Arabische Investoren Auf Shopping-Tour in Europa

Siemens, Tiffany's, Louis Vuitton oder aktuell die Deutsche Bank: Arabische Investoren kaufen sich zunehmend in westliche Unternehmen ein. Oft sind sie ein gern gesehener Retter in der Not. Auf romantische Gefühle ihrer Investoren dürfen die Konzerne aber nicht setzen.

Von Simone Boehringer und Thomas Fromm

Das waren noch Zeiten, als sich ein Scheich damit zufriedengab, ein teures deutsches Auto zu kaufen. Seit ein paar Jahren genügen Autos nicht mehr, da müssen es gleich größere Anteile an deutschen Autokonzernen sein.

Vor vier Jahren zum Beispiel, da saß bei einer VW-Hauptversammlung erstmals ein Mann vorne auf der Bühne, der so gar nicht zu den großen Familiendynastien des VW-Konzerns zu gehören schien. Ein Mann aus dem Emirat Katar, der Hussain Ali Al-Abdulla hieß und dessen Staatsfonds seit der gescheiterten Übernahme von VW durch Porsche 17 Prozent an dem Autokonzern hält.

17 Prozent der Stammaktien von einem der größten Autobauer der Welt - das ist eine ganze Menge. Andererseits: Da die Familien Porsche und Piëch über die Porsche Holding mehr als die Hälfte der VW-Anteile halten, und da das Land Niedersachsen weitere 20 Prozent an VW hält, lassen sich diese 17 Prozent zwar in ein strategisches Mitspracherecht, aber kaum in direkte Macht ummünzen. Doch darum geht es den Scheichs vielleicht auch gar nicht. Sie wollen vor allem eines: ihr Geld anlegen und dabei möglichst lukrativ vermehren.

Keine Lieblingsbranchen bei Investoren

Beim VW-Wettbewerber Daimler, anders als VW ein Konzern ohne große Familienaktionäre, hält der kuwaitische Staatsfonds Kuwait Investment Authority rund sieben Prozent der Anteile. Das wiederum klingt nach wenig. Nur: Bei Daimler ist man mit sieben Prozent größter Einzelaktionär und hat einen Teil der Macht.

Es geht um viel Geld. Auf ungefähr 200 Milliarden Dollar wird das Vermögen der Katarer geschätzt. Da ist man beim Investieren nicht zu wählerisch, solange hohe Renditen erzielt werden können. Die Banken Merck Fink, Credit Suisse und Barclays, der Fußballklub Paris Saint-Germain, Siemens, die angeschlagene Solarfirma Solarworld, Royal Dutch Shell, aber auch Tiffany's, Louis Vuitton, die Londoner Börse, Lagardère und Hochtief - das ist nur ein kleiner Auszug aus der Shopping-Liste der Araber aus Katar, der aber zeigt: Wenn es ums Geldanlegen geht, beschränkt man sich nicht auf Branchen und schon gar nicht auf einzelne Länder.

Bei den Konzernen sind die Investoren aus den Emiraten gern gesehene Gäste: Sie gelten als zurückhaltend und diskret - anders als Hedgefonds beispielsweise. Manchmal kommen sie als Retter in der Not. So wie die Fluggesellschaft Etihad aus Abu Dhabi, die an Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft Air Berlin einen Anteil von 29,2 Prozent hält. Der Großaktionär hilft in schwierigen Zeiten mit 300 Millionen Euro aus - und setzt damit auf eine langfristige Erholung der Airline. Und manchmal buhlen die Investoren regelrecht um Anteile bei westlichen Konzernen - jeder Staatsfonds hat Milliardengelder zu verwalten, und der Markt für renditeträchtige Investments ist begrenzt.

Mehr ausländische Aktionäre bei Dax-Unternehmen

Das Investment Katars bei der Deutschen Bank spiegelt daher auch einen Trend wider: Es geht um die Beliebtheit von Kapitalanlagen in Deutschland generell - und deutscher Unternehmen im Speziellen. So bevorzugen internationale Investoren deutsche Anleihen immer dann, wenn es an den Finanzmärkten kriselt. Entsprechend wenig Zinsen muss die Bundesrepublik zahlen, wenn sie Geld leihen will. Und deutsche Aktien gelten im Vergleich als besonders beliebte Sachwertanlagen, wenn es darum geht, von Wachstumsperspektiven zu profitieren.

Nach einer neuen Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young stieg der Anteil ausländischer Aktionäre bei den 30 größten börsennotierten Gesellschaften des Deutschen Aktienindex (Dax) in den vergangenen zehn Jahren von 44 auf 54 Prozent Ende 2013. Größte Gruppe sind demnach europäische Anleger, gefolgt von Fonds aus Nordamerika. Asiatische und vor allem arabische Investoren sind im Dax noch in der Minderheit - aber sie sind stark im Kommen.

Als einige Peripheriestaaten der Euro-Zone vor zwei Jahren noch stärker in der Krise steckten, hatten sich sogar noch mehr ausländische Kapitalverwalter auf Deutschland fokussiert; ihr Anteil am Dax hatte in der Spitze bei 58 Prozent gelegen. Größter Aktionär im Dax ist nach wie vor Blackrock. Über diverse Fonds hält der amerikanische Vermögensverwalter bei allen 30 Dax-Unternehmen drei Prozent und mehr, oft sind Blackrock-Fonds als größte Aktionäre gelistet.

Bei Volkswagen ist Blackrock, anders als Katar, mit mehr als fünf Prozent an den Vorzugsaktien beteiligt und damit als größter Anteilseigner. An den strategisch wichtigen Stammaktien, mehrheitlich in der Hand der Porsche-Familien und nicht im Dax, hält der US-Vermögensverwalter nur 0,15 Prozent.

Investoren aus dem Morgenland wenig romantisch

Wie schnelllebig das Geschäft mit ausländischen Investoren manchmal ist, musste Daimler-Chef Dieter Zetsche im Oktober 2012 lernen. Jahrzehntelang sollte das Bündnis mit dem Staatsfonds Aaabar aus Abu Dhabi halten - das war die Ansage im März 2009, als sich die Scheichs für zwei Milliarden Euro einen Anteil von neun Prozent an dem schwäbischen Premiumhersteller einstrichen.

Nach dreieinhalb Jahren dann ein satter Kursgewinn, der Abschied - und tschüss! Bei westlichen Beteiligungen sind die Investoren aus dem Morgenland wenig romantisch. Und sie interessieren sich, anders als ihre Kollegen aus China, auch nicht allzu sehr für Technologien. Sie wollen vor allem ihre Petro-Milliarden gewinnbringend anlegen - und dafür hohe Renditen sehen.