Banken brechen zusammen, Betrieben geht das Geld aus, die Wirtschaft schrumpft. So wie in den dreißiger Jahren. Erlebt die Welt jetzt die Rückkehr der Deflation?
Kaum ist die Inflation weltweit gebändigt, beschwören Ökonomen eine neue Bedrohung: Deflation. Deflation herrscht, wenn die Preise auf breiter Front fallen. Zunächst einmal würden sich die Konsumenten natürlich darüber freuen, dass Eigentumswohnungen, Autos, Computer, Pullover, Puppen und alle möglichen Dinge weniger kosten. Doch die Folgen wären erschreckend.
Bild vergrößern
Reduzierte Angebote sind verlockend - doch wenn die Preise auf breiter Front fallen, kann das verheerende Folgen haben. (© Foto: dpa)
Anzeige
Wenn morgen alles billiger ist, kauft heute kein Mensch etwas, sondern wartet lieber geduldig ab, bis es noch günstiger wird. Kein Unternehmer investiert mehr. Löhne und Gehälter werden gekürzt. Schuldner können ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen. Banken brechen zusammen und den Betrieben geht das Geld aus. Die Wirtschaft schrumpft. In den dreißiger Jahren gab es das schon einmal: Depression, Deflation, Massenpleiten, Massenarbeitslosigkeit.
Droht den Industrienationen jetzt abermals ein solches Schicksal? Sind die USA, Deutschland und ganz Europa dabei, in eine Deflation zu schlittern? Bis in den Sommer hinein schienen die Volkswirte und Notenbanker nur eine Gefahr zu kennen: Inflation. Doch binnen weniger Wochen hat die wirtschaftliche Entwicklung diese Sicht in ihr Gegenteil verkehrt.
Notenbanken lockern ihre Geldpolitik
Weil die Welt derzeit den vermutlich schnellsten und schmerzvollsten Abschwung seit den dreißiger Jahren erlebt, geistert immer öfter das D-Wort durch die Studien der Ökonomen. Dabei sind die Teuerungsraten in den meisten Industrieländern noch immer recht hoch, allerdings gehen sie zurück.
Nun werden die Verbraucherpreise nicht gleich morgen fallen. Wenn aber die globale Rezession, die derzeit als ausgemacht gilt, sich zu einer tiefen Wirtschaftskrise auswächst, wenn sich die Banken dauerhaft sträuben, Geld zu verleihen, Verbraucher den Konsum verweigern und Unternehmen Investitionen zurückstellen, dann ist die Deflation nicht mehr weit. Die Volkswirte der Investmentbank JP Morgan erwartet, dass die Inflationsraten weltweit in den kommenden sechs Monaten auf null fallen werden. Im Sommer kletterten die Verbraucherpreise noch um 5,6 Prozent.
Schon lockern Notenbanken rund um den Globus ihre Geldpolitik. Eine besondere Rolle kommt dabei Fed-Chef Ben Bernanke zu. Er hat Depression und Deflation der dreißiger Jahre intensiv studiert - und die amerikanischen Leitzinsen auf ein Prozent gesenkt. "Die Zinsen werden 2009 auf das tiefste Niveau seit Generationen fallen", glaubt Keith Wade, Chefvolkswirt des britischen Vermögensverwalters Schroders. Auch der renommierte US-Ökonom Nouriel Roubini fürchtet das Schlimmste: Ein globaler Stillstand der Wirtschaft samt Deflation sei in Sicht. Mit seinen düsteren Prognosen lag der Professor oft richtig.
Um zu verstehen, wie brisant eine Kreditkrise ist, muss man verstehen, was Schulden bedeuten - und wie wichtig sie für den Aufschwung der vergangenen Jahre waren. Ein Großteil des vermeintlichen Wohlstands basierte auf Schulden: Hedgefonds und Banken spekulierten auf Kredit, Häuslebauer verwirklichten den Traum vom Eigenheim auf Pump. Wer Anschaffungen mit eigenem Geld finanzierte statt mit geliehenem, galt als dumm. Weil Kredite billig waren wie lange nicht, wurden gewaltige Schuldenberge angehäuft, der größte wohl in den USA.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie der Geiz der Käufer eine Deflation entfachen kann.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Wie viel ist uns die Umwelt wirklich wert? Eine Suche nach dem Preis der Natur. Jetzt lesen ...
- Folgen der Finanzkrise Die Fusionswelle ebbt ab 05.11.2008
- Steuerschätzung Fiskalische Wahrsagerei 05.11.2008
- Folgen der Finanzkrise Schmerz, lass nach 05.11.2008
- Wirtschaftspolitik Hilfe, der Staat 01.11.2008
Sparpaket
Verschiebt sich der Schnittpunkt von Gegenwärtigem und Abwesendem (Giddens) zugunsten des Abwesenden geht Institutionalisiertes verlustig, d.h. größere Segmente hoch entwickelter Industriegesellschaften wandeln sich zu dem, was allgemein als sozialer Tod bezeichnet ist. Aufgabe ist es deshalb, eine Verschiebung zugunsten des Gegenwärtigen zu erzeugen. Mathematisch äußert sich Letzteres in einer niedrigeren künfitgen Mortalitätsrate. Es handelt sich daher nicht um ein Preis-Rätsel, sondern es kann bereits heute extrapoliert werden, wieviel tausende von Menschen etwa in zehn Jahren zusätzlich und vermeidbar, alltagssprachlich gesagt, in's Gras beißen werden, kann eine Verschiebung dieses Schnittpunkts zugunsten des Gegenwärtigen nicht erlangt werden.
Man stelle sich vor, in Deutschland würden Barschecks an die Bürger verteilt werden. Das Geschrei von Bild, Welt, Westerwelle, Prof. UnSinn, etc. möchte ich gern sehen. Da scheint selbst die Regierung Bush nicht so borniert auf die "Argumente" der Neocons zu hören, wie das hier der Fall ist.
Es bleibt zu hoffen, dass die Politik hier mehr den Ansätzen von Keynes folgt, anstatt den von Friedmann postulierten Theorien nachzugehen. Vor der nächsten Bundestagswahl wird dieses jedoch wohl nicht mehr passieren, da ist die momentane Regierung zu verblendet, evtl. auch zu sehr von aussen beeinflußt.
Zumindest die Milchpreise - und damit verbunden Preise für Käse, Quark, Joghurt - fallen ja derzeit massiv. Also direkt die Preise für eine Sorte von Grundnahrungsmitteln.
Auch der Preis für Gold - klassischer Inflationsschutz - kommt schon seit Monaten nicht in Fahrt, dümpelt um 750$ herum.
Die heutige Situation wurde schon häufig mit Japan im Jahr 1989 verglichen: Genau wie heute hatten die japanischen Banken Unmengen fauler Kredite in den Büchern. Die Immobilienpreise in den Großstädten sind von vorher völlig absurden Bewertungen massiv eingebrochen. Der Nikkei-Index ist um 75% gefallen und da geblieben (von über 40000 auf unter 10000, derzeit steht er bei 8700). Auch da hat die Regierung Milliarden und Abermilliarden von Yen in die Wirtschaft gepumpt. Effekt war zwei Jahrzehnte Stagnation, und eben Deflation.
Insofern halte ich Deflation für nicht unwahrscheinlich.
Man sollte Geld an die Armen verteilen - die wären froh, mal eine Weile sich etwas kaufen zu können.
Das geht so: Da in einer Deflation viel gespart, aber wenig investiert wird, kann der Staat günstig Anleihen ausgeben - er verschuldet sich. Das Geld wird dann den Armen geschenkt, die gerne mal etwas kaufen möchten. Dies kurbelt den Konsum an und rettet die Wirtschaft. Da von einer gerettet Wirtschaft alle profitieren, besonders aber die sowieso schon reichen, werden dann deren Steuern erhöht, um die Staatsschulden zurück zu zahlen.
Dabei gibt es auch kleine Probleme. So müssten die betroffenen Staaten erstens gemeinsam agieren und zweitens keinen unfairen Steuerwettbewerb austragen.
Hätte man schon eher für eine gerechtere Einkommensverteilung gesorgt - wäre der Schlamassel garnicht passiert. Aber die Politik war halt der Meinung, dass es gut ist wenn die Masse der Bevölkerung ärmer wird und die wenigen reichergewordenen ihre Gewinne in irgendwelchen Blasen unterbringen.
Die größte Gefahr für eine Deflation sind am ehesten noch Artikel wie dieser, die die Menschen auf derartig schwachsinnige Ideen bringen, wie die, auf sinkende Preise zu setzen.
Zwischen dem Platzen von Spekulationsblasen und einer Deflation gibt es wohl noch gewaltige Unterschiede. Wenn man sich den Verfall des Rohölpreises anschaut, dann ist der sicher nicht darauf zurückzuführen, dass plötzlich die Nachfrage um mehr als 50% eingebrochen ist. Vielmehr ist den Zockern das Geld ausgegangen, die vor der Finanzkrise ihre Wetten auf den Ölpreis oder ihre spekulativen Scheingeschäfte mit faulen Wertpapieren absichern konnten. Wie sonst ließe sich ein derartig drastischer Einbruch erklären? Oder will jemand ernsthaft behaupten, China habe plötzlich keinen riesigen Energiehunger mehr? Die OPEC hat ihre Fördermenge sogar reduziert. Alles manipulative Preistreiberei, die plötzlich nicht mehr funktioniert. Auf anderen Märkten dürffte es ähnlich aussehen. Sorgen würde ich mir erst machen, wenn die Süddeutsche plötzlich ihre Preise senkt :-)) oder der Bäcker um die Ecke seine Semmeln billiger anbietet.