Deutsche Unternehmen zeigen ihr Herz für die fußballbegeisterte Belegschaft. Am Mittwochabend stehen die Bänder vielerorts still. Pech haben dagegen Fußballfans, die in der Chemiebranche arbeiten.

Wenn am Mittwochabend Deutschland und die Türkei zum EM-Halbfinale antreten, werden Millionen Fußballfans vor den Fernsehgeräten sitzen. Manche jedoch müssen, man mag es kaum glauben, am Mittwochabend arbeiten, schließlich muss das Wirtschaftswachstum ja irgendwie erarbeitet werden. Eigentlich. Denn viele Arbeitgeber sind flexibel und gönnen ihren Mitarbeitern den Fußball-Spaß.

Fußballfans atmen auf: Viele von ihnen können sich für das Spiel am Mittwoch freinehmen. (© Foto: ddp)

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In etlichen Aufenthaltsräumen werden TV-Geräte aufgestellt - manche Unternehmen geben fußballbegeisterten Mitarbeitern sogar frei. Und verkürzen die Spätschicht.

Schlechte Karten haben Fußballfans dagegen bei ThyssenKrupp Steel in Duisburg oder ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt. Dort wird die Produktion nicht unterbrochen. "Man kann ja nicht einfach einen Hochofen abstellen", sagte ein Mittal-Sprecher.

Automobilindustrie großzügig

Ganz anders sieht es bei BMW aus. Dort endet die Spätschicht am Mittwoch in den deutschen Werken schon um 19 Uhr, anstatt - wie sonst üblich - um 24 Uhr. Allerdings, so betont das Unternehmen, müsse die Fehlzeit allerdings, wie bei allen anderen Unternehmen auch, vor- oder nachgearbeitet werden. Am Band im Münchner BMW-Stammwerk haben rund 1700 der insgesamt 9000 Mitarbeiter einen türkischen Pass.

Auch bei Opel in Bochum heißt es: "Die Spätschicht hört früher auf, die Nachtschicht fängt später an." Diese Frage stellt sich für die Kollegen in Rüsselsheim sowieso nicht. Dort stehen wegen der Werksferien die Bänder ohnehin still.

Kürzere Schichten gibt es auch bei Porsche. Am Standort Stuttgart-Zuffenhausen wird die Spätschicht auf 20.15 Uhr verkürzt. Die betroffenen rund 1300 Beschäftigten müssen die ausgefallene Zeit in der nächsten Woche nacharbeiten.

Wo welche Schichten bei Daimler verkürzt werden, wird laut einer Unternehmenssprecherin von Standort zu Standort geregelt. Im Sindelfinger Werk werde die Spätschicht um 19.30 Uhr statt normalerweise um 22.30 Uhr enden. Genug Zeit, um rechtzeitig zum Anstoß zu Hause zu sein. Die Nachtschicht soll erst um ein Uhr beginnen.

IG Metall appelliert an Arbeitgeber

Der Vorsitzende der IG Metall in Bayern, Werner Neugebauer, forderte in der Bild-Zeitung alle Unternehmen mit Spätschichten auf, den Mitarbeitern vor dem Halbfinalspiel rechtzeitig frei zu geben. "Ich empfehle jedem Arbeitgeber dringend, den Mitarbeitern zu erlauben, während des Spiels die Arbeit ruhen zu lassen. Daran geht Deutschland ökonomisch nicht kaputt. Es gibt genügend Wege, die Stunden nachzuholen."

Seite 2: Wenig Spielraum in der Chemieindustrie

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