Von Catherine Hoffmann

Banken brechen zusammen, Betrieben geht das Geld aus, die Wirtschaft schrumpft. So wie in den dreißiger Jahren. Erlebt die Welt jetzt die Rückkehr der Deflation?

Kaum ist die Inflation weltweit gebändigt, beschwören Ökonomen eine neue Bedrohung: Deflation. Deflation herrscht, wenn die Preise auf breiter Front fallen. Zunächst einmal würden sich die Konsumenten natürlich darüber freuen, dass Eigentumswohnungen, Autos, Computer, Pullover, Puppen und alle möglichen Dinge weniger kosten. Doch die Folgen wären erschreckend.

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Reduzierte Angebote sind verlockend - doch wenn die Preise auf breiter Front fallen, kann das verheerende Folgen haben. (© Foto: dpa)

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Wenn morgen alles billiger ist, kauft heute kein Mensch etwas, sondern wartet lieber geduldig ab, bis es noch günstiger wird. Kein Unternehmer investiert mehr. Löhne und Gehälter werden gekürzt. Schuldner können ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen. Banken brechen zusammen und den Betrieben geht das Geld aus. Die Wirtschaft schrumpft. In den dreißiger Jahren gab es das schon einmal: Depression, Deflation, Massenpleiten, Massenarbeitslosigkeit.

Droht den Industrienationen jetzt abermals ein solches Schicksal? Sind die USA, Deutschland und ganz Europa dabei, in eine Deflation zu schlittern? Bis in den Sommer hinein schienen die Volkswirte und Notenbanker nur eine Gefahr zu kennen: Inflation. Doch binnen weniger Wochen hat die wirtschaftliche Entwicklung diese Sicht in ihr Gegenteil verkehrt.

Notenbanken lockern ihre Geldpolitik

Weil die Welt derzeit den vermutlich schnellsten und schmerzvollsten Abschwung seit den dreißiger Jahren erlebt, geistert immer öfter das D-Wort durch die Studien der Ökonomen. Dabei sind die Teuerungsraten in den meisten Industrieländern noch immer recht hoch, allerdings gehen sie zurück.

Nun werden die Verbraucherpreise nicht gleich morgen fallen. Wenn aber die globale Rezession, die derzeit als ausgemacht gilt, sich zu einer tiefen Wirtschaftskrise auswächst, wenn sich die Banken dauerhaft sträuben, Geld zu verleihen, Verbraucher den Konsum verweigern und Unternehmen Investitionen zurückstellen, dann ist die Deflation nicht mehr weit. Die Volkswirte der Investmentbank JP Morgan erwartet, dass die Inflationsraten weltweit in den kommenden sechs Monaten auf null fallen werden. Im Sommer kletterten die Verbraucherpreise noch um 5,6 Prozent.

Schon lockern Notenbanken rund um den Globus ihre Geldpolitik. Eine besondere Rolle kommt dabei Fed-Chef Ben Bernanke zu. Er hat Depression und Deflation der dreißiger Jahre intensiv studiert - und die amerikanischen Leitzinsen auf ein Prozent gesenkt. "Die Zinsen werden 2009 auf das tiefste Niveau seit Generationen fallen", glaubt Keith Wade, Chefvolkswirt des britischen Vermögensverwalters Schroders. Auch der renommierte US-Ökonom Nouriel Roubini fürchtet das Schlimmste: Ein globaler Stillstand der Wirtschaft samt Deflation sei in Sicht. Mit seinen düsteren Prognosen lag der Professor oft richtig.

Um zu verstehen, wie brisant eine Kreditkrise ist, muss man verstehen, was Schulden bedeuten - und wie wichtig sie für den Aufschwung der vergangenen Jahre waren. Ein Großteil des vermeintlichen Wohlstands basierte auf Schulden: Hedgefonds und Banken spekulierten auf Kredit, Häuslebauer verwirklichten den Traum vom Eigenheim auf Pump. Wer Anschaffungen mit eigenem Geld finanzierte statt mit geliehenem, galt als dumm. Weil Kredite billig waren wie lange nicht, wurden gewaltige Schuldenberge angehäuft, der größte wohl in den USA.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie der Geiz der Käufer eine Deflation entfachen kann.

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