Trotz der positiven Arbeitsmarkt-Zahlen verfestigt sich die Zweiklassengesellschaft. Deshalb müssen dringend neue Reformen her.
Es ist wirklich ein kleines Wunder, was sich gerade am Arbeitsmarkt abspielt. Wie in den Monaten zuvor sind auch im März die Erwerbslosenzahlen überraschend gut ausgefallen. Deutschland hat die schlimmste Wirtschaftskrise seit acht Jahrzehnten besser verkraftet als andere Industrienationen, obwohl der Rückgang der Wirtschaftsleistung hierzulande besonders stark war. Man könnte es sich nun leicht machen, da und dort ein bisschen korrigieren und sonst nach der Devise verfahren: "Weiter so!" Damit wäre der Arbeitsmarkt für die Zukunft jedoch schlecht gerüstet.
Offiziell waren im März knapp 3,6 Millionen Deutsche arbeitslos. (© Foto: AP)
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Zunächst ist nicht zu verkennen, dass die März-Statistik besser aussieht als sie ist. Knapp 3,6 Millionen Erwerbslose zählen als arbeitslos. Nicht berücksichtigt sind dabei die 160.000 Arbeitslosen, die im Vergleich zum Vorjahr wegen neuer Rechenmethoden in dieser Statistik nicht mehr auftauchen. Hinzu kommt, dass die Zahl der Menschen, die tatsächlich eine Stelle brauchen, viel höher ist: Sie ist innerhalb der vergangenen zwölf Monate auf gut 4,7 Millionen gestiegen.
Auch dürften die Arbeitslosenzahlen nach dem Mini-Aufschwung im Frühjahr wieder wachsen, weil die Einbußen bei den Exporten und der schwache Konsum auf den Arbeitsmarkt noch stärker durchschlagen werden. Der befürchtete Kahlschlag wird aber ausbleiben. Das liegt vor allem daran, dass sich die Kurzarbeit bewährt hat. In den Unternehmen, die sie nutzten und jetzt wegen neuer Aufträge nicht mehr darauf angewiesen sind, können die Beschäftigten wieder voll arbeiten.
Dennoch benötigt der im Ausland so bewunderte deutsche Arbeitsmarkt dringend Reformen. Es ist gut, dass die Jobcenter erhalten bleiben, in denen Arbeitsagenturen und Kommunen Langzeitarbeitslose gemeinsam betreuen. Nach wie vor gibt es allerdings eine Zweiklassengesellschaft: auf der einen Seite die Empfänger von Arbeitslosengeld I, denen die Arbeitsagenturen bevorzugt helfen; auf der anderen Seite die Millionen Hilfsbedürftigen, die Arbeitslosengeld II beziehen und es nur schwer schaffen, aus dem Hartz-IV-System wieder aufzusteigen. Dies kann sich Deutschland auf Dauer nicht leisten.
Schon im Jahr 2015 droht ein Mangel an Arbeitskräften in noch nie gekannter Form. Knapp drei Millionen Bewerber könnten dann fehlen - Ingenieure, Techniker, Naturwissenschaftler genauso wie Erzieher, Lehrer oder Pflegekräfte. Die Betreuung von Langzeitarbeitslosen muss deshalb effektiver werden. Dass dies geht, zeigen die Niederlande mit ihren erstaunlich guten Vermittlungserfolgen.
Die Koalition muss möglichst schnell ein neues Anreizsystem schaffen, um für Hartz-IV-Empfänger die Annahme eines Vollzeitjobs attraktiver zu machen. Nötig ist außerdem ein flächendeckendes System von Ganztagsschulen und ein gigantisches Umschulungs- und Weiterbildungsprogramm. Nach Schröders Agenda 2010 braucht Deutschland eine Agenda 2020 für den Arbeitsmarkt.
- Arbeitslosenzahl: Starker Rückgang Ein kleines deutsches Jobwunder 31.03.2010
- EU-Vergleich Kurzarbeit schraubt Lohnkosten in die Höhe 30.03.2010
- Kosten deutlich gestiegen Arbeit - ein teures Vergnügen 11.03.2010
- Hartz IV Von wegen Hängematte 04.03.2010
- Öffentlicher Dienst: Tarifeinigung Zahme Gewerkschaft 01.03.2010
(SZ vom 01.04.2010/tob)
Mubarak-Prozess in Ägypten
Bravo!
Diese Zahlenschieberei soll dem Bürger vorgaukeln es gehe aufwärts!
Diese Arbeitsmarkt Zahlen sind alle geschönt und haben mir der Realität nichts zu tun!
Liebe Leser gehen sie einmal zu einer BA um zu sehen wie viele es sind die auf ein Wunder warten von den angebotenen halbe Million Stellen(3,4 Millionen offizielle Arbeitslosen) eine zu ergattern.Dabei fehlen aber die heraus gerechneten Arbeitslosen (ca.4 Millionen).
Von dieser kann man dann zwar nicht leben weil 99,9% Leihfirmen(Seelenverkäufer) die Angebote bestimmen.
Hauptsache die Statistik scheint die Politiker zu bestätigen!Koste es was es wolle denn nach den Wahlen ist vor den Wahlen!
Dazu kümmert sich der Chef der BA noch nebenbei um die Bundeswehr!
Schöne neue Welt der Regierung.
In den letzten 20 Jahren wurde die Zählweise der Arbeitslosen ständig geändert. Reine Kosmetik der jeweiligen Regierung, die nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat.
Neben Statistikschönung ist der sich so rapide entwickelnde Dumpinglohnsektor ein Grund für vorzeigbare Zahlen. Es gibt zahlreiche Arbeitnehmer, die vom Niedriglohn nicht leben können und vom Staat Unterstützung einfordern müssen - aber Hauptsache sie sind aus der Statistik heraus.
- flächendeckend Ganztagsschulen, denn so wird erwerbswilligen und -fähigen Menschen (insb. Müttern) eine reale Möglichkeit gegeben, Leistung im ökonomischen Sinne zu erbringen - neben einem möglicherweise positiven Effekt für die demografische Entwicklung.
- eine "gigantische" Fortbildungsoffensive, denn in absehbarer Zeit wird es wegen der schwachen Jahrgänge einen Fachkräftemangel geben. Das ist eine einmalige Chance, durch Qualifizierung arbeitslosen Menschen eine Chance zu geben, auf dem ersten Arbeitsmarkt erfolgreich zu sein. Das gilt gerade auch für die Ü50er, die nach Ansicht jungdynamischer Unternehmensleiter nichts mehr zum Gewinn beitragen können. Gelingt ein solcher Schritt, lässt sich sogar die strukturelle Arbeitslosigkeit zurückfahren.
Da hat Herr Öchsner völlig recht, aber muss es Agenda 2020 heißen?
"Nach wie vor gibt es allerdings eine Zweiklassengesellschaft: auf der einen Seite die Empfänger von Arbeitslosengeld I, denen die Arbeitsagenturen bevorzugt helfen; auf der anderen Seite die Millionen Hilfsbedürftigen, die Arbeitslosengeld II beziehen..."
ALG1 ist eine Versicherungsleistung, ALG2 eine Fürsorgeleistung, ein Unterschied also völlig normal. Wenn es aber in Deutschland zwei Klassen gibt, dann sicher nicht ALG1ler und ALG2ler, sondern Reiche und Arme.
heißt Kapitalismus. Unsere Krankheit unterliegt seinen eigenen Gesetzen, die eine Kraft des Naturgesetzes haben. Die Regierung setzt weiterhin auf das Mittel gegen Schmerzen und Schlaffgut Tabletten. Na ja, dann Gute Nacht Leute!
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