Anwendungen für Smartphones Apple, Amazon und Apps

Schnell eine App herunterladen? Amazon bietet einen Dienst dafür an und nennt ihn "Appstore". Ähnlich heißt die Plattform bereits bei Apple. Der Konzern sieht Markenrechte verletzt und verklagt Amazon.

Ein Kampf Goliath gegen Goliath: Der US-Elektronikhersteller Apple verklagt den weltgrößten Online-Einzelhändler Amazon. Grund des Disputs ist die Nutzung des Begriffs "Appstore".

Der App Store von Apple bekommt Konkurrenz. Da der Dienst von Amazon eine ähnliche Bezeichnung trägt, sieht Apple seine Markenrechte verletzt und zieht vor Gericht.

(Foto: dpa)

Amazon hatte einen neuen Dienst, bei dem die Kunden Software herunterladen können, entsprechend benannt. Laut Berichten amerikanischer Medien macht Apple die Markenrechte am Namen "App Store" für das eigene Angebot geltend.

Zwar ist die Schreibweise der Plattform bei Amazon anders als die Schreibweise bei Apple. Dennoch wirft der Konzern dem Online-Händler vor, damit die Markenrechte zu verletzen und fordert Schadenersatz in nicht genannter Höhe. "Wir haben Amazon aufgerufen, den Namen App Store nicht zu kopieren, weil dies Kunden verwirren und irreführen wird", sagte eine Apple-Sprecherin der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Amazon will in seinem Appstore Programme für das Google-Betriebssystem Android anbieten, zunächst nur für Nutzer in den USA. Apple hatte seinen App Store mit Programmen für Geräte mit dem iOS-Betriebssystem wie iPhones und iPads 2008 gestartet und die Markenrechte an dem Namen beantragt. Diese wurden von der US-Patentbehörde bereits gewährt, allerdings vom Konkurrenten Microsoft wieder angefochten.

Amazon dürfte auf Anhieb ein starker Spieler in dem Markt werden: Der Konzern hat Millionen Kunden und will auch seinen ausgereiften Empfehlungs-Algorithmus im Android-Appstore einsetzen. Der Online-Händler starte mit rund 3800 Apps, wie unter anderem der US-Technologieblog Engadget berichtete. Apples App Store hat 350.000 Programme im Angebot, die bisher mehr als zehn Milliarden Mal heruntergeladen wurden.

Engadget zufolge will Amazon auch eine Funktion anbieten, die andere Download-Plattformen bisher nicht haben: Im Web-Zugang werde man die Apps 30 Minuten lang kostenlos testen können. Die Konditionen für Entwickler sind ähnlich wie in Apples App Store: Die Anbieter der Software bekommen 70 Prozent vom Kaufpreis.

Auch die Konkurrenz klagt: Microsoft verschärft den Kampf gegen Googles Smartphone-Betriebssystem Android mit einer neuen Patentklage. Microsoft verklagte wegen des E-Readers Nook den US-Buchhändler Barnes & Noble sowie die Gerätehersteller Foxconn und Inventec.

Allerdings geht es um viel mehr als nur das bisher wenig verbreitete elektronische Lesegerät Nook. Mit dem neuen Vorstoß wirft Microsoft Android die Verletzung von insgesamt 25 Patenten vor, ein Erfolg des Windows-Riesen hätte Auswirkungen auf die gesamte Plattform. Es sei erst die siebte proaktive Patentklage in der Geschichte von Microsoft, merkte Microsoft-Justiziar Horacio Gutierrez in einem Blogpost an. Das Unternehmen könne aber Patentverletzungen in einem solchen Ausmaß nicht ignorieren. Microsoft ging zugleich vor die Handelsbehörde ITC und ein US-Bezirksgericht.

Die ITC (International Trade Commission) kann die Einfuhr von Geräten in die USA stoppen. Zuvor hatte Microsoft bereits Motorola Patentverletzungen bei Android-Smartphones vorgeworfen. Bei der aktuellen Klage geht es beispielsweise darum, dass Anwendungen den Status eines laufenden Downloads anzeigen oder erste Inhalte einer Website dargestellt werden, bevor der Hintergrund geladen wurde. Die von Google ins Leben gerufene Android-Allianz betreibt die Plattform als offenes System, für das grundsätzlich keine Lizenzkosten anfallen.

Allerdings werfen sich gerade im boomenden Smartphone-Markt nahezu alle Teilnehmer gegenseitig Patentverletzungen vor. Auch der Datenbanken-Spezialist Oracle hat Android im Visier. Microsoft verweist insbesondere darauf, dass der Smartphone-Hersteller HTC bereits die Patente des Software-Giganten für seine Android-Geräte lizenziert habe. Auch der Online-Händler Amazon habe Lizenzen für seine Kindle-Lesegeräte (die allerdings nicht mit Android laufen) erworben.

Android hat vor kurzem Nokias Betriebssystem Symbian als führende Smartphone-Plattform überholt und ist auf dem Weg, die Spitzenposition im gesamten Mobilfunk-Markt zu übernehmen. Microsoft liegt mit seinem aktuellen Betriebssystem Windows Phone 7 weit abgeschlagen mit nur wenigen Prozent Marktanteil, schmiedet aber Angriffspläne: Die Smartphone-Kooperation mit dem weltgrößten Handy-Hersteller Nokia soll den Absatz drastisch erhöhen. Allerdings ist offen, ob erste Windows-Phone-Handys von Nokia noch in diesem oder erst im kommenden Jahr auf den Markt kommen.