Seltsames Procedere: Der Autozulieferer Conti hat seine Geschäftszahlen schon vor der offiziellen Bekanntgabe an Analysten verschickt.
Drei Tage vor der offiziellen Bekanntgabe zu früh hat der Autozulieferer Continental seine Geschäftszahlen für das zweite Quartal herausgegeben - allerdings nur an Analysten. Es ist ein sehr ungewöhnlicher Vorgang und das Leck könnte rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.
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Verwirrspiel um Conti-Zahlen: Der Konzern hat die Geschäftszahlen für das zweite Quartal vorab an Analysten gegeben. (© Foto: dpa)
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Laut einem Bericht des Handelsblatts bekamen professionelle Beobachter in den Bankhäusern bereits am Montagmorgen von Conti eine Mail. Darin standen nicht nur die üblichen Konsensschätzungen, sondern auch die Geschäftszahlen für das zweite Quartal. Welchen Status die Daten hätten, sei dabei offen geblieben.Ein Konzernsprecher wollte die Meldung des auf Anfrage nicht kommentieren.
Schaeffler erhöht Anteil
Die Panne ist auch deshalb brisant, weil Continental derzeit in einem harten Übernahmekampf mit dem fränkischen Familienunternehmen Schaeffler steckt. Nach wie vor will der Konzern Conti übernehmen - dazu hat das Unternehmen am Mittwoch ein ausführliches Angebot vorgelegt. Die Schaeffler-Gruppe hat unterdessen ihre Beteiligung an Conti von drei auf acht Prozent erhöht. Das geht aus den Unterlagen zu dem offiziell vorgelegten Übernahmegebot hervor.
Der Informationsvorsprung für die Analysten könnte unterdessen auch rechtliche Folgen haben. "Solche Zahlen sind kursrelevant. Continental schafft damit einen Insidertatbestand. Dies hätte sogar eine Ad-hoc-Meldung nötig machen können", sagte Rechtsanwalt Robert Heym von Reed Smith dem Handelsblatt. "Egal, ob das die endgültigen Zahlen waren oder nicht - das ist eine peinliche Panne und sicher ein Fall für die Bafin", sagte ein Marktteilnehmer.
Es gibt jedoch auch Stimmen, die im Vorgehen von Continental kein Problem sehen. Würden die Zahlen nicht stark von den vorangehenden Analystenschätzungen abweichen, würde das den Kapitalmarkt nicht beeinflussen. In diesem Fall sei ein derartiges Handeln völlig unproblematisch. Es sei durchaus üblich, dass Geschäftszahlen vorab an Analysten gegeben werden, sagte ein Anwalt, der ungenannt bleiben möchte, zu sueddeutsche.de. Dies habe dann aber eher psychologische Gründe. "Dann fühlen sich die Analsyten wichtig."
Auch die Bankenaufsicht Bafin hat sich inzwischen in den Fall eingeschaltet und prüft, ob kursrelevante Informationen vorab veröffentlicht wurden.
Die offiziellen Halbjahreszahlen hat das Unternehmen aus Hannover am Donnerstag bekanntgegeben. Demnach ist der Gewinn wegen der hohen Zinsen zur Finanzierung der Siemens-Autoelektroniksparte VDO um mehr als ein Drittel zusammengebrochen.
Belastung durch VDO-Übernahme
Der Nettogewinn sank um 37 Prozent auf 361 Millionen Euro. Vor Zinsen und Steuern verdiente der Konzern mit 912 Millionen Euro in etwa so viel wie vor Jahresfrist. Der Umsatz legte - bedingt durch die VDO-Übernahme - auf insgesamt 13,3 Milliarden Euro (Vorjahr acht Milliarden Euro) zu, die Umsatzrendite sank dagegen auf 6,9 Prozent - im Vorjahr waren es noch 11,4 Prozent.
Der Schuldendienst für die VDO-Übernahme drückte deutlich auf das Ergebnis, zudem belastete der hohe Ölpreis den Reifenhersteller. Wegen dem Kauf der ehemaligen Siemens-Zulieferersparte steht Conti mit knapp elf Milliarden Euro in der Kreide. Die Zinslast stieg im Vergleich zum Vorjahr um 352 Millionen Euro. "Wir sind zuversichtlich, den Schuldenstand in diesem Jahr deutlich reduzieren zu können", sagte Vorstandschef Manfred Wennemer.
Insgesamt bewertet Conti die Aussichten für die Autobranche düsterer als zuletzt. "Die Konsumenten reagieren auf den Ölpreisanstieg mit einer niedrigeren Fahrtätigkeit und einer zunehmenden Zurückhaltung beim Neuwagenkauf", erklärte der Konzern.
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(sueddeutsche.de/dpa-AFX/Reuters/tob/mel)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
Ich muss ja, nur um Anlagenerhaltung zu betreiben, (ähnlich) viel investieren wie ich abschreibe. Nutze ich den Wert diese Abschreibungen aber für Schuldentilgung, so fehlt mir das Geld für Investition, was sich sehr schnell wiederum in sinkenden Abschreibungen äußert (und in anderen Kennzahlen). Also ein Einmal-Effekt.
Das heißt vereinfacht: Möchte ich die Produktionsanlagen in Schuss halten (wovon ich einfach mal ausgehe, sonst fahre ich das Unternehmen eh` an die Wand), muss ich die Abschreibungen reinvestieren und kann sie eben nicht zur Schuldentilgung nutzen.
Im Übrigen hätte das Gegenteil kaum einen großen Einfluss auf das Gesagte (Investitionsquote Conti: ca. 5%); der Notenbankzins beträgt auch nicht 4%, sondern 4,25%. Aber auch das interessiert bei dieser Größenordnung nicht (kaum).
Stimmt so nicht ganz. Bei der Umsatzrenidte werden z. B. auch Abschreibungen berücksichtigt. Da Abschreibungen keine Ausgaben sind, können sie für Schuldentilgung und Investitionen genutzt werden. Das heißt, auch wenn die Umsatzrendite so groß ist wie die Schuldzinsen, können trotzdem die Schulden getilgt werden.
Hat eine Firma soviel Schulden wie Umsatz, so benötigt sie eine Umsatzrendite in Höhe der Schuldzinsen, nur um die Zinsen zu bezahlen. Damit wird noch nichts getilgt, es wird nichts investiert, es gibt keinen Gewinn. Bei einem Notenbankzins von ca. 4% und einer Umsatzrendite von 6,9% kann jeder der den Dreisatz beherrscht ausrechnen, wann Continental seine Schulden getilgt hat und wieder Gewinn für seine Eigentümer (Aktionäre) abwirft.
Continental hat sich mit der Überhahme von VDO schlicht und ergreifend verhoben. Der Schuldenstand erlaubt keine großen Investitionen mehr, die Gewinne sinken, der Aktienkurs folgt. Also wird man zum Übernahmeobjekt - wie geschehen. Das nennt man dann ganz einfach "Marktwirtschaft".