Im Schnitt sind die Lohnzuwächse für Deutschlands Arbeitnehmer im vorigen Jahr geringer ausgefallen als die Inflation. Dennoch kann es nicht für alle mehr Lohn geben.
Wer das Gefühl hat, sein hart verdientes Geld zerrinne ihm zwischen den Fingern, kann sich durch eine unbestechliche Behörde bestätigt sehen: Das Statistische Bundesamt hat vorgerechnet, dass Deutschlands Arbeitnehmer im vorigen Jahr zwar ein wenig mehr Lohn und Gehalt bekommen haben, dies aber von der Inflation mehr als aufgefressen wurde.
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1,2 Prozent bekamen Angestellte im Schnitt dazu, 1,5 Prozent die Arbeiter; die Preise aber stiegen um 1,7 Prozent.
Die Gewerkschaften werden dies in der kommenden Tarifrunde ausschlachten. Doch so berechtigt der Wunsch vieler Arbeitnehmer ist, an üppigen Gewinnen ihrer Betriebe teilzuhaben, so wenig taugen die Zahlen für platte Parolen.
Man muss differenzieren
Wer hinter die Werte aus Wiesbaden blickt, sieht nämlich, dass man differenzieren muss: Die Angestellten der Bahn, die Metaller, aber auch Maschinen- und Flugzeugbauer durften sich über Gehaltssteigerungen freuen, die sehr wohl oberhalb der Inflationsrate lagen; die Beschäftigten im öffentlichen Dienst wiederum verdienten pro Stunde deshalb weniger, weil sie ohne Lohnausgleich länger arbeiten müssen - sie trugen so dazu bei, die Staatsfinanzen zu sanieren.
Die Zahlen der Statistiker lassen daher zwei Schlüsse zu. Erstens: Arbeitgeber, die gut verdienen, sollten ihre Mitarbeiter daran beteiligen - soweit sich dies begründen lässt, durch dauerhafte Lohnerhöhungen, andernfalls durch befristete Zuschläge.
Zweitens: Die mauen Lohnerhöhungen der letzten Jahre waren nicht falsch. Sie haben dazu beigetragen, dass Deutschlands Wirtschaft wieder Fuß gefasst hat.
In jenen Unternehmen, die immer noch Probleme haben, ist diese Zurückhaltung deshalb auch weiterhin geboten - aber eben nur dort.
(SZ vom 30.01.07)
Demonstrationen in Hamburg
Löhne und Gehälter steigen langsamer als die Inflationsrate groß ist. Das heißt: Arbeiter und Angestellte bekommen real weniger.
Das BIP ist allerdings um 2,5 % im Jahre 2006 gestiegen - inflationsbereinigt, wie man bei destatis nachlesen kann. Es wurden also 2006 real 2,5 % mehr Güter und Dienstleistungen erstellt.
Wo ist die Differenz?
Vielleicht hat die Lohnzurückhaltung der letzten Jahre tatsächlich dazu beigetragen, dass die deutsche Wirtschaft wieder Fuß gefasst hat. Sicherlich ist es aber eine der großen Lebenslügen der Wirtschaft, die immer wieder behauptet hat, dass durch die Lohnzurückhaltung neue Arbeitsplätze entstehen würden. Was zunächst sich anhörte wie die Propaganda der Gewerkschaften, hat sich in der Realität nur bewahrheitet. Die Arbeitslosenzahlen stiegen immer weiter - und mit ihnen die Armut.
Es ist eine Schande für den Staat, der ja eigentlich durch einen jeden einzelnen Wähler repräsentiert wird - wenn auch die meisten denken nur alle vier Jahre, wenn es um eine weitere Wahl geht - dass er seine Arbeitnehmer immer schlechter bezahlt. Aber auch Diejenigen, die in der freien Wirtschaft versuchen ihr Auskommen zu erreichen, sind nicht viel besser dran, auch wenn es bei der letzten Tarifrunde der Metaller zu einem Nettolohnzuwachs gekommen ist. Diese Arbeitnehmer sind der Willkür der Arbeitgeber noch viel mehr, in Form von drohender Entlassung, ausgeliefert.
Von daher gibt es keinen Grund weiter Zurückhaltung zu übern. Dies trifft ebenfalls für die Betriebe zu, denen es noch immer schlecht gehen sollte. Man zeige mir einen Betrieb, wo die schlechten Zahlen am Geschäftsjahresende tatsächlich durch die Arbeitnehmer verursacht wurden. Dies sind - und derer Beispiele gibt es leider genug - zumeist Managementfehler.
So lange es nicht möglich ist, dass ein Mensch mit seiner Arbeit Lohn genug zum Leben hat, so lange ist jede Politik, die von sich behauptet, sie sei für den Menschen da, menschenverachtend und heuchlerisch. Wenn psychische Gewalt ein Straftatbestand wäre, spräche man von fahrlässiger Tötung auf Zeit, derer sich die Verantwortlichen schuldig machen würden. Gebt den Menschen genug zum Leben und ihr könntet vielleicht gewählt werden !