Arbeitsmarkt Warum Ausländer schwerer Arbeit finden

Migranten haben höhere Hürden, Arbeit zu finden.

(Foto: dpa)
  • Menschen ohne deutschen Pass sind bei der Arbeitsvermittlung unterrepräsentiert.
  • Grüne und Linke fordern mehr Mittel für die Jobcenter.
  • Ausländische Arbeitnehmer landen häufig in geringfügiger Beschäftigung.
Von Thomas Öchsner

Sie können oft nicht gut genug Deutsch. Ihnen fehlt eine Berufsausbildung. Oder an der Schule hat es nur zum Hauptschulabschluss gereicht. Für hier lebende Ausländer trifft dies immer noch häufiger zu als für Deutsche. Das schlägt sich auch in der Arbeitslosenstatistik nieder: Jeder fünfte Arbeitslose - oder etwa 555 000 der 2,76 Millionen ohne Job - war im Mai 2015 ohne deutschen Pass. Die Arbeitslosenquote beläuft sich nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) bei Ausländern auf 14,3 Prozent, bei Deutschen auf 5,5 Prozent. Auch bei den Hartz-IV-Empfängern sind Ausländer überdurchschnittlich stark vertreten.

Dieser Trend dürfte sich in Zukunft eher verstärken. Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) rechnet auf Grund der Flüchtlingskrise allein 2016 mit 240 000 bis 460 000 Menschen zusätzlich, die auf Hartz IV angewiesen sein werden. Bis 2019 könnten deshalb sogar eine Million dazukommen, die meisten davon im erwerbsfähigen Alter. Dabei handelt es sich um in Deutschland anerkannte Menschen, die noch keine oder auskömmliche Arbeit gefunden haben. Diese sollen jedoch nicht zu Dauerkunden der Jobcenter werden. Die Bundesregierung will Milliarden locker machen, um diesen Menschen unter die Arme zu greifen und sie mit Sprach- und Integrationskursen zu unterstützen.

Wie aber ist es derzeit um die Förderung von Arbeitslosen ohne deutschen Pass bestellt? Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linken, Sabine Zimmermann, fragte beim Arbeitsministerium nach. Ergebnis: Auch wenn an manchen Stammtischen etwas anderes zu hören ist, Ausländer werden sicher nicht bevorzugt.

Welche Rolle spielt die Herkunft?

So sind Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit bei Maßnahmen, die helfen sollen, sich weiterzuqualifizieren und einen Job zu bekommen, eher unterrepräsentiert. Im Mai 2015 lag hier ihr Anteil bei 14,7 Prozent, obwohl ja gut 20 Prozent der Arbeitslosen ausländischer Herkunft ist. Das liege aber nicht am fehlenden deutschen Pass, sagt eine Sprecherin der BA. Ob und wie ein Arbeitsloser gefördert werde, hänge nicht von seiner Herkunft ab. Entscheidend seien "die individuellen Voraussetzungen". Außerdem habe die Förderung von Ausländern 2015 im Vergleich zum Vorjahr sogar zugenommen.

Die Linken-Politikerin Zimmermann hält dies für nicht ausreichend. Sie fordert, die Arbeitsförderung insgesamt zu stärken. Die Bundesagentur für Arbeit benötige mehr Personal und mehr Geld, um alle Arbeitslosen individuell besser betreuen zu können. Die Grünen hatten ebenfalls hochgerechnet, dass Arbeitsagenturen und Jobcenter 2000 neue Mitarbeiter einstellen müssten, um den Ansturm der Flüchtlinge bewältigen zu können.

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Zimmermann weist auch darauf hin, dass sich Arbeitslose ohne deutschen Pass bei der Aufnahme einer Arbeit oft schwerer tun. Auch dies zeigen die Zahlen des Arbeitsministeriums, das sich auf die BA-Statistiken beruft: Von den Ausländern, die erst ohne Job waren, dann aber eine Stelle fanden, hatten nach einem Jahr nur noch 59,1 Prozent eine Beschäftigung. Unter den Deutschen schafften es 64,4 Prozent, in Arbeit zu bleiben.

Für Zimmermann ist klar: Ausländer schneiden schlechter ab, weil sie - häufiger als Deutsche - als Minijobber oder Leiharbeiter tätig sind. Und dort sei das Kommen und Gehen, das Heuern und Feuern besonders stark verbreitet.

Die Sprecherin der Bundesagentur will dies nicht so negativ sehen: Ausländer hätten besonders häufig keine abgeschlossene Berufsausbildung. Die Leiharbeit sei für solch gering Qualifizierte zumindest eine Chance, in der Arbeitswelt Fuß zu fassen und etwas für die Berufsbiografie zu tun. "Das muss ja nicht immer schlecht sein", sagt sie.