Von Thorsten Denkler, Berlin

Wie sehr sich die Arbeitgeber über Schwarz-Gelb freuen, wird schon am Empfang für die Kanzlerin deutlich. Doch SPD-Chef Gabriel spricht ein paar unbequeme Wahrheiten aus.

Nach ihrer Rede gibt es Küsschen von Hundt, Dieter Hundt, dem gerade frisch für weitere zwei Jahre gewählten Präsident des deutschen Arbeitgeberverbandes BDA. Schon die Begrüßung fällt mehr als freundlich aus. Mitten in die Rede von Hundt platzt Merkel mit ihrer Entourage in den Saal. Sofort brandet Applaus auf. Hundt schaut ein wenig verwirrt hoch, bis er merkt, warum applaudiert wird. An seiner Rede kann es nicht gelegen haben.

Merkel, Hundt, Foto: dpa

Angela Merkel und Dieter Hundt - wohin marschiert die Wirtschaft? (© Foto: dpa)

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Hundt begrüßt Merkel vom Pult herab und erklärt ein wenig umständlich wie demütig, er sei "gerade dabei, die Weichenstellung im Koalitionsvertrag zur Sozialpolitik als richtig zu loben".

Merkel macht, was sie immer macht: Sie erklärt nüchtern ihre Politik. Die Krise sei noch nicht überwunden, aber es sei gelungen, nicht in den Abgrund zu fallen. Sie spricht über Protektionismus, Kreditklemme, über "Aufstockungsmodelle für die Warenkreditversicherung". Nicht viel dabei, was mit Beifall bedacht wurde.

Ein paar Neuigkeiten immerhin hat sie mitgebracht: Die Kurzarbeit werde nochmals um ein Jahr verlängert. Und General Motors habe die letzte Rate für den Überbrückungskredit der Bundesregierung an Opel zurückgezahlt. Die Bundesregierung habe Opel geholfen, über die Krise zu kommen. Das sei auch notwendig gewesen.

Warme Worte per Brief

Vielleicht trägt Merkel deshalb wieder ihren roten Blazer zu schwarzer Hose. Mit Schwarz-Gelb wäre ein Opel-Kredit im Frühjahr kaum zustande gekommen. "Ich erwarte in einem Jahr wenigstens mal einen umfangreichen Dankesbrief von General Motors", sagt Merkel.

Der neue SPD-Chef Sigmar Gabriel ist sofort nach Merkel dran. Er wolle ein Kontrastprogramm zu Merkel sein, kündigt er an, dann schaut er Arbeitgeberpräsident Hundt an, der vor ihm in der ersten Reihe sitzt. "Dafür müssen Sie mich am Ende auch nicht küssen." Wenn er die Arbeitgeber schon nicht inhaltlich überzeugen kann, dann will er zumindest der bessere Unterhalter sein.

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