Arbeitssuche Per Broschüre einen Job finden

Wer sich selbst um einen Job kümmert, findet rascher einen. Das Bild zeigt Arbeiten in einer Fassmacherei.

(Foto: Florian Peljak)

Wie Forscher Verhaltens­anstöße à la Richard Thaler einsetzen, um Arbeitslosen zu helfen. Dafür wurde eine Broschüre mit Tipps zur Jobsuche gestaltet.

Von Alexander Hagelüken

Wer keine Stelle findet, rätselt oft, warum er keinen Erfolg hat. "Viele Menschen ohne Arbeit haben noch große Informationslücken zur Jobsuche", erklärt der Bonner Ökonom Armin Falk. Das ist gefährlich, weil die Uhr tickt: Untersuchungen zeigen, dass die Aussicht auf eine Stelle mit jedem Monat sinkt, den jemand aus dem Arbeitsmarkt raus ist. Diese Abwärtsspirale versucht ein Forscherteam um Falk jetzt mit gezielter Information für die Jobsucher aufzuhalten. Und siehe da: Die Chancen auf eine Stelle erhöhen sich gerade für Langzeitarbeitslose, zeigt die Studie, die die Süddeutsche Zeitung vorab einsah.

Die Wissenschaftler vom neuen Briq-Institut für Verhalten und Ungleichheit setzen dabei einen jener sanften Anstöße (Nudges) ein, für die Richard Thaler bekannt wurde. Der 72-jährige amerikanische Ökonom erhielt für seine Forschungen unter anderem zur Steuerung des menschlichen Verhaltens beim Rauchen oder am Finanzmarkt gerade den Wirtschaftsnobelpreis. Falks Team nun nutzt die Sozialversicherungsdaten von mehr als 50 000 deutschen Arbeitslosen. Der Nudge besteht darin, jedem Vierten von ihnen eine eigens konzipierte Broschüre mit Tipps zur Jobsuche zu geben. Knapp, verständlich und motivierend aufbereitet - also etwas, das behördlichen Druckwerken häufig misslingt.

Die Leser erfahren bei Falk zum Beispiel, wie wichtig eigene Initiative für die Stellensuche ist. Wie viel es bringt, sich aus einer großen Anzahl von Quellen wie Tageszeitungen, Onlineseiten oder dem Angebot der Arbeitsagenturen über potenzielle Jobs zu informieren. Und warum jeder sein persönliches Netzwerk aus Bekannten, Verwandten und Freunden anzapfen sollte, um wieder eine Beschäftigung zu finden. Nach einer kanadischen Studie findet sogar jede zweite Beschäftigte den Arbeitsplatz über so einen persönlichen Kontakt. Aber sind solche Erkenntnisse nicht banal? Offenbar nicht. "Die Daten zeigen, dass aktive Stellensuche ein Schlüssel zum Erfolg ist. Leider unterschätzen viele Menschen aber das Ausmaß dieser Effekte", sagt Falk, Professor an der Uni Bonn. Andere Forscher zeigten bereits in der Vergangenheit, dass sich Arbeitslose häufig aus Scham über ihre Situation scheuen, persönliche Kontakte zu nutzen - während Angestellte, die den Job wechseln wollen, dies ganz selbstverständlich tun.

"Studien belegen, dass viele Menschen Fehleinschätzungen unterliegen, wenn es darum geht, zentrale Einflussfaktoren der eigenen Arbeitsmarktchancen zu beurteilen und diese in langfristigen Erfolg am Arbeitsmarkt umzumünzen", erklärt Co-Autor Steffen Altmann von der Universität Kopenhagen. Die Broschüre erläutert auch, wie positiv sich ein Job auf die eigene Gesundheit und die Familie auswirkt.

Der Erfolg scheint die Briq-Forscher darin zu bestätigen, dass sie den Arbeitslosen keine nutzlosen Plattitüden unterbreiten. Wer die Broschüre bekam, hatte ein Jahr später im Schnitt mehr verdient als Arbeitslose aus der Kontrollgruppe, die keine Broschüre erhielt. Besonders stark war der Effekt bei Langzeitarbeitslosen, also Bürgern, die seit mindestens einem Jahr aus dem Arbeitsmarkt raus sind - und sich oft deutlich schwerer wieder in eine Stelle vermitteln lassen. Ihr Einkommen war ein Jahr später 450 Euro höher als ohne Nudge - vor allem, weil vier Prozent mehr Leute als in der Vergleichsgruppe eine neue Stelle gefunden hatten. Angesichts der überschaubaren Kosten von einem Euro pro Broschüre findet Falk das Ergebnis vielversprechend. Der Ökonom ist durch solche Verhaltensexperimente bekannt geworden, bei denen er zum Beispiel die sozialen Fähigkeiten benachteiligter Kinder durch Mentoren fördern ließ. Falk sucht dabei häufig nach Lösungen, wie sich Ungleichheiten in der Gesellschaft für einen Staat mit knappen Mitteln kostengünstig korrigieren lassen.