Gabriel hält eine lange Rede, fast eine Stunde analysiert er die Lage der Wirtschaft, der Finanzmärkte. Er hat zunächst nichts im Gepäck, was die Bosse besonders auf- oder anregen würde. Seine Mindestlohnforderung hat sich qua Bundestagswahl vorerst entschieden.

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Aber er erntet doch den ein oder anderen Lacher, etwa als er den Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, zu "einem wirklichen Propagandisten des realen Sozialismus" erklärt, weil der einen Bankennotfallfonds fordert, der von der Gesellschaft zu finanzieren sei. "Das hätte ich nicht mal zu meinen Jusozeiten für möglich gehalten."

Gabriel will lieber die Finanzindustrie mit einer Sonderabgabe auf ihre Gewinne belasten. Das Geld soll helfen, Mittelständlern Investitionen zu erleichtern.

Die von Schwarz-Gelb erhofften Selbstfinanzierungseffekte ihrer Steuersenkungspläne dagegen nennt er "Voodoo-Keynesianismus". Die Steuersenkungen selbst seien ein "Schrotschuss in die Gesellschaft".

Der Schuss werde vor allem die Länder treffen, die die Steuersenkungen mit wenigstens zwölf Milliarden Euro mitzufinanzieren hätten. Dass das den Bossen auch nicht ganz geheuer ist, zeigt der Beifall für Gabriel, als er Merkel kontert. Die hatte gesagt, das Versprechen, künftig sieben Prozent der deutschen Wirtschaftleistung für Bildung auszugeben, beinhalte nicht die Idee der Länder, die Pensionslasten für Lehrer im Ruhestand einzurechnen. "Das ist so nicht gemeint", sagte sie, als hätten die Länder einen abenteuerlichen Vorschlag gemacht.

Den Spieß einfach umgedreht

Gabriel dreht den Spieß um: "Wer den Ländern zwölf Milliarden nimmt, der muss sich nicht über solche Gedankenspiele wundern." Es sei die "blanke Not" die in den Kommunen herrsche. Dafür bekommt Gabriel viel Applaus.

Noch etwas mehr Zustimmung gibt es für ihn in der Frage Betreuungsgeld. Es sei vielen nicht zu erklären, dass sie ihre Kinder unbedingt in Kindergärten geben sollen, damit sie bis zur Grundschule gut Deutsch lernen, wenn ihnen gleichzeitig gesagt werde, es gebe 150 Euro, wenn das Kind zu Hause bleibe.

Gabriel schneidet noch ein heikles Thema an: Dienstwagen. Er sieht hier eine Chance, Milliarden Euro für den Staat zu sparen, wenn große Geländewagen nicht als Dienstwagen steuerlich geltend gemacht werden dürften. Ein Opel-Betriebsrat habe mal gesagt, solche Autos seien "Viagra in Chrom", lästert Gabriel. Dann bekennt er lächelnd: "Ich habe nichts gegen Viagra, man weiß ja nie."

Allerdings, fährt er fort, "finde ich nicht, dass das der Steuerzahler bezahlen muss". Das Geld sei in Kindergärten besser aufgehoben als im Tank großer Autos. Die Arbeitgeber nehmen ihm das nicht übel, im Gegenteil: sie applaudieren. Und zwar nicht aus Höflichkeit. Bei einem Sozialdemokraten auf dem Arbeitgebertag kann man das sicher sagen.

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  1. Mit Küsschen vom Hundt
  2. Sie lesen jetzt "Viagra in Chrom"
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(sueddeutsche.de/mel)