Arbeitsbedingungen in Schlachthöfen Fleischkonzerne wollen über Mindestlohn verhandeln

Ausufernde Arbeitszeiten, Billigkräfte aus dem Ausland, mangelhafte Gesundheitsvorsorge: Seit Langem fordern Gewerkschaftler bessere Bedingungen für Werkverträge in der Fleischbranche. Die Unternehmen blieben bislang unnachgiebig. Jetzt machen Deutschlands größte Fleischkonzerne ein Angebot.

Nach langem Streit will die Fleischbranche in Deutschland jetzt doch mit der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) über einen Mindestlohn und Standards für Werkvertragsarbeiter verhandeln. Darauf haben sich am Dienstag in Bonn die vier großen Unternehmen der Branche, Tönnies, Westfleisch, Vion und Danish Crown, geeinigt. Sie repräsentieren nach eigenen Angaben mehr als die Hälfte aller Schlachtungen in Deutschland.

"Ich bin froh, dass wir die Kuh jetzt vom Eis haben", sagte Clemens Tönnies, Chef des größten deutschen Schweinefleischkonzerns im westfälischen Rheda-Wiedenbrück. "Wir werden die Verhandlungen mit der NGG begleiten und hoffentlich schnell zu einem Ergebnis kommen." Tönnies, der auch Aufsichtsratsvorsitzender des Fußball-Erstligisten Schalke 04 ist, versprach neben dem flächendeckenden Mindestlohn auch einheitliche und verbindliche Standards, "die gesellschaftlich und politisch eine breite Akzeptanz finden". Das Angebot umfasst auch Mindeststandards für Unterkünfte, Integrationsangebote und Beratung.

Gewerkschaft fordert 8,50 Euro Mindestlohn

Der stellvertretende Vorsitzende der NGG, Claus-Harald Güster, begrüßte die Bereitschaft zu Verhandlungen. "Jetzt gilt es, einen zeitnahen Termin zu finden und auch inhaltlich weiterzukommen. Wir sind gespannt." Die NGG hatte die Fleischbranche am Vortag zu Gesprächen über einen Mindestlohn aufgefordert. Die NGG fordert einen Einstiegslohn von 8,50 Euro. Zudem müssten in dem Tarifvertrag die grundlegenden Arbeitsbedingungen in Fleischbetrieben festgelegt sein.

Im Juni waren zwei rumänische Werkvertragsarbeiter der Meyer-Werft im niedersächsischen Papenburg bei einem Brand in ihrer Unterkunft getötet worden. Danach setzte eine bundesweite Debatte über die Lage von Billigarbeitern aus dem Ausland und über den Missbrauch von Werkverträgen ein. Auch in der Fleischbranche wird massenhaft mit Werkverträgen gearbeitet. So gibt es bei Tönnies am Standort Rheda-Wiedenbrück etwa 5000 Beschäftigte, bis zu 3400 davon sind Werkvertragsarbeiter.

Ende August hatte NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) die Ergebnisse einer Sonderkontrolle der staatlichen Arbeitsschutz-Verwaltung in Nordrhein-Westfalen vorgelegt. In etlichen Großbetrieben seien ausufernde Arbeitszeiten, undurchsichtige Werkverträge mit Billigkräften aus dem Ausland und mangelhafte Gesundheitsvorsorge aufgedeckt worden. Eine Ursache des Übels sieht der SPD-Politiker im Missbrauch von Werkverträgen.