Glaubt man den Kassen, nagen die Versicherer am Hungertuch. Dabei ist Geld genug da, sagt zumindest der Chef des Apothekerverbands.
Im Streit um die Zusatzbeiträge haben die Apotheker den gesetzlichen Krankenkassen vorgeworfen, sie würden ihre wahre Finanzlage verschleiern. Der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes (DAV), Fritz Becker, kritisierte in der Bild-Zeitung, die Krankenkassen würden Einsparungen durch Arzneimittel-Rabattverträge nicht an die Versicherten weitergeben.
Mit Rabattverträgen sparen die Kassen Milliardenbeträge beim Medikamentenkauf, dennoch verlangen etliche Anbieter Zusatzbeiträge. (© Foto: AP)
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"Die Kassen verheimlichen ihren Versicherten eine Milliarden-Einsparung", sagte Becker. Mit diesem Geld könnten Millionen Versicherte entlastet werden, die jetzt von Zusatzbeiträgen bedroht seien.
Nach Schätzungen des DAV sparen die Krankenkassen über Rabattverträge jährlich deutlich mehr als eine Milliarde Euro ein.
Becker äußerte die Befürchtung, mit diesem Geld würden "steigende Verwaltungsausgaben gegenfinanziert". Der Verbandschef forderte die Krankenkassen zu mehr Transparenz auf.
Auch der Kieler Gesundheitsökonom und Leiter des Instituts für Mikrodatenanalyse, Thomas Drabinski, befürchtet, dass viele gesetzlich Versicherte zu hohe Zusatzbeiträge bezahlen. "Die Zusatzbeiträge könnten deutlich niedriger ausfallen, wenn die Kassen ihre Finanzsituation offenlegen", sagte Drabinski der Bild.
So sei beispielsweise unklar, welche Kassen zu viel Geld aus dem Gesundheitsfonds erhielten. Dieses Geld könnte stattdessen an Kassen mit einem Defizit ausgezahlt werden, so dass angekündigte Zusatzbeiträge geringer ausfallen könnten.
"Äpfel mit Birnen" verglichen
Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) wies die Vorwürfe zurück. Ohne die Einsparungen durch die Rabattverträge hätten viele Krankenkassen vermutlich schon 2009 Zusatzbeiträge erheben müssen. Auch gehe der Vorwurf steigender Verwaltungskosten ins Leere. Vielmehr lägen die Verwaltungskosten der gesetzlichen Krankenkassen bei nur fünf Prozent und seien im Vergleich zu den Vorjahren prozentual sogar leicht gesunken, teilte der Verband mit.
Ähnlich äußerte sich eine Sprecherin der KKH-Allianz. Wer die Einsparungen beim Medikamentenkauf mit den Verwaltungskosten verrechnen wolle, vergleiche "Äpfel mit Birnen", sagte sie sueddeutsche.de. Das Problem machte sie an anderer Stelle aus: "Durch die Rabattverträge können wir die Arzneiausgaben mindern, dennoch steigen die Kosten für Medikamente Jahr für Jahr durchschnittlich stark." Besonders die hohen Patentgebühren bei Originalpräparaten würden die Einsparungen egalisieren, sagte die Sprecherin.
Es sei notwendig, die Problematik endlich auf politischer Ebene anzugehen. Die Minderung der Umsatzsteuer für Arzneimittel sei eine angemessene Option, so die Sprecherin.
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(sueddeutsche.de/dpa/jcb/tob)
Das ganze Gesundheitssystem ist zu einer Lobbyprojekt geworden. Man beschuldigt sich gegenseitig, der Bürger diskutiert fleißig mit, nur ändern tut sich nichts. Auch die FDP wird das Problem nicht lösen. Sie macht mit ihren Vorschlägen nur alles komplizierter und entfernt sich auch vom Solidarprinzip. Dabei wäre es doch soe einfach, eine Krankenkasse, die Karten auf den Tisch, die Entnahmen bzw. Kosten auf den Prüfstand. Aber bei knapp 200 Kassen geht eben das Gewurschtle so weiter. Alle sind gut versorgt inkl. der stillhalteneden Politiker, nur die Patienten werden immer höhere Kosten bei sinkenden Leistungen aufgebürdet.
Selbst Apotheker bestreiten es nur noch müde und lau: Die Vorschrift, dass eine Apotheke von einem Pharmazeuten geführt werden muss, ist so sinnlos wie ein Kropf.
Praktisch entspricht das reale(!) Anforderungsprofil des Apothekers dem einer angelernten Aushilfskraft: Rezept lesen, Gang zur Schublade, Medikament entnehmen, zur Kasse tragen, einscannen, Geld einsacken ....uuund Tschüß.
Ach ja, und natürlich die lebensnotwendige "Apothekenumschau", die Tatüs, Kalender und die Extraportion Werbung...
Fazit: Ein selbständiger Apother verdient locker 120.000-150.000 Euro. Das könnte man problemlos streichen und die Apo einfach seinen Angestellten übertragen. Das gesparte Geld könnte man für Beitragssenkungen verwenden...und sonst würde sich NICHTS ändern.
Aber, ach nee, das geht ja nicht....pffffff....lach...
Das Bundesministerium für Gesundheit weigert sich seit Jahren beharrlich die Arzneimittelpreise festzusetzen. Im Ergebnis bringt das rasante Preissteigerungen für Pharmaprodukte. Im Jahr 2008 waren es 5,3 Prozent. Im Jahr 2007 waren es 14,5 Prozent. Im vergangenen Jahr bat die damalige Gesundheitsministerin die Pharmaindustrie doch bitte, bitte auf eine Preiserhöhung zu verzichten. Ergebnis: Im jahr 2009 stiegen die Preise nur um 6,2 Prozent.
AOK-Chef Herbert Reichelt: "In Deutschland dürfen die Hersteller ihre Preise für neue Arzneimittel ohne jegliche Regulierung frei erfinden."
Und wie wir alle wissen, sind Medikamente in Deutschland überproportional teuer. Das Einsparpotential beziffern Ärzte und Kassen auf über 6 Mrd Euro,- pro Jahr !
Und wenn die Pharmaunternhemen dann von ihrer gewaltigen gesundheitserhaltenden Aufgabe von Forschung und den damit verbundenen enormen Kosten argumentieren,- glauben sie ihnen kein Wort. Die Kosten für Forschung und Entwicklung stagnieren seit Jahren, im Gegensatz zu den Preisen.
Ich würde den Vorbehalt gegenüber den Krankenkassen ja nur zu gerne glauben.
Nur kommt dieser Vorbehalt vom Vorsitzenden des Deutschen Apothekerverbandes (DAV), Fritz Becker, einem der besten Lobbyisten auf Kosten der Beitragszahler in dieser Republik.
Meine Vermutung ist, daß die Apothekerlobby erkannt hat, daß beim Beitragszahler für ihre Mitglieder nicht mehr viel zu holen ist, also zapft man die Kassen an und fordert mehr Effizienz.
Wie wäre es mit mehr Effizienz bei Apotheken?
Warum leisten wir uns zwei Apotheken direkt nebeneinander, oder 3 Apotheken in einer 11.000 Seelen-Gemeinde, wo ansonsten nur 2 Lebensmittelmärkte überleben können?
Warum gibt es keinen Wettbewerb unter Apotheken? Warum dürfen Apotheken auf bereits teure Preise nochmals sündhaft teure Monopolpreise aufschlagen? Warum schmeißt man effizienten Online-Apotheken soviele Steine in den Weg? Warum werden Apotheken bei Sparmaßnahmen finanziell abgefunden, auch wenn sie von den Sparmaßnahmen nicht betroffen sind?
Also Herr Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbandes kehren Sie erst einmal Ihren riesen großen Dreck vor dem eigenen Haus, bevor Sie sich hier so aufplustern.
Transparenz wäre in der Tat ein wichtiges Mittel der Gesundheitspolitik. Aber sie scheut die Transparenz selber.
Die Krankenkassen sind Körperschaften des öffentlichen Rechts. Sie sollten ihr Rechnungswesen offenlegen. Aber auch Apotheker, Ärzte, Kliniken - alle, die von zwangsweise erhobenen Beiträgen leben, sollten wesentliche Daten des Rechnungswesen aufdecken müssen.
Doch in diesem Land kann man nicht mal sagen, was ein Arzt denn nun wirklich im Jahr verdient.
Und das muss doch wohl gewollt sein, angesichts dessen, was sonst alles statistisch erhoben wird.
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