Amazon Bürgermeister kauft 1000 Artikel bei Amazon - damit der Konzern zu ihm zieht

Wo Amazon baut, sprudeln die Steuereinnahmen. Darauf hoffen zumindest einige US-Lokalpoltiiker.

(Foto: AFP)
  • Sly James, der Bürgermeister von Kansas City in Missouri, möchte unbedingt, dass Amazon sein neues Hauptquartier in seiner Stadt baut.
  • Die Hoffnung auf enorme Steuereinnahmen macht ihn offenbar erfinderisch: Er orderte etliche Artikel auf der Online-Plattform und schrieb überschwängliche Bewertungen.
  • Ob er damit die erwünschte Aufmerksamkeit bekam, ist bislang unbekannt.

In der Stadtkasse herrscht mal wieder Flaute, die Steuereinnahmen wollen einfach nicht sprudeln, ein Projekt nach dem anderen muss aufgeschoben werden. Es ist einfach nicht genug Geld da - eine Situation, wie sie die Bürgermeister in Hunderten Städten und Kommunen nur zu gut kennen. Wie gerufen käme da ein großes Unternehmen, das ordentlich Gewerbesteuer abwirft, und ganz nebenbei auch noch Arbeitsplätze schafft und Menschen in die Region holt.

Amazon könnte in Nordamerika gerade genau so ein Unternehmen sein. Der Online-Riese sucht ein zweites Hauptquartier für 50 000 Mitarbeiter, der Sitz in Seattle reicht nicht mehr aus. Etliche Bürgermeister haben das als ihre große Chance erkannt und einen regelrechten Wettstreit um den neuen Standort entfacht. Semiprofessionelle Werbefilmchen, die mit Steuererleichterungen werben, sind da nur die moderatesten Ansätze. Die Stadt Tuscon in Arizona beispielsweise schickte einfach einen riesigen Kaktus in die Amazon-Zentrale.

Sly James, der Bürgermeister von Kansas City, hat sich hingegen eine besonders zeitintensive Strategie überlegt. Er bestellte 1000 Produkte bei Amazon, selbst ausgesucht, wie er betont. Anschließend schrieb er zu jedem einzelnen Artikel eine Bewertung - eine überschwängliche Fünf-Sterne-Bewertung, versteht sich. Die hat er anschließend auch auf seinem Blog veröffentlicht.

Besonders erstaunlich ist zudem die Auswahl der Produkte, für die James sich entschieden hat. Heraus sticht beispielsweise eine Hot-Dog-Verkleidung für Kinder oder eine Tasche mit Pferdchen-Stickerei. Er entschied sich neben Katzenfutter und Babyöl ebenfalls für eine 5000er-Packung Tackernadeln zum Vorteilspreis von 4,33 Dollar. "Jede einzelne Nadel bietet eine einfache und verlässliche Sortierung", lobt James in seiner Bewertung. Und die Risotto-Rezeptsammlung habe ihm "eine Menge toller Momente beschwert". Behalten möchte er einen Großteil der Produkte übrigens nicht. Sie sollen für wohltätige Zwecke gespendet werden.

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