Aus der Traum: Vollbeschäftigung wird es in absehbarer Zeit nicht geben, denn mit der Wirtschaftskrise ist der Aufschwung vorbei - und damit auch das Jobwunder.
Die Zahl der Arbeitslosen ist auf den niedrigsten Wert seit 16 Jahren gesunken. Doch die Menschen spüren bereits, dass es so nicht weitergehen wird.
Der Gang zum Arbeitsamt: Im kommenden Jahr wird eine höhere Arbeitslosenquote erwartet - als Reaktion auf die Wirtschaftskrise. (© Foto: ddp)
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Sie spüren das Außergewöhnliche dieser Krise, und sie spüren, dass Pleiten und Entlassungen, Einstellungsstopps und Kurzarbeit sie demnächst persönlich treffen könnten: Die Deutschen haben wieder Angst um ihren Job, und sie haben gute Gründe dafür.
Fünf Rezessionen hat Deutschland in der Nachkriegsgeschichte überstanden. Die sechste könnte schlimmer werden als alle zuvor. Auch wenn manche Politiker und Experten die Lage noch schönreden, die Flut von Krisenmeldungen enthält eine klare Botschaft: Die Freude über die Zahl der Arbeitslosen, die im November erneut unter der Marke von drei Millionen blieb, wird nur von kurzer Dauer sein. Wenn die Rezession Deutschland im nächsten Jahr voll erfasst und die Wirtschaftsleistung tatsächlich um bis zu einem Prozent fällt, wie Ökonomen nun erwarten, wird sich die Zahl der Menschen ohne regulären Job wieder langsam auf vier Millionen zubewegen. Versinkt die Welt in Tristesse, kann sich der deutsche Arbeitsmarkt diesem Abwärtstrend nicht entziehen, obwohl er dafür jetzt besser gerüstet ist.
Der totale Kahlschlag am Arbeitsmarkt dürfte diesmal ausbleiben. Dafür gibt es viele Gründe. Einer ist der demographische Faktor: Weil die Bevölkerung abnimmt, drängen weniger Arbeitskräfte ins Berufsleben als in der Vergangenheit. Hinzu kommt ein struktureller Vorteil: Die drittgrößte Wirtschaft der Welt ist weniger abhängig von einer kranken Finanzindustrie als die USA oder Großbritannien. Die sinkende Nachfrage wird die deutsche Exportindustrie zwar hart treffen. Aber in Deutschland rauchen zumindest noch Schornsteine, sie werden dies auch weiter tun.
Auch die Unternehmen können der Rezession besser trotzen. Sie haben bereits rationalisiert und Personal abgebaut, sie können Auftragsverluste leichter verkraften. Trotzdem plant jeder dritte Betrieb im nächsten Jahr die Zahl der Beschäftigten zu reduzieren. Es kommt nun darauf an, ob die Firmen aus ihren Fehler gelernt haben. In der Rezession von 2002 bis 2005 haben sie zu viele gute Mitarbeiter entlassen - und hatten dann Mühe, im Aufschwung wieder genug geeignetes Personal zu finden. Dieses Problem wird sich verschärfen, weil zunehmend Fachkräfte fehlen.
Es sollten deshalb diesmal nicht die Erbsenzähler entscheiden, die nur Kosten minimieren können. Jetzt ist die Stunde der weitsichtigen Personalchefs. Ob mit kürzeren Arbeitszeiten, mehr Teilzeitbeschäftigung, vorübergehenden Auszeiten oder Gehaltseinbußen, die sich in guten Zeiten wieder nachzahlen lassen, mit intelligenten Programmen lässt sich Personal halten, statt es übereilt auf die Straße zu setzen.
Schließlich haben auch die rot-grünen Reformen den Arbeitsmarkt krisenfester gemacht. Dazu gehört vor allem, dass Unternehmen es leichter haben, Mitarbeiter befristet einzustellen und Leiharbeiter länger zu beschäftigen. Die Reformen zeigen nun aber auch ihre Kehrseite. Leiharbeiter und Mitarbeiter ohne Dauervertrag sind die ersten Verlierer des Abschwungs. Hunderttausenden von ihnen droht im nächsten Jahr die Entlassung.
Doch auch viele andere Arbeitnehmer werden den Druck der Krise spüren. Es werden noch mehr Unternehmen aus Tarifverträgen aussteigen, Sozialleistungen abbauen oder Mitarbeiter auslagern, um sie dann schlechter bezahlen zu können. Die Regierungskoalition wird daran nichts ändern können. Aber sie sollte sich auf einen gut dosierten Mindestlohn einigen, der einerseits die wildesten Exzesse verhindert, andererseits den Erfolg der Reformen nicht gefährdet.
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(SZ vom 28.11.2008/mel)
Demonstrationen in Hamburg
Mal sehen wie vernünftig die Unternehmen sind. Setzen sie allzu viele Arbeitnehmer "frei", kriegen sie angesichts der demographischen Entwicklung im nächsten Aufschwung ein Problem, überhaupt noch Personal zu bekommen.
Ein netter Bericht, der die Realität artig so sieht, wie sie in den öffiziellen Statistiken dargestellt wird. Aber es gehört zu den wichtigsten Aufgaben des Journalismus, sich eine eigene Meinung zu bilden und sie dem Leser sachlich fundiert darzustellen. Das geschieht hier nicht.
Einen Aufschwung hat es gegeben, nur hat er keine Verbesserungen für die arbeitende Bevölkerung gebracht. Sattdessen Reallohnsenkungen, UST-Erhöhung, Gesundheitsreform, Rentenformel, ... Der Aussenhandel wurde bewusst zu Lasten des Binnenmarktes forciert, was zu einer Abhängigkeit führte, die beim jetzigen Abnehmen des Weltwirtschaftswachstums wiederum den Binnenmarkt belastet. Die Arbeitslosenstatistik führt nur noch die Arbeitslosen auf, die vom Staat vorgegebene Voraussetzungen erfüllen (die tatsächliche Arbeitslosenqute erscheint nur noch in nicht-behördlichen Berechnungen, bzw. wird -- wie von der FDP gezeigt -- in Anfragen im Bundestag genannt). Es wurde durch die Regierung Schröder ein Zeit- und Lohnarbeitssystem installiert, das das Tarifsystem zugunsten sinkender Lohnkosten unterläuft. Leidtragende sind die Lohn- und Zeitarbeiter (gleiche Arbeit für weniger Geld und ohne soziale Absicherung). Und so weiter und so fort.
Liebe SZ-Redaktion: bitte erfüllt Eure Aufgabe so, dass man das Gefühl haben kann in dem Land zu haben, über das berichtet wird. Im SZ-Verlag ist derzeit einiges im Argen, ja. Aber das darf nicht bedeuten, Hofberichterstattung zu machen.
Dazu aus berufenem Munde (Wolfgang Krach, Vize-Chefredakteur "Süddeutsche Zeitung", auf einer Betriebsversammlung ("kress report", 24/08, Seite 7)):
"Wir werden also in Zukunft mit weniger Leuten und weniger Geld weniger Zeitung machen und dafür mehr verlangen. Die Leser werden das merken."
Alles Gute
Kai Hamann
Fragen bei INSM, was sollen wir schreiben??
Für Deutschland sagt die OECD für 2009 mit minus 0,8 % eine der schlechtesten Wirtschaftsentwicklungen im OECD-Raum voraus. Dabei wird vor allem die Arbeitslosigkeit stärker als in den meisten anderen Ländern auf 8,6 % im Jahre 2010 steigen.
Das entspricht einem Anstieg um fast eine halbe Million. Daß Deutschland wegen seiner extremen Exportabhängigkeit doppelt getroffen wird, zeigen auch die europäischen Vergleichsdaten der Industrieaufträge von Eurostat für September.
Im Gegenteil, das Kahlschlagen wurde ja deutlich erleichtert.
Die Politik beruft sich bei Billiglöhnen auf die Tarifautonomie, aber lässt zu, dass Unternehmen in Schwierigkeiten (Managementversagen) davon abweichen, oder Unternehmen, die einfach weniger zahlen möchten aus dem Arbetigeberverband aussteigen.
Kranke Unternehmen bekommen Staatsknete und als Belohnung dürfen sie auch noch die Löhne kräftig drücken. Eine absolute Pervertierung aller marktwirtschaftlicher Regeln zu Gunsten der Shareholder (Fabrikbesitzer)
Die Wirtschafts- und Arbeitspolitik arbeitet nur noch für die Unternehmensvorstände, welche ja oft gleichzeitig Politiker sind.
Unternehmen dürfen laut Politik nicht pleite gehen, aber die Menschen dürfen vor die Hunde gehen. Das hat nichts mit der Rettung von Arbeitsplätzen zu tun, sondern nur damit, dass die Aktienbesitzer nicht ihr Kapital verlieren sollen.
Diese Politik kostet Arbeitsplätze und Wohlstand, da wo er nötig wäre, denn für jedes Pleiteunternehmen könnte ein neues, wettbewerbsfähiges entstehen, dass seinen Arbeitern bessere Bedingungen bieten kann.
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