Apple- und Microsoft-Zulieferer Foxconn-Mitarbeiter drohen mit Massen-Suizid

Mehr Geld - oder wir springen in den Tod: Damit sollen Arbeiter in einer chinesischen Foxconn-Fabrik angeblich ihren Chefs gedroht haben. Die Arbeitsbedingungen bei dem Apple- und Microsoft-Zulieferer stehen seit langem in der Kritik. Das Unternehmen jedoch wiegelt ab.

Von Marcel Grzanna, Peking

In einer chinesischen Fabrik des taiwanischen Elektronikproduzenten Foxconn haben etwa 150 Mitarbeiter mit Suizid gedroht, um eine Lohnerhöhung zu erzwingen. Der Vorfall ereignete sich bereits vor mehr als einer Woche. Die Angestellten hatten sich auf dem Dach eines Fabrikgebäudes versammelt und angekündigt, sich in die Tiefe zu stürzen, sollten ihre Forderungen nicht erfüllt werden.

Foxconn bestätigte der Süddeutschen Zeitung einen Vorfall am 4. Januar in seiner Fabrik in der zentralchinesischen Millionenstadt Wuhan, wo Produkte von Microsoft, Sony und Nintendo hergestellt werden

Allerdings stellte das Unternehmen den Sachverhalt etwas anders da, als er zuvor von Nachrichtenseiten berichtet worden war. Laut Foxconn sei die Ursache des Zwischenfalls die Folge einer geplanten Versetzung der Arbeitseinheit, die vornehmlich die Xbox360 für Microsoft fertigt, in einen anderen Bereich der Produktion gewesen.

In den Berichten hieß es dagegen, dass die Arbeiter am 2. Januar eine Lohnerhöhung gefordert hatten. Foxconn soll ihnen daraufhin nahegelegt haben, entweder den Job gegen Bezahlung einer Entschädigung umgehend zu kündigen oder die Höhe ihres Lohnes zu akzeptieren. Nachdem sich zahlreiche Arbeiter für ihre Kündigung entschieden hatten, wurde ihnen die Auszahlung ihres versprochenen Geldes angeblich verweigert. Daraufhin spitzte sich die Situation zu, und die Angestellten drohten mit einem Massen-Suizid.

"Der Vorfall wurde nach Diskussionen zwischen den Arbeitern, Foxconn-Vertretern und Beamten der Lokalregierung erfolgreich und friedlich beigelegt", heißt es in der Stellungnahme von Foxconn. 45 Arbeiter hätten schließlich freiwillig das Arbeitsverhältnis beendet, die übrigen seien an die Produktionsbänder zurückgekehrt. Ob Geld floss, bestätigte Foxconn nicht. Den Berichten zufolge soll sich sogar Wuhans Bürgermeister persönlich in die Verhandlungen mit den Arbeitern eingeschaltet haben.

Einmal mehr rückt Foxconn unfreiwillig seine Auftraggeber in ein schlechtes Licht. Diesmal erwischte es Microsoft, nachdem 2010 Apple am Pranger gestanden hatte, für das Foxconn iPads und iPhones fertigt. Damals hatten sich innerhalb weniger Monate 14 Foxconn-Mitarbeiter auf dem Firmengelände im südchinesischen Shenzhen das Leben genommen. Die Todesfälle lösten eine Diskussion über die Arbeitsbedingungen bei dem Elektrogiganten aus. Viele Angestellte beschwerten sich über seelische Vereinsamung und Überforderung. Andere klagten über gesundheitliche Schäden, die sie durch ihre Arbeit an den Produktionsbändern erlitten hatten.

Foxconns Abnehmer, Microsoft, hat nach dem Vorfall betont, die Firma nehme die Arbeitsbedingungen in den Zuliefererfabriken sehr ernst. Man untersuche den Fall, sagte ein Microsoft-Sprecher dem Computerspiele-Blog Kotaku. Vor ein paar Monaten hatte Microsoft der Seite noch gesagt, Foxconn sei und bleibe ein wichtiger Partner Microsofts: "Wir vertrauen Foxconn als verantwortungsbewusstem Unternehmen, das sich weiterentwickelt."

Für junge chinesische Arbeitnehmer, die auf der Suche nach einem Job in einer Fabrik sind, bleibt Foxconn als Arbeitgeber trotz aller Horrorgeschichten aus den Produktionshallen attraktiv. Kurz nach der Suizid-Serie in Shenzhen 2010 begann das expandierende Unternehmen mit der Rekrutierung neuer Arbeiter für andere Standorte. In der Provinz Henan, wo in diesem Jahr die größte Fabrik zur Produktion von Smartphones entstehen soll, bewarben sich mehr als eine halbe Million Menschen.

Mitarbeit: Bastian Brinkmann.

Linktipp: Die US-Radioshow This American Life beschäftigt sich diese Woche auch mit Foxconn. Der Autor Mike Daiseys erzählt, wie er nach Shenzhen in China fuhr, vor dem Werkstor mit Arbeitern sprach und später als Geschäftsmann getarnt das Firmengelände betrat.

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