie

Da wäre zum einen die gewöhnungsbedürftige Informationspolitik des Unternehmens: Am Mittwochvormittag hatte Arcandor verkündet, sich mit den Gläubigerbanken auf die Refinanzierung bestehender Kredite geeinigt zu haben. Spekulationen, wonach die Banken als Pfand Anteile der Tochter Thomas Cook verlangen, wurden vom Konzern dementiert. Die Aktie schoss daraufhin um zeitweise 20 Prozent in die Höhe.

Am gleichen Tag nach Börsenschluss veröffentlichte Arcandor dann eine Pflichtmitteilung (Ad-Hoc) und stellte klar, dass im Zusammenhang mit der Bankeneinigung die Holding-Struktur überprüft werde. Dies könne auch bedeuten, dass die Beteiligungen an Karstadt und Thomas Cook reduziert werden. Bis dahin hatte Arcandor stets versichert, Thomas Cook bleibe Teil des Konzerns. Der Reiseanbieter ist der eigentliche Gewinnbringer des Essener Unternehmens. "Wenn die Filetstücke verkauft werden, bleibt an sich nichts mehr übrig, was Gewinn abwirft", sagte ein Händler.

Die Arcandor-Aktie rauschte daraufhin am Donnerstag auf ein Rekordtief. Am Freitag setzte sich der Kursrutsch fort - am Morgen brach der Titel um weitere 14 Prozent ein.

"Es muss eine Reaktion geben"

Nun nimmt die Bankenaufsicht Bafin - rein routinemäßig - die starken Kursschwankungen der Aktie genauer ins Visier. "Wir schauen uns das an, sowohl unter Ad-hoc-Gesichtspunkten als auch den Handelsverlauf der vergangenen Tage", sagte eine Sprecherin der Behörde. Ob es zu einer Untersuchung kommen werde, stehe noch nicht fest.

Aktionärsschützer fordern gar den Kopf des Konzernchefs. "Wir sind der Ansicht, dass Vorstandschef Thomas Middelhoff gehen muss", sagte Lothar Gries von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) der Welt.

Der Aktionärsschützer findet deutliche Worte: "Es muss eine Reaktion geben. Die Strategie von Middelhoff ist gescheitert, das Vertrauen ist dahin", sagte Gries.

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(sueddeutsche.de/dpa-AFX/dpa/tob/jkr)