Arbeitsbedingungen bei Amazon Ausbeutung als Teil des Geschäftserfolgs

Amazon ist wegen schlechter Arbeitsbedingungen und der Ausnutzung von Leiharbeitern in die Kritik geraten.

(Foto: Matt Cardy/Getty Images)

Ein Arbeitgeber wie in frühkapitalistischen Zeiten: Bedingungen wie beim Versandhändler Amazon sind mittlerweile zu einem Symbol für Exzesse im Land des Jobwunders geworden. Dabei hat Leiharbeit gute und schlechte Seiten - und Letztere müssen von der nächsten Regierung bekämpft werden. Ob die Zustände so bleiben, hängt aber von den Kunden ab.

Ein Kommentar von Thomas Öchsner

Es sind gespenstische Bilder aus einer Schattenwelt der Arbeit: Die ARD-Reportage "Ausgeliefert - Leiharbeit bei Amazon" zeigt, wie der Versandhändler mit falschen Versprechungen Hilfskräfte aus ganz Europa in die Bundesrepublik gelockt hat, sie 15 Tage lang ohne Ruhetag mies bezahlt schuften lässt und nach Ende ihrer Schicht in heruntergekommene Ferienanlagen pfercht. Dort werden sie von Sicherheitsmännern überwacht, die sich wie Neonazis kleiden.

Weltweit haben die hässlichen Bilder Entsetzen ausgelöst. Wieder geht es dabei um Leiharbeit, wie damals in der Schlecker-Affäre, als die Drogeriekette Verkäuferinnen zuerst entließ, um sie danach als billige Leiharbeiter wieder anzuheuern. Das Vermieten von Arbeitnehmern ist mittlerweile zu einem Symbol für Exzesse im Land des Jobwunders geworden. Trotzdem wäre die Arbeitswelt nicht automatisch besser, wenn man Leiharbeit einfach verbieten würde. Sie hat gute und schlechte Seiten. Nur gibt es von den schlechten zu viele in Deutschland.

Arbeitsleben ist nicht mehr gleich Arbeitsleben. Die große Mehrheit der Beschäftigten hat nach wie vor einen Vollzeitjob, meist tariflich bezahlt und nicht bei einer Leiharbeitsfirma, wenn auch der Anteil solcher normalen Arbeitsverhältnisse schwindet. Zugleich ist das Heer der Minijobber, befristet Angestellten, Teilzeitkräfte und Leiharbeiter gewachsen. Vor gut 20 Jahren wurde die Arbeitskraft von 130.000 Menschen verliehen, heute sind es gut 800.000, etwa zwei Prozent aller Erwerbstätigen.

Anders als bei den Mini- und Teilzeitjobbern, von denen ein großer Teil freiwillig weniger arbeitet, ist kaum einer freiwillig Leiharbeiter. Man wird es, weil sonst nur die Arbeitslosigkeit bleibt. Im schlimmsten Fall landen diese Menschen dann als moderne Arbeitssklaven ganz unten, bei Firmen wie Amazon, die Leiharbeit missbrauchen.

Arbeitskräfte mieten - das sollte Unternehmen ursprünglich helfen, bei Auftragsspitzen leichter Arbeitskräfte auf Zeit einsetzen zu können. Zugleich war es als Brücke für Arbeitslose gedacht, um einen Job zu finden. Was gut gemeint war, ist jedoch teilweise schlecht geraten. Die Brücke ist ein schmaler Steg. Nur einer Minderheit von Leiharbeitern gelingt es, in die Stammbelegschaft aufzurücken.