Von Stefan Weber

Der größte deutsche Apple-Händler zieht bei Karstadt ein: In immer mehr Filialen soll die Firma Gravis künftig die Computerabteilung betreiben.

Ob dieser Montag tatsächlich einen Wendepunkt in der Geschichte des größten deutschen Apple-Händlers Gravis darstellt, muss sich noch erweisen. Aber zumindest Archibald Horlitz, der Gründer und Chef des Unternehmens, ist überzeugt, dass der 19. November den Auftakt einer Erfolgsgeschichte markiert.

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Die Karstadt-Filiale an der Düsseldorfer Schadowstraße ist am Montag das erste Warenhaus, dessen Computer- und Multimediaabteilung von Gravis betrieben wird.

"Im Januar oder Februar kommen mit den Karstadt-Häusern in Lübeck, Dortmund, Dresden und München möglicherweise bis zu vier weitere Standorte dazu. Dann testen wir, ob eine Partnerschaft zwischen Gravis und Karstadt im großen Stil Sinn macht", sagte Horlitz der Süddeutschen Zeitung. Ein erstes Urteil sei im Mai kommenden Jahres möglich.

Er hält es für denkbar, dass sein Unternehmen schon bald in 50 bis 60 der insgesamt 89 Karstadt-Warenhäuser einzieht. Mit diesem Schritt würde der Apple-Händler auf einen Schlag auf die dreifache Größe wachsen. In seinen derzeit 29 Filialen erwartet Gravis in diesem Jahr einen Umsatz von etwa 130 Millionen Euro.

Anfragen von Investoren

Gemeinsam mit Karstadt sei bei gutem Verlauf ein Erlös von bis 500 Millionen Euro pro Jahr möglich, schätzt Horlitz. Aber auch ohne den Warenhaus-Konzern, betont der Firmenchef, werde Gravis künftig alle zwölf Monate in zweistelligem Tempo zulegen: "In zwei Jahren überspringen wird aus eigener Kraft die Marke von 200 Millionen Euro."

Die Partnerschaft mit Karstadt stellt das 1988 gegründete Unternehmen vor große Herausforderungen. Für den Umbau der Karstadt-Abteilungen kalkuliert der Gravis-Chef mit Kosten von 250.000 bis 500.000 Euro pro Standort. "Unser Auftritt ist gänzlich anders. Dazu kommt, dass wir die Sortimente sehr kritisch überprüfen."

Woher das Geld kommen soll, ist noch unklar. Horlitz will das zusammen mit den Miteigentümern Martin Wuppermann und Wilfried Gast voraussichtlich im März nächsten Jahres entscheiden: "Ein Börsengang ist ebenso möglich wie die Partnerschaft mit einem Finanzinvestor", sagt der Firmenchef.

Anfragen von "interessierten Kreisen" habe es bereits mehrfach gegeben. Einen raschen Schritt an den Kapitalmarkt hält Horlitz allerdings für problematisch, weil dadurch ausgerechnet in der Expansionsphase des Unternehmens Managementkapazitäten gebunden würden.

In den Karstadt-Häusern wird Gravis entgegen der bisherigen Firmenpolitik neben Apples Macintosh-Computern auch Windows-Rechner ins Sortiment nehmen. Das erfordert den Einsatz besonders geschulter Servicekräfte. Hinzu kommt, dass die Warenhaus-Welt andere Anforderungen an die Mitarbeiter stellt als die Fachgeschäfte, die Gravis bisher ausschließlich betreibt.

Die dafür geeignete Mannschaft will der Apple-Händler aus dem eigenen Nachwuchs und der Karstadt-Belegschaft rekrutieren. "Daneben werden wir massiv Personal einstellen", betont Horlitz.

Bald auch das iPhone

Karstadt erhofft sich von Gravis eine deutliche Steigerung der Attraktivität seiner Computer- und Multimedia-Abteilungen. "Wir erhöhen die Kompetenz und machen Karstadt für Kunden anziehender. Apple-Produkte sind ein attraktives Sortiment gerade für jüngere Zielgruppen", meint Peter Wolf, der Vorsitzende der Karstadt-Geschäftsführung.

Firmenkennern zufolge sind die meist in den oberen Etagen gelegenen Multimediaabteilungen oft schlecht besucht. Mit der Partnerschaft zu Gravis setzt der Warenhaus-Konzern seine Strategie fort, ganze Abteilungen an Fremdunternehmen zu vermieten. Erster Schritt war Anfang 2005 ein Bündnis mit der Rewe-Gruppe, die seitdem die Lebensmittelabteilungen in den Warenhäusern betreibt.

In diesem Oktober vereinbarte Karstadt eine Partnerschaft mit dem führenden deutschen Buchhändler Hugendubel/Weltbild. Das Unternehmen führt künftig die Buchabteilungen in 52 Warenhäusern.

Das derzeit wohl meistgefragte Apple-Produkt, das iPhone, werden Karstadt-Besucher aber auch in den von Gravis betriebenen Abteilungen vergeblich suchen. Die Deutsche Telekom besitzt die Exklusivrechte für den Vertrieb. "Das wird nicht so bleiben", hofft Horlitz. Wenn der erste Nachfrageschub abgeebbt sei, werde Apple auch andere Vertriebskanäle für das Kult-Telefon bedienen: "Im Laufe des nächsten Jahres wird es das iPhone auch bei Gravis geben."

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(SZ vom 19.11.2007/aho/hgn)