Arbeitskampf bei Amazon Amazon-Beschäftigte distanzieren sich von Verdi

Auch die Amazon-Niederlassung in Leipzig wurde im Dezember 2013 bestreikt.

Die Gewerkschaft Verdi will gegen den Online-Versandhändler Amazon auftrumpfen und plant bundesweite Streiks. Doch mehr als Tausend Amazon-Beschäftigte halten davon gar nichts.

Laufen die Aktionen der Gewerkschaft Verdi gegen den Internet-Versandhändler Amazon ins Leere? Mehr als tausend Amazon-Beschäftigte sind mittels einer Unterschriftenaktion von der Gewerkschaft und deren Kampf um höhere Löhne abgerückt. Wie die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) berichtete, erklärten 1018 Mitarbeiter der Standorte Leipzig und Bad Hersfeld bereits Ende Dezember, dass sie sich "distanzieren von den derzeitigen Zielen, Argumenten und Äußerungen der Verdi, die in der Öffentlichkeit über Amazon und damit über uns verbreitet werden". Mit ihrer Unterschrift erklärten die Mitarbeiter dem Bericht zufolge, dass das von Verdi erweckte "negative öffentliche Bild" sie "bis ins Privatleben" verfolge. Die Darstellungen der Gewerkschaft entsprächen "nicht der Realität und nicht unserem täglichen Arbeitsleben", zitierte die NOZ aus der Erklärung.

Ein Verdi-Sprecher sagte der Zeitung zufolge, es komme vor, dass nicht immer alle Mitarbeiter einverstanden seien mit dem Vorgehen der Gewerkschaft. Es sei jedoch bedenklich, dass einige Mitarbeiter offenbar gar nicht mehr auf die Idee kämen, dass eine dauerhafte Beschäftigung oberhalb eines doch eher geringen Verdienstes zu erreichen sei. Er nehme die Sorgen der Unterzeichner zur Kenntnis.

In der Woche vor Weihnachten hatten täglich hunderte Amazon-Beschäftigte in den Versandhandelszentren Leipzig und Bad Hersfeld sowie an einem Tag auch im bayerischen Graben für Tarifverhandlungen gestreikt. Sie fordern einen Tarifvertrag auf dem Niveau des Einzel- und Versandhandels.

Das Amazon-Management lehnt Verhandlungen ebenso wie eine Tarifbindung bisher ab. Das Unternehmen orientiert sich an der niedrigeren Bezahlung in der Logistikbranche. Verdi hat bereits angekündigt, die Streiks bei Amazon in diesem Jahr fortzusetzen und möglicherweise auf weitere Standorte auszuweiten.

Weitere Versandzentren sollen einbezogen werden

Neben dem größten deutschen Standort im osthessischen Bad Hersfeld und dem in Leipzig sollen weitere Versandzentren einbezogen werden - möglicherweise Pforzheim. "Wünschenswert sind natürlich alle Standorte. Aber wir müssen Schritt für Schritt vorgehen. Wir wollen beweisen, dass wir uns steigern können. Wir bleiben dran", sagte Mechthild Middeke von Verdi Hessen. Mitte Dezember hatten sich bereits Mitarbeiter des Versandzentrums in Graben an einem Tag beteiligt - erstmals wurde drei der acht Standorte bestreikt.

Amazon reagiert auf die mögliche Bedrohung einer Streik-Ausweitung gelassen: "Selbst wenn neue Standorte hinzukommen sollten, sind wir auf weitere Streiks gut vorbereitet", sagte ein Unternehmenssprecher in München. "Man sieht ja auch, dass sich die Beteiligung der Mitarbeiter an den bestreikten Standorten im Rahmen hält."

Die Möglichkeiten für einen Kompromiss haben beide Streitparteien durch ihr Beharren auf Maximalforderungen und -positionen erschwert. Die Gewerkschaft gibt sich unnachgiebig. Und auch der Amazon-Deutschland-Chef, Ralf Kleber, betont: "Wir sehen keinen Anlass, mit Verdi in Verhandlungen zu treten." Amazon liege mit mindestens 9,55 Euro Basislohn bei den Löhnen über dem Durchschnitt der Logistikbranche und über dem Logistiktarif. "Wir reden lieber mit unseren Mitarbeitern direkt. Wir brauchen dazu keinen Dritten."