Aldi, Adidas und Metro am Pranger: Menschenrechtler kritisieren die katastrophalen Arbeitsbedingungen in China. Selbst Ethikprogramme taugen kaum, um die Missstände zu beseitigen.
90 Überstunden und mehr pro Monat sind offenbar nichts Ungewöhnliches. Doch selbst für chinesische Verhältnisse überschreitet dies die Grenzen des Erlaubten. Erschreckend ist, dass auch deutsche Unternehmen und ihre Zulieferbetriebe in China wegen Verstößen gegen das Arbeitsrecht immer wieder in die Kritik geraten. Bei Lieferanten des Discounters Aldi und des Sportartikelherstellers Adidas kommt es laut einer neuen Studie teilweise zu gravierenden Rechtsverletzungen. Betroffen seien außerdem Großhandelsmärkte von Metro in China. Eine am Donnerstag veröffentlichte Studie des Südwind-Instituts für Ökonomie und Ökumene zeigt, dass selbst auferlegte Ethikprogramme der Firmen kaum dazu beitragen, diese Missstände zu beseitigen.
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Wachstumsmarkt China: Nicht nur die deutschen Unternehmen Metro, Aldi und Adidas müssen sich ob der schlechten Arbeitsbedingungen Kritik gefallen lassen, sondern auch die Zulieferer. (© dpa/dpaweb)
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"Am schlechtesten sind die Bedingungen bei Aldi-Zulieferern", sagt Ingeborg Wick, Autorin der Studie. Bei einem Textilhersteller in der Provinz Guangdong leisteten die Beschäftigten bis zu 130 Überstunden im Monat, meist ohne Bezahlung. Auch bei zwei Adidas-Lieferanten in der Provinz Fujian seien exzessive Überstunden üblich. Der Spitzenwert von 92 Überstunden im Monat überschreitet das Erlaubte laut Wick um 150 Prozent. Dies sei ein klarer Verstoß gegen chinesische Bestimmungen.
Das christliche Südwind-Institut moniert außerdem, dass die Löhne nur knapp über dem gesetzlichen Mindestlohn liegen. Bei einem der Adidas-Lieferanten werde ein Grundlohn von 660 Renminbi gezahlt, während der Mindestlohn 570 Renminbi betrage. Als existenzsichernd gelte ein Betrag von 1640 Renminbi, umgerechnet 163 Euro. "Die Lebenshaltungskosten in China sind zuletzt so stark gestiegen, dass eine Anhebung des Mindestlohns um 20 Prozent in diesem Jahr kaum etwas gebracht hat", meint Wick. Die niedrigen Löhne verstoßen ihrer Ansicht nach zwar nicht gegen chinesisches Recht, dafür aber gegen die Arbeitsrechtskonventionen der ILO, einer Unterorganisation der Vereinten Nationen, die von den Firmen unterzeichnet wurde. Missstände kritisiert Südwind auch in zwei Großmärkten von Metro. Dort erhalte das externe Personal keinen bezahlten Mutterschaftsurlaub und andere Sozialleistungen. "Durch die Vergabe von Jobs an Dienstleister spart der Konzern Kosten", sagt Wick.
Aldi bestätigte die Vorwürfe zumindest teilweise. "Die von Ihnen angesprochenen Missstände sind bedauerlicherweise in zahlreichen Fertigungsstätten Realität", heißt es in einem Schreiben des Discounters an Südwind. Das Unternehmen arbeite aber gemeinsam mit seinen Lieferanten an deren Behebung. Dies sei aufgrund der hohen Zahl der Betriebe jedoch schwierig und langwierig. Südwind deckte bereits vor drei Jahren schwere Verstöße in Zulieferbetrieben von Aldi auf.
"Wir nehmen die Hinweise sehr ernst und sind dabei, sie zu verifizieren", sagte eine Adidas-Sprecherin der SZ. "Wir haben klare Vereinbarungen mit unseren Lieferanten". Erlaubt seien in China maximal 60 Arbeitsstunden pro Woche. Die Metro erklärte, der Konzern setze die Normen der UN-Arbeitsorganisation so weit wie möglich in seinen Märkten in China um. Der Konzern zahle Angestellten ein Grundgehalt und biete Zusatzleistungen. Die Ergebnisse der Studie beruhen laut Südwind auf der Befragung von mindesten zehn Beschäftigten an jedem der acht untersuchten Standorte.
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(SZ vom 20.08.2010/mel)
Zum Tod von Whitney Houston
So lange der Aufstockungsbetrag niedriger ist wie die durch den Job abgeführten Steuern und Sozialabgaben ist das keine Subvention. Gerade bei Kleinverdienern langt unser Sozialstaat voll zu. Würde unser Staat wie z.B. Schweden das Sozialwesen nahezu ausschließlich durch Steuern finanzieren, würden viele Aufstocker nicht mehr als solche existieren.
Konstruktionsfehler: Ein Bruttoeinkommen ist Höhe des ALG-II Bedarfs reicht nicht zum finanziellen Überleben, da sich erst der Staat bedient und der Bürger dann seine "Anträge" nach Bedürftigkeit stellen kann. Dazu erzeugt die Aufstockung eine Grauzone. Als Single können Sie bis etwa 1200€ Bruttoverdienst noch Aufstocker sein. Regulär wären 1200 Brutto etwa 906€ Netto. Als Aufstocker gibts den ALG-II Regelsatz plus ortsübliche Miete plus ca 300€ Freibetrag vom Erwerbseinkommen, also mindestens 645€ Bar plus Miete und Nebenkosten. Das ist der Benchmark, auf den das Nettogehalt aufgestockt wird.
Das heißt, man drückt erst 300€ Eigenanteil Sozialversicherung ab (der Arbeitgeber nochmal fast das gleiche) um dann ein paar Kröten über den Umweg der Aufstockung zurückzubekommen. Tolle Konstruktion. Man könnte sich vieles sparen, wenn das Existenzminimum eines Singles auf der einen Seite als Mindestlohn festgelegt wird, auf der anderen Seite dieses Existenzminimum tatsächlich Arbeitnehmerseitig abgabenfrei wäre.
Der Preis für Arbeit ergibt sich aus Angebot und Nachfrage. Solange Arbeit von Chinesen, Praktikanten, oder Müllmännern unter den Eigenkosten, sprich eigener Lebenhaltung, angeboten wird, wird`s natürlich auch von jemandem nachgefragt.
Wenn diese unterbezahlte Arbeit nicht mehr (in diesem Ausmass) angeboten wird, steigt auch der Preis, das Gehalt der Arbeitnehmer. Das auch ich das mit höheren Preisen bezahle, ist doch klar. So viele Gedankenschritte kann ich durchaus bewältigen.
Entweder dreh ich mich mit der Spirale abwärts, und kauf mit einem aufgestockten Minibudget nur biligste Produkte, die nur unter Ausbeutung anderer so billig sind, oder ich versuch, mich eben nicht selbst ausbeuten ztu lassen und damit die Ausbeutung anderer mit zu beschleinigen.
Ich bin immer noch der Meinung, dass das jeder im Kleinen wollen muss.
Das jammern nach dem allmächtigen Staat mit gerechten Gesetzen bringt uns auch nicht weiter, und schon gar nicht die Chinesen, um die`s ursprünglich mal ging. Die Welt ist nicht gerecht, der Staat auch nicht.
Die DDR ist auch nicht Vergangenheit, weil der Staat ein Gesetz dafür gemacht hat, sondern weil die Leute die Umstände nicht mehr akzeptiert haben.
Und genauso wird`s den chinesischen Arbeitern nicht besser gehen, wenn Sie nicht selber einen Weg finden.
@ hansuwe1605: Mein Gehalt liegt übrigens weit unter dem deutschen Durchschnitt.
Eher im Bereich, vom den der gute Schröder damals gesagt hat "...und diese Leute gibt`s wirklich!"
... egal, was Sie für ein Gehalt oder wie hoch der Lohn ist, den Sie beziehen.
(hatte ich vergessen)
"Es funktioniert nicht, alles mit Gesetzen zu reglementieren und steuern zu wollen.
Das funktioniert nicht bei chinesischen Arbeitern,
das funktioniert nicht bei deutschen Praktikanten, "
Doch, es funktioniert... Was denken Sie, wieviele Leute noch für lau bzw. unter Mindestlöhnen arbeiten würden, wenn nicht dieses Subventionieren der Arbeitgeber in Form des "Aufstockens" ins Gesetz gepresst wäre.
Ich will definitiv nicht sagen, niemand würde das tun, aber ich bin mir sicher, dass es signifikant mehr Leute wären, die sich dessen bewusst wären, dass auch Strassenkehrer einen Anspruch auf einen Lohn hätten, der zum Halten eines Mindestlebensstandards ausreichen muss.
Heisst: wenn dieser Beruf des Strassenkehrers nicht bei voller Arbeitsdauer ausreicht, das Leben zu finanzieren, kann ihn niemand mehr aus ebendiesen Gründen ausüben. Und wenn dann irgendwann unsere Strassen vor Dreck stehen, wären es diese Leute, die aufgrund von Angebot und Nachfrage entsprechend viel höhere Gehälter als nur eins für eine Mindestlebensfinanzierung erhalten würden, weil es dann extrem gefragte Leute wären!
Insofern wird schon mit Gesetzen gesteuert, nur dummerweise steuert das "Aufstocken" hin zur Existenzgefährdung vieler Leute und betrifft nach ein paar weiteren Gedankenschritten auch Sie.
Kollektive Blindheit ist nichts Neues,schon gar nicht in diesem Land.
Ich will nicht missionieren,plädiere nur dafür,daß man die Augen öffnet und die nackte Wirklichkeit sieht,ohne ein verzerrendes weltanschauliches Gewand dazwischen.
Paging