Die Warnzeichen mehren sich: Bald werden die Arbeitslosenzahlen wieder hochschnellen. Die nächste Bundesregierung wird viele Probleme zu bekämpfen haben.
3,472 Millionen Arbeitslose im August 2009 - diese Zahl war für die große Koalition in dieser Woche ein Grund, sich einmal ein bisschen zu feiern. Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) lobte sich selbst und erklärte, es sei "das Ergebnis kluger politischer Entscheidungen", dass die verheerendste Wirtschaftskrise der deutschen Nachkriegszeit in der Statistik der Jobvermittler bislang nur geringe Spuren hinterlässt. Die Union wollte dem nicht nachstehen, sie lobte ihrerseits "das kluge Krisenmanagement von Angela Merkel".
Auf dem Arbeitsmarkt dürfte das Schlimmste noch bevorstehen, prognostizieren Experten. (© Foto: dpa)
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Tatsächlich sieht knapp vier Wochen vor der Bundestagswahl die Abschlussbilanz der Koalition nicht ganz so gut aus, vor allem wenn man einen Blick hinter die nackten Zahlen der Statistiker wirft: Auf dem Arbeitsmarkt dürfte das Schlimmste noch bevorstehen. Bei der Betreuung der Langzeitarbeitslosen läuft weiter vieles schief. Und in den Kassen der Arbeitslosenversicherung fehlen bald so viele Milliarden wie nie zuvor.
An einer Zahl ist nicht zu rütteln: Als Merkel im November 2005 die Ära des SPD-Kanzlers Gerhard Schröder beendete, waren 4,53 Millionen Menschen offiziell als arbeitslos registriert, jetzt sind es gut eine Million weniger. Dieses Job-Wunder hat aber nicht Angela Merkel vollbracht. Von der Senkung des Beitrags zur Arbeitslosenversicherung von 6,5 auf 2,8 Prozent abgesehen, hat die Koalition in vier Jahren fast nichts beschlossen, was dazu beitragen konnte, langfristig mehr Jobs zu schaffen.
Erfolg der rot-grünen Bundesregierung
Scholz hat mehr Vermittler in den Arbeitsagenturen eingestellt. Schwarz-Gelb schaffte die Ich-AG ab. Und die sogenannten arbeitsmarktpolitischen Instrumente wurde neu sortiert. Das war es aber auch schon. Was ausländische Beobachter als deutsche Erfolgsgeschichte auf dem Arbeitsmarkt bewunderten, ist vor allem auf den Aufschwung von 2005 bis ins Jahr 2008 zurückzuführen - und auf die Arbeitsmarktreformen, die die rot-grüne Bundesregierung zuvor durchsetzte.
Welchen Anteil die Reformen an dem deutschen Job-Wunder haben, lässt sich nicht genau beziffern. Joachim Möller, Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), ist sich aber sicher, dass sie "der Verhärtung der Langzeitarbeitslosigkeit entgegengewirkt haben". Die Betriebe könnten unattraktive Stellen leichter besetzen. "Die Bewerber waren zu mehr Kompromissen hinsichtlich Lohn und Arbeitsbedingungen bereit", sagt Möller. Arbeiten, egal was, das ist für viele offenbar noch besser, als von Hartz IV leben zu müssen.
Doch Warnzeichen mehren sich: Der Arbeitsmarkt hinkt der Wirtschaft immer gute sechs Monate hinterher, und schon jetzt sind etwa eine halbe Million Menschen mehr arbeitslos als im November 2008. Die Frage ist nun, wie lange das von der Bundesregierung gespannte Sicherheitsnetz noch hält und die Kurzarbeit Massenentlassungen verhindert. Springt die Konjunktur nicht wieder an und bleiben Aufträge weiter aus, hätte die Kurzarbeit den Anstieg der Arbeitslosigkeit nur verzögert. Die Betriebe müssten dann trotzdem in großem Stil Personal abbauen. Ob dieses Horrorszenario eintritt, weiß im Moment niemand.
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für den kommenden Arbeitsmarkt. Steht ja alles im Wahlprogramm der FDP und im Thesenpapier von zu Guttenberg, das wiederum alte CDU-Parteitagsbeschlüsse aufwärmt.
Der Kündigungsschutz wird weiter ausgehebelt. Damit können Firmen noch leichter vernünftig bezahlte durch schlechter bezahlte Arbeitnehmer austauschen.
Niedrige Löhne werden durch mehr Netto aufpoliert, ist aber nur eine weitere Lohnkostensenkung für die Arbeitgeber.
Die FDP betreibt eine große Charade: Spielt durch ihr "Mehr Netto vom Brutto" den Arbeitnehmerfreund und entlastet nur den Arbeitgeber.
Spielt durch ihre Steuerversprechen den Freund des Mittelstands und verschafft durch die Hintertür den wirklich Reichen und Unternehmen richtig fette Steuererleichterungen.
Das Wahlplakat der FDP . Arbeit muss sich wieder lohnen" sollte also lauten: Arbeit soll sich für Unternehmer wieder lohnen, also Hunger- statt Mindestlöhne".
Zu Beginn der sich abzeichnenden Wirtschaftskrise im Herbst 2008 wurden schnell noch
einmal die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung von der großen Koalition gesenkt.
Durch mehr Netto vom Brutto wurden so effektiv die Löhne nach unten korrigiert. Sozialabgaben der Unternehmer sind Teil des Lohns. Es gibt keine Versicherung der Welt, die ihre Beiträge senkt, angesichts von steigenden Risiken. Ich habe damals meinen SPD Abgeordneten Schurer um Aufklärung über dieses Arbeitnehmer-feindliche Verhalten gebeten. Es gab nur einige Allgemeinplätze der SPD Fraktion als Antwort. Die SPD agiert offentsichtlich ferngesteuert durch die Wirtschaft gegen die
Interessen ihrer Klientel.
In der Krise wird man dann sagen, sorry kein Geld da, wir müssen die
ALGI/II Sätze senken.
Getreu dem NEOCONservativen Credo "jede legale Arbeit ist zumutbar" (Zitat Söder) ... werden die - nach NEOCON-Vokabular - "Fleissigen" und die "Leistungsträger" ... die von ihnen zu "Faulen" und zu "Sozialschmarotzern" in diesem Lande erklärten Erwerbslosen ... schon entsprechend "motivieren" - mit "Arbeitszwang" ...
Man/frau braucht nur die Programme und die Grundsätze unserer marktradikalen Parteien zu lesen - da steht es nämlich schon drin ...
Die Funktionsweise der von unseren NEOCONservativen angestrebten "Neue(n) Soziale(n) Marktwirtschaft" kann schon bei George Orwell nachgelesen werden - in "Animal Farm" ...