Erstmals seit 2002 ist die Zahl der Arbeitslosen unter die Marke von vier Millionen gesunken. Arbeitsminister Franz Müntefering verbuchte die positive Entwicklung sofort als Erfolg der Regierungsarbeit.
Wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag in Nürnberg mitteilte, waren im November 3,995 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet und damit 89.000 weniger als im Oktober. Im Vergleich zum Vorjahresmonat ergibt sich sogar ein Minus um 536.000. Zuletzt lag die Zahl der Arbeitslosen 2002 unter der Vier-Millionen-Marke.
Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise. (© Foto: dpa)
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Die Arbeitslosenquote verringerte sich um 0,2 Punkte auf 9,6 Prozent. "Durch die stabile Konjunktur, aber auch das milde Wetter hat sich die Herbstbelebung bis in den November fortgesetzt", erklärte der BA-Vorstandsvorsitzende Frank-Jürgen Weise.
Größter Rückgang im Bereich des ALG-I
Daneben zahlten sich aber auch die Reformbemühungen immer mehr aus. So sei der Rückgang zwar auch im November in erster Linie im Bereich des Arbeitslosengeldes-I zu finden.
Doch die Zahl der Arbeitslosengeld-II-Bezieher sei ebenfalls gesunken. Sie liege nun um 180.000 unter dem Vorjahr. Das zeige, dass durch die verstärkte Zuwendung und Betreuung der Jobsuchenden diese auch leichter in neue Stellen vermittelt werden könnten.
Die Ein-Euro-Jobs hätten indes bei der jüngsten Erholung kaum eine Rolle gespielt, betonte BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt.
Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wächst
Weiter gestiegen ist die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung: Sie lag im September bei 26,88 Millionen, was einem Zuwachs um 317.000 gegenüber dem Vorjahr entspricht. "Seit Februar wächst die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung Monat für Monat", erklärte Weise.
Auch die Zahl der Stellenangebote verbesserte sich: Im November waren der BA 806.000 offene Jobs bekannt - 216.000 mehr als 2005.
Hauptwachstumsträger bei der Beschäftigung waren erneut die unternehmensnahen Dienstleistungen und hier in erster Linie Zeitarbeitsfirmen. Aber auch in der Baubranche, die üblicherweise zu dieser Jahreszeit Stellen abbaue, liege die Beschäftigung erstmals wieder über dem Vorjahr, sagte Weise.
Wunsch an die Politik
Für das kommende Jahr wünsche er sich von der Politik, dass an den Reformbemühungen festgehalten werde. Von der bevorstehenden Mehrwertsteuererhöhung erwartet der BA-Vorstand keinen nennenswerten Einfluss auf den Arbeitsmarkt.
Zwar sei mit einer kleinen Delle beim Wirtschaftswachstum zu rechnen. Der Arbeitsmarkt sollte aber stabil bleiben. So wird für den Jahresdurchschnitt 2007 eine durchschnittliche Arbeitslosenzahl von 4,3 Millionen erwartet und damit etwa 170.000 weniger als in diesem Jahr. Für 2006 rechnet die BA mit 4,5 Millionen Menschen ohne Job.
Zum Vorschlag von Teilen der Union, die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes I für Ältere wieder zu verlängern, sagte Weise: "Wenn man das ändert, mit allen Konsequenzen, dann muss man sich überlegen, ob man nicht ein Vorruhestandsmodell für große Unternehmen schafft."
Höherer Überschuss erwartet
Erfreulich entwickelte sich das Finanzergebnis der BA: Statt bislang knapp 10 Milliarden Euro Haushaltsüberschuss erwartet die Behörde nun zwischen 10,5 bis 11 Milliarden Euro. Die genaue Summe stehe noch nicht fest. Ende November belief sich das Plus auf 9,88 Milliarden Euro. Ursprünglich geplant waren lediglich 1,39 Milliarden Euro.
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Linke-Vize-Chefin Wawzyniak