AOL macht weltweit Standorte dicht Ende einer Legende

Schluss! Aus! Vorbei! Der Internetdienstleister AOL schließt alle seine Niederlassungen Deutschland, Spanien und Schweden. Weltweit müssen 1200 Mitarbeiter gehen.

Es ist ein kräftiger personeller Aderlass: Beim Internet-Unternehmen AOL werden in dieser Woche bis zu 1.200 Beschäftigte entlassen. Einem freiwilligen Ausscheiden hätten nur 1.100 Mitarbeiter zugestimmt, so dass nun Kündigungen erforderlich seien, sagte eine AOL-Sprecherin.

Der entsprechende Prozess richte sich nach der Rechtssprechung in den einzelnen Ländern. Das bedrängte Unternehmen will zur Kostenreduzierung jeden dritten Arbeitsplatz abbauen.

Bereits zuvor hatte AOL bereits angekündigt, sich komplett aus Deutschland zurück zu ziehen. Die Filialen in Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt und München würden dichtgemacht, wie ein Sprecher sagte.

Rund 140 Jobs sind betroffen. Auch die Dependancen in Spanien und Schweden sollen geschlossen werden. In Frankreich wird über eine Schließung verhandelt, in Großbritannien soll das Geschäft fortgeführt werden.

Nutzer von AOL-E-Mailadressen sollen diese aber weiter nutzen können. Dafür bleibe auch die deutsche Internetseite des Konzerns in einer verkleinerten Version im Netz. Für deutsche Nutzer erhalten bleiben den Angaben zufolge auch das Abspielprogramm Winamp sowie Live-Messenger-Produkte von AOL.

Eingestellt wird hingegen das Werbegeschäft von AOL in Deutschland. Nach Angaben des Sprechers werden auch die Niederlassungen des Unternehmens in Schweden und Spanien geschlossen, über die Zukunft des Konzerns in Frankreich werde noch beraten. In Großbritannien solle das Geschäft hingegen mit reduzierter Belegschaft fortgesetzt werden.

Diese Schritte seien Folge einer neuen Strategie, hieß es. Im vergangenen Jahr hatte AOL das Ziel ausgegeben, die Zahl seiner insgesamt 6900 Mitarbeiter weltweit um ein Drittel zu reduzieren.

Nach acht gemeinsamen Jahren hatte sich der US-Unterhaltungskonzern Time Warner im vergangenen Jahr von AOL getrennt. Die beiden Konzerne hatten sich 2001 auf dem Höhepunkt des Internetbooms zusammengeschlossen. Der Wert von AOL wurde damals mit 165 Milliarden Dollar angegeben; für Time Warner erwies sich das Geschäft als desaströs. AOL meldete rote Zahlen, Time Warner musste massive Verluste abschreiben.

Alice, bitte übernehmen!

Die Kunden in Deutschland blieben weiter "Kunden eines internationalen Angebots", hieß es.

AOL hatte das Internet-Zugangsgeschäft im Jahr 2006 an den Alice-Betreiber Hansenet verkauft. Deren Kunden seien von den Schließungen nicht betroffen, hieß es.

Noch vor wenigen Monaten hatte Time Warner einen Programmdirektor für Deutschland gesucht. Nach einem vertraulichen Anforderungspapier, das sueddeutsche.de vorliegt, sollte dieser am Standort Hamburg "ein neues Portfolio qualitativ hochwertiger Redaktions- und Publikumskanäle" und "Multimediainhalte für Nischenbereiche" entwickeln. In dem Dokument werden die Kategorien Frauen und Lifestyle, Prominente, Finanzen, Nachrichten sowie Sport und Auto genannt.

"AOL ist am Beginn einer aufregenden Reise, der weltgrößte Online Publisher zu werden", heißt es weiter, "die Firma wird erhebliche Investitionen in redaktionelles und kreatives Talent vornehmen, um diese Strategie auszuführen".