Altkanzler Schröder: Deal mit Maschmeyer Das Millionengeschäft

Gerhard Schröder kam mit seinem Gehalt als Kanzler nicht weit - zumal es auch "wegen seiner Vergangenheit" finanziell begrenzt war. Wie gut, dass nach Ende der Kanzlerschaft Carsten Maschmeyer helfen konnte.

Von Markus Zydra und Hans-Jürgen Jakobs

Politiker gehören nicht zu den Topverdienern der deutschen Gesellschaft, auch ein Bundeskanzler macht da keine Ausnahme. Doris Schröder-Köpf machte das einmal öffentlich, als sie in einem Interview mit Zeit-Magazin schilderte, wie sie durch ihre Ehe mit dem SPD-Politiker Gerhard Schröder ihr Gehalt als Journalistin verlor. Sie habe sich tolle Kleider nicht kaufen können, "wir hatten einfach nicht das Geld", erinnerte sie sich an die Anfangszeit als Kanzlergattin; zudem sei das Einkommen ihres Mannes "wegen seiner Vergangenheit auch finanziell begrenzt gewesen". Gemeint ist offenbar die teure Scheidung von Hiltrud ("Hillu") Schröder.

Wie gut, dass nach Ende der Kanzlerschaft im Herbst 2005 auch der Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer behilflich sein konnte. Der Mann, der in den achtziger Jahren den Finanzvertrieb AWD gegründet hatte, machte Anfang 2006 mit Schröder einen Deal. Er zahlte dem langjährigen Regierungschef eine Million Euro für die Rechte an dessen Memoiren. Der Altkanzler hatte so ein schönes Finanzpolster. Und Maschmeyer verkaufte nun keine Versicherungspolicen, sondern das Buch seines Freundes. Es entwickelte sich auf der Grundlage eines Exposés ein flottes Wettbieten, an dessen Ende in Deutschland der Hamburger Verlag Hoffmann und Campe des Thomas Ganske (Devise: "Wir machen Tiefwurzler, keine Flachwurzler") gewann. Auch sicherten sich Bild und Spiegel die Vorabdruckrechte. Das Nachrichtenmagazin soll 50.000 Euro bezahlt haben.

Aus Maschmeyers Umfeld wird die Millionen-Zahlung an Altkanzler Schröder bestätigt. Es sei ein Geschäft gewesen. Der Weiterverkauf der Buchrechte habe sich als sehr lukrativ erwiesen - der Gründer der Finanzfirma AWD habe sie "gewinnbringend vermarktet", sagt ein Sprecher. Im Sommer 2006 arbeitete Schröder auf der Insel Borkum zusammen mit Ex-Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye an einer verkauftstauglichen Fassung des Werks, das dann unter dem Titel Entscheidungen - mein Leben in der Politik mit einer Startauflage von 160.000 Exemplaren Ende Oktober erschien. Es wurde zum Bestseller. Dieser Erfolg sowie Mandate für den russischen Energiekonzern Gazprom und den Verleger Michael Ringier verbesserten die Vermögenslage Schröders erheblich.

Schröder und sein Freund Maschmeyer werden inzwischen in der Öffentlichkeit als Mitglieder einer "Hannover-Connection" wahrgenommen. Schon zum Bundestagswahlkampf 1998 hatte der AWD-Gründer eine Pro-Schröder-Anzeigenkampagne für 650.000 Mark geschaltet. Offiziell kennen sich die beiden aber erst seit 2002. Zwei Jahre später trat der seinerzeitige Kanzler bei einer internen Veranstaltung des AWD auf, was Maschmeyer mit der "Motivation für die Mitarbeiter" begründet. Deshalb würden Politiker ja gerne derartige Veranstaltungen machen, das habe mit Freundschaften nichts zu tun. Bei der Buchfinanzierung waren wohl Freundschaft und Gewinnstreben dabei.