Arbeitsmarkt 2012 Weniger Arbeitslose, mehr Zuwanderer

Mehr Jobs in Deutschland: Baustelle in Hamburg

(Foto: dpa)

Spanier und Griechen flüchten nach Deutschland: Obwohl die Krise 2012 hierzulande langsam ankam, zieht die Wirtschaft viele Menschen aus Euro-Krisenstaaten an. Der Arbeitsmarkt reagiert robust - noch. Fünf große Trends, die das vergangene Jahr geprägt haben.

Von Bastian Brinkmann

Im Dezember zählten die Statistiker der Bundesagentur für Arbeit 3000 Arbeitslose mehr als noch im November. Dabei rechneten sie saisonale Effekte heraus, etwa dass im Winter weniger Baustellen betrieben werden. Der Anstieg ist in den Augen der Arbeitsagentur jedoch nicht dramatisch. "Der Arbeitsmarkt reagierte auch zum Jahresende robust auf die wirtschaftliche Eintrübung", sagte Frank-Jürgen Weise, der Chef der Arbeitsagentur.

Damit steht der Dezember exemplarisch für das Gesamtjahr 2012. Das zeigt die Jahresbilanz, die die Arbeitsagentur vorgelegt hat. Sie zeigt fünf große Trends, die den Arbeitsmarkt bestimmt haben.

  • Der Arbeitsmarkt war stabil. Die Arbeitslosenzahl lag im Schnitt im vergangenen Jahres bei 2.897.000, das waren 79.000 weniger als im Vorjahr. Das ist der niedrigste Stand seit 1991. Die Arbeitslosenquote lag bei 6,8 Prozent, das waren 0,3 Prozentpunkte weniger als 2011.
  • Mehr Griechen, Spanier, Portugiesen und Italiener sind zum Arbeiten nach Deutschland gekommen. Die Zahl der Beschäftigten aus den vier Euro-Krisenstaaten legte binnen Jahresfrist um 33.000 oder 7,6 Prozent zu (PDF). Die Beschäftigung von Spaniern legte um 15,8 Prozent auf rund 49.400 zu, für Griechen kletterte sie um 10,8 Prozent auf 123.300. Die Daten beziehen sich in diesem Fall auf Oktober 2012, neuere Zahlen liegen für die Länderdaten noch nicht vor. Klar ist aber bereits: Die Zahlen stiegen weitaus rasanter als die Gesamtzahl aller Arbeitnehmer und 400-Euro-Jobber in Deutschland, die um 1,1 Prozent auf rund 34,5 Millionen zulegte.
  • Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ging zurück. 4.443.000 Menschen bezogen 2012 Arbeitslosengeld II, besser bekannt als Hartz IV. Das waren so wenige wie noch nie seit den Arbeitsmarktreformen im Jahr 2005, die das heutige System der Grundsicherung erst einführten. Im Vergleich zu 2011 ging die Zahl um 172.000 zurück. Doch nicht jeder Hartz-IV-Empfänger kann künftig auf einen Arbeitsplatz hoffen: Mehr als drei Millionen von ihnen sind Langzeitbezieher. Die Arbeitsagentur selbst spricht von einem "hartnäckigen Sockel". Mehr Hintergründe im SZ-Artikel "Hartz IV - lebenslang".
  • Die Arbeitsagentur hat weniger Menschen gefördert. Besonders der Schritt in die Selbstständigkeit wurde deutlich seltener unterstützt, teilte die Arbeitsagentur mit. Das ist keine Überraschung: Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte für 2012 den Etat für den Gründungszuschuss auf nur noch 450 Millionen Euro zusammengestrichen, vorher lag er bei rund 1,9 Milliarden Euro. Gleichzeitig war der Rechtsanspruch auf den Gründungszuschuss für Arbeitslose entfallen. Bis zu 15.000 Euro gestreckt über neun Monate konnten Gründer erhalten. Diese Förderung galt als besonders effektiv, erklärt der SZ-Text "Es war einmal die Ich-AG".

Linktipp: Welcher Landkreis hat vom Aufschwung profitiert, welche Region leidet unter der Krise? Zeit-Online hat eine Infografik gebastelt, die die Arbeitslosigkeit regional und im Zeitverlauf darstellt.