Arbeitswelt Frauenförderung

Das Beratungsunternehmen McKinsey hat ausgerechnet, welchen Wachstumsschub eine stärkere Gleichberechtigung bescheren würde.

Von Elisabeth Dostert

So klappt es vielleicht doch noch mit der Gleichberechtigung, wenn schon soziale und moralische Argumente nicht helfen. Es gibt handfeste wirtschaftliche Gründe, Frauen und Männer in der Arbeitswelt gleichzustellen. Zu diesem Ergebnis kommt das Beratungsunternehmen McKinsey in der neuen Studie "The Power of Parity". Wenn das wirtschaftliche Potenzial von Frauen, die weltweit rund die Hälfte der erwerbsfähigen Bevölkerung stellen, nicht gehoben werde, leide die Weltwirtschaft. Die Berater haben die Ungleichheit in 95 Ländern anhand von 15 Indikatoren gemessen, etwa politischer Mitsprache oder Zugang zu Bildung.

Die Experten haben Szenarien berechnet, um wie viel das Bruttoinlandsprodukt bis zum Jahr 2025 höher ausfallen könnte, je nach dem welche Fortschritte die Gleichberechtigung macht. Wenn alle Länder einer Region sie so schnell vorantreiben wie das beste Land dieser Region, würde die Wirtschaftsleistung bis 2025 weltweit um 11,8 Billionen Dollar steigen. Im besten Fall, wenn Frauen im Arbeitsleben die gleiche Rolle zukommt wie Männern, läge der Zuwachs bei 28 Billionen Dollar. Der Wert entspricht der heutigen Wirtschaftsleistung der USA und Chinas zusammengerechnet.

Einen sehr hohen Grad an Ungleichheit machten die Experten in Ländern in Nordafrika, dem Mittleren Osten und Südasien aus. Die größten Probleme weltweit seien ungleiche Rahmenbedingungen in der Arbeitswelt, hohe Müttersterblichkeit, die rechtliche Benachteiligung, eine geringe politische Mitsprache sowie Gewalt. In Westeuropa hat sich McKinsey acht Länder angesehen. Bei den gesellschaftlichen Faktoren schneiden sie im internationalen Vergleich "sehr gut" ab. In der Arbeitswelt herrsche allerdings eine "hohe bis sehr hohe" Ungleichheit zwischen den Geschlechtern. Deutschland liegt über alle Indikatoren hinweg auf Platz fünf hinter Norwegen, Schweden, den Niederlanden und Frankreich. Beim Indikator "Besetzung von Führungspositionen" landete Deutschland nur auf Platz sieben, schlechter sieht es nur in den Niederlanden aus. Dabei käme mehr Gleichberechtigung auch Deutschland zugute. Wenn das Land so schnell damit vorankomme wie Norwegen, dem besten der Region, könnte das Bruttoinlandsprodukt bis 2025 um 430 Milliarden Dollar zulegen. Das setzt allerdings voraus, dass sich zum Beispiel die Erwerbstätigenquote von Frauen und Männern annähert.