Anlegerschutz Versteckte Gebühren

Der Fondsprospekt gibt nicht über alle Kosten Auskunft. Mangels Transparenz ist es Privatanlegern nicht möglich, alle Ausgaben zu berechnen. Gesetzliche Regelungen fehlen.

Von Christiane Kaiser-Neubauer

Sie sind die Stars am Parkett, beliebt bei Kleinanlegern und institutionellen Investoren und werden selbst von Verbraucherschützern empfohlen. Der Siegeszug der passiven börsennotierten Indexfonds, englisch Exchange Traded Funds (ETF), ist seit Jahren ungebrochen. Deutsche Anleger haben in den passiven Produkten mehr als zwölf Milliarden Euro geparkt, in Europa sind es fast 600 Milliarden Euro. Wer sich für die im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds deutlich kostengünstigere Geldanlage entscheidet, macht anscheinend schon alles richtig. Doch eine neue Studie belegt erneut, dass Anleger aus den mehr als 1000 hierzulande gelisteten Indexfonds mit Bedacht wählen sollten.

"Passives Investment hat sich weltweit durchgesetzt, Indexfonds sind klasse und günstig. Dass es dabei hinsichtlich der Performance beträchtliche Unterschiede gibt, die zum Teil ein halbes Prozent ausmachen, wird bislang nicht diskutiert", sagt Andreas Beck, Vorstandssprecher des Instituts für Vermögensaufbau. In der Studie Was kosten ETF wirklich?, die am 16. November erscheinen wird, hat das Münchner Institut, das regelmäßig die Beratungsqualität von Banken testet und Ratingverfahren für den Finanzmarkt entwickelt, den Zusammenhang zwischen Kosten und Performance der aktuell bei Kleinanlegern beliebtesten ETF untersucht.

Dabei hat das Institut festgestellt, dass die Orientierung an der in den Fondsprospekten angegebenen Gesamtkostenquote TER (Total Expense Ratio) nicht sinnvoll ist. Wer ETF nach der TER wählt, läuft tatsächlich Gefahr, auf Rendite zu verzichten. "Wir hatten angenommen, dass der ETF mit den niedrigsten Kosten auch die beste Performance macht. Das wäre logisch. Wie wenig ihre Performance tatsächlich mit der von den ETF-Anbietern selbst angegebenen Total Expense Ratio zusammenhängt, hat uns dann schon überrascht", sagt Beck. Der ETF bildet einen kostenfreien Index ab, demnach sollte die Underperformance des ETF zum Index, also die Differenz zwischen beiden, der Höhe der Gesamtkosten entsprechen. Bei der Analyse zeigt sich allerdings klar, dass es je nach gewähltem ETF und Fondsanbieter über die TER hinausgehende Abweichungen gibt.

Für die Studie hat das Institut die in den wichtigsten Anlageklassen in Deutschland zugelassene Fonds ein Jahr lang untersucht. Die Gesamtkostenquote, die im Branchendurchschnitt 0,4 Prozent beträgt, ist demnach als Kennzahl für die Qualität eines ETF irreführend. Ein Umstand, auf den Experten zwar bisher regelmäßig hinweisen, der allerdings mangels Informationen der Fondsanbieter vielen Anlegern unbekannt ist. "Die Total Expense Ratio oder Pauschalgebühr hat per Definition nichts mit den Gesamtkosten für den Endanleger zu tun. Diese Gebühr spiegelt nicht die Qualität des Portfoliomanagements wider zudem beinhaltet sie nicht die Kosten für den ETF-Kauf sowie die Handelsgebühren an den Börsen", bestätigt Eric Wiegand, ETF-Stratege für Europa und Asien der Deutschen Asset Management.

Dem einen Manager gelingt die Nachbildung besser, dem anderen schlechter

Laut Studie sind diese versteckten Kosten etwa für ETF auf den beliebtesten Aktienindexfonds MSCI World erst in den Total Cost of Ownership (TCO) vor Ordergebühren und Steuern, den tatsächlichen Gesamtkosten über die gesamte Haltedauer, berücksichtigt. Diese sucht man im Anlegerinformationsblatt (KIID) allerdings vergeblich. Mangels Transparenz ist es Privatanlegern nicht möglich, die TCO zu berechnen, eine gesetzliche Regelung für die einheitliche Berechnung der Kennzahl fehlt derzeit ebenso noch. Daher sollten Investoren diese für jeden einzelnen Indexfonds bei den ETF-Anbietern erfragen.

Wesentliches Element dabei sind Gebühren, die zur aktiven Steuerung eines ETF anfallen. Denn auch beim passiven Indexsparen sind Fondsmanager am Werk. Je nach der Methode der Indexnachbildung, physischer oder synthetischer Replikation, fallen Handelsgebühren und Spreads (Spanne zwischen An- und Verkaufskurs) bei Transaktionen innerhalb des ETF oder Swap-Gebühren an. Hinzu kommen bei vollständiger Replikation die Kosten der regelmäßigen Neugewichtung des Fonds.

"Es gibt auch bei passiven Fonds eine Managementleistung mit Auswirkung auf die Renditen. Ein voll replizierender ETF auf den MSCI World kauft tatsächlich eben nicht 1600 Aktien wie im Vergleichsindex, da die identische Nachbildung zu kompliziert ist. Der zuständige Fondsmanager sucht 400 möglichst liquide, ähnliche Aktien aus und macht daraus ein Nährungsportfolio", sagt Beck. Das gelinge dem einen Manager eben besser, dem anderen schlechter.

Die gute Nachricht lautet: Anleger können sich Transparenz über diese Qualität und damit verbundene Kosten verschaffen und ihre Investmententscheidung entsprechend ausrichten. "Wenn ich genau wissen will, was ich als Anleger für den ETF bezahle, muss ich mir die Wertentwicklung des Net-Asset-Value (NAV) oder den Nettoinventarwert anschauen. Dieser wird täglich veröffentlicht. Der Vergleich zweier ETF, die denselben Index abbilden, zeigt klar, wie gut der Fondsmanager seinen Job macht", sagt Wiegand. Wichtige Kriterien zur Fondsauswahl neben der Performance sind laut den Experten Handelbarkeit (Liquidität) und Passgenauigkeit des Indexfonds zu Risikoeinstellung, Laufzeit und Sparziele der Anleger.