Trotz der Wirtschaftskrise sinken die Arbeitslosenzahlen - das ist auch ein Erfolg kluger Politik. Doch ein großes Problem bleibt.
Es gibt Begriffe im Wortschatz des Menschen, die einen komplizierten Sachverhalt auf den Punkt bringen sollen, in Wahrheit aber genau das Gegenteil erreichen. Das Wort Globalisierung ist so ein Begriff, unter dem jeder etwas anderes versteht. Der Konzernboss hat vielleicht die neuen Absatzmärkte in Fernost im Auge, der Arbeitnehmer hingegen denkt eher an das Heer asiatischer Billiglöhner, die sich plötzlich mit ihm um den Job balgen. Für viele Beschäftigte hat die Globalisierung vor allem alte Gewissheiten weggefegt, etwa die, dass es ihnen gutgeht, wenn nur ihre Firma floriert.
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Keine Entwarnung trotz sinkender Arbeitslosigkeit Die Silhouette einer Frau ist am Dienstag (01.06.2010) durch die Eingangstür der Agentur für Arbeit in Stuttgart zu sehen. Die Zahl der Arbeitslosen ist im Mai zum vierten Mal in Folge in Baden-Württemberg gesunken. Die Arbeitslosenquote sank auf 4,9 Prozent (April: 5,2). Die Leiterin der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in Baden-Württemberg, Eva Strobel gab aber noch keine Entwarnung: Kurz- und Zeitarbeit stabilisierten zwar den Arbeitsmarkt, sagte Strobel. Sorge bereite aber die Situation der Langzeitarbeitslosen. Foto: Marijan Murat dpa/lsw +++(c) dpa - Bildfunk+++ (© dpa)
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Immerhin: Die jüngsten deutschen Arbeitsmarktzahlen zeigen, dass dieser Verlust an Berechenbarkeit nicht nur Nachteile mit sich bringen muss. So galt es noch vor zehn Jahren als gewiss, dass sich jeder Konjunktureinbruch mit ein paar Monaten Verzögerung eins zu eins in einer deutlich steigenden Erwerbslosigkeit niederschlägt. Ausgerechnet in der schwersten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit ist das nun anders: Die Zahl der Jobsuchenden stieg nur mäßig, sank dann wieder und liegt mittlerweile mit gut 3,2 Millionen nicht mehr weit vom Tiefstand des Boom-Jahres 2008 entfernt, als kurzzeitig sogar eine Zwei vor dem Komma vermeldet werden konnte.
Das beweist, dass die Politik der Globalisierung keineswegs so hilflos ausgeliefert ist, wie oft behauptet wird. Vielmehr hat sie es mit einer generösen Kurzarbeiterregelung vielen Firmen erst ermöglicht, auf einen Stellenabbau zu verzichten. Aber auch die Betriebe selbst haben aus früheren Krisen gelernt: Ein einmal entlassener, hochqualifizierter Mitarbeiter ist später, wenn es wieder bergauf geht, kaum zu ersetzen - erst recht nicht, wenn die Zahl geeigneter Nachrücker demografisch bedingt stetig sinkt. Da sich außerdem die Auftragsbücher der Firmen wieder füllen, und der niedrigere Euro-Kurs den Export beflügelt, ist für die nächsten Monate mit weiter sinkenden Arbeitslosenzahlen zu rechnen.
Grund zur Euphorie gibt es dennoch nicht, denn die Entwicklung am Arbeitsmarkt ist mit gravierenden konjunkturellen wie auch strukturellen Risiken behaftet. So werden die Sparprogramme beinahe aller EU-Regierungen die staatliche Investitionstätigkeit verringern und die Konsumlust der Bürger dämpfen, was viele Unternehmen erneut unter Druck setzen könnte.
Noch dramatischer ist das Problem der hohen Sockelarbeitslosigkeit, der Zahl jener Menschen also, die mangels Qualifikation selbst im Wirtschaftsaufschwung keine Stelle mehr finden. Sollten sie den Anschluss endgültig verlieren, müssen sich Wirtschaft und Politik bereits in naher Zukunft auf eine gefährliche Gemengelage aus Facharbeitermangel auf der einen und Massenarbeitslosigkeit auf der anderen Seite einstellen. Die Diskrepanz zwischen dem Qualifikationsniveau vieler Jobsuchender und den Qualifikationsanforderungen der Betriebe ist das eigentliche Problem der Arbeitsmarktpolitik in einer globalisierten Weltwirtschaft.
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(SZ vom 02.06.2010/mel)
Demonstrationen in Hamburg
.......... wenn auch nur ein gefälschtes Zahlenwerk dahinter steht. Egal, Hauptsache der Bürger wird eingelullt.
Es ist bedauerlich, daß auch die Süddeutsche Zeitung Berichte über Arbeitslosenzahlen einfach kritiklos nachplappert.
Das Volk wird von der Politik für dumm verkauft. Kaum wurde in den letzten Jahren erläutert, wer überhaupt nicht zu den Arbeitslosen zählt, aber trotzdem keine Arbeit findet. Verschwiegen wird auch stets, wie viele von den Niedriglöhnen nicht leben können und auf eine andere Art am Tropf des Staates hängen. Auch die tatsache, daß die Reallöhne seit Anfang der 90er Jahre ständig sinken gehört in diesen Zusammenhang hinein.
Diese "Erfolgsmeldung" kann man im ähnlichen Wortlaut auch woanders lesen. Ich erwarte eigentlich von der SZ seriöse Berichterstattung, die Hintergründe recherchiert und ans Tageslicht bringt.
Wirtschaft warnt vor "Kaputtsparen"
Arbeitgeber schlagen Einsparungen bei Arbeitslosen vor
Der Chef der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) legte eine umfangreiche Streichliste vor. Nach Ansicht der Arbeitgeber lassen sich allein 1,5 Milliarden Euro bei älteren Arbeitslosen sparen, wenn diese nur noch zwölf Monate Arbeitslosengeld I bekommen. Die Verlängerung des Arbeitslosengeldes für Ältere auf bis zu 24 Monate "war falsch, weil damit Anreize verloren gegangen sind, möglichst schnell wieder eine Beschäftigung aufzunehmen", argumentierte der BDA-Chef.
Auch das höhere Arbeitslosengeld für Arbeitslose mit Kindern müsse gestrichen werden, fordert die BDA. Künftig soll das Arbeitslosengeld generell nur noch 60 Prozent des früheren Nettoeinkommens betragen. Familien bekommen heute 67 Prozent. Kürzen will Hundt auch bei den Arbeitslosen, die sich weiterbilden. Zeiten der Weiterbildung müssten auf das Arbeitslosengeld angerechnet werden. Dies könnte 500 Millionen Euro bringen. "Sinnlose und teure Maßnahmen gehören abgeschafft", sagte Hundt. Dazu zählte er auch Lohnzuschüsse für Arbeitgeber, die ihre Beschäftigten in eine Weiterbildungsmaßnahme schicken. Sparen soll die Regierung auch bei den Hartz-IV-Empfängern. So solle der Zuschlag beim Übergang vom Arbeitslosengeld I zum Arbeitslosengeld II gestrichen werden.Tagesschau.de
BDA-Präsident Hundt klopft sich im Verein mit seinen BDA-Mitgliedern kräftig auf die Schultern, weil die Arbeitslosenquote rückläufig ist. Dabei kehrt er unter den Tisch, daß die wenigen Arbeitsplätze nur aufgrund der boomenden Exportwirtschaft aufgrund des wegen des miserablen Ratings für die Euro-Zone (Griechenland, Spanien, Portugal & Co.) und damit wegen des gesunkenen Eurowechselkurses entstanden sind. Seine Forderung nach Verschärfungen der Situation von Arbeitslosen kann so entweder als unüberlegtes Dahergerede oder als eine Forderung nach weiter sinkenden Löhnen, freilich bei weiter steigenden Zinsen, Ausschüttungen und Spekulationsgewinnen, verstanden werden.
Aber wer den Schaden (kein Ansehen, keine Lobby, kein Geld) hat braucht für den Spott nicht zu sorgen, nicht wahr?
Wer`s glaubt wird selig.Jetzt steht die Überprüfung der Rente mit 67 an und die ist maßgeblich abhängig von der Vermittlungsquote der alt Arbeitslosen.Wenn das mal kein Zufall ist das gerade jetzt ,wieder aller Erwartungen,die Arbeitslosenzahlen sinken.Frau von der Leyer hatte ja auch angekündigt das Arbeitslose und Hart4 Empfänger in Altenheimen vorlesen (nein wie süß!)und die Parks reinigen sollten.Dann haben sich einige wohl auf die Schnelle einen Job bei einem Seelenverkäufer besorgt.Wer soll dieses Zahlen Karussell glauben?
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