Von Hannah Wilhelm und Alexander Hagelüken

Eine Gebrauchsanweisung: Wie sich Sparer in letzter Minute die staatlichen Zuschüsse zur Altersvorsorge sichern und dabei einen günstigen Vertrag finden.

Verbraucherschützer sind sich einig: Die teuren Gebühren vieler Riester-Produkte sind Schuld daran, dass seit 2002 fast eine Million Sparer ihre Rentenversicherungsverträge gekündigt haben, wie jetzt bekannt wurde. Gerade über diese Produkte ärgern sich Experten, sagt die unabhängige Beraterin Stefanie Kühn: "Der Versicherungsmantel um ein solches Produkt ist sinnlos und kostet nur viel Geld." Georg Plötz von der Verbraucherzentrale Bayern gibt ihr Recht: "Bei den Versicherungen fallen die Gebühren für die gesamte Laufzeit am Anfang an. Dadurch ist es ein teures und unflexibles Produkt."

Riester-Rente

(© Foto: dpa)

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Der Stuttgarter Verbraucherschützer Niels Nauhauser zitiert aus der internen Anweisung eines großen Finanzdienstleisters, der seinen Vermittlern Tipps gibt, wie sich Sparer in teurere Verträge mit einem anderen Tarif drängen lassen. Zitat: "Nicht alle Tarifwechsel werden in der beabsichtigten Form beantragt, was zum Teil auch zu einer niedrigeren Provisionszahlung an Sie führt." Dabei dürften die Vermittler nicht den Hinweis vergessen, dass die Kunden bei dem neuen Tarif niedrigere garantierte Rentenleistungen bekämen. Nauhauser: "Solche Praktiken sind ein Skandal, der die Verunsicherung über die Riester-Vorsorge erhöht."

Vorteil für Kostenbewusste

Es gibt auch gute Nachrichten für Verbraucher: Wer auf die Kosten achtet, für den ist Riestern sinnvoll. Vielen Verbrauchern fehlt dazu aber das Wissen: Ihnen ist zum Beispiel nicht klar, dass es verschiedene Produkte gibt - neben den bereits erwähnten, oft eher teuren Versicherungspolicen auch Fonds- und Banksparpläne. Für Menschen, die vor ihrem 40. Lebensjahr mit dem Sparen anfangen, eignen sich häufig Fondssparpläne. "Der Anlagehorizont ist dann lang genug, um Risiken des Kapitalmarkts auszusitzen", erklärt Verbraucherschützer Plötz. Entscheidend ist dabei neben den Kosten die Qualität des Fonds. Das Magazin Finanztest durchleuchtet regelmäßig die Angebote. Das Ergebnis: Empfohlen werden die DWS Toprente und die Uni-Profirente von Union Investment.

Günstiger im Internet

Viele Verbraucher sind unsicher, wie sie am besten und vor allem günstigsten an ihr Riester-Produkt kommen. Dabei ist das so schwer nicht: "Die DWS Toprente kann man auf drei Wegen bekommen", erklärt Plötz. Der erste führt in eine Filiale der Deutschen Bank, denn die DWS ist die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank. Der Nachteil: Hier zahlt der Anleger den vollen Ausgabeaufschlag - so heißen die Gebühren, die bei dem Kauf von Fondsanteilen anfallen und prozentual von der investierten Summe abgeknapst werden. Außerdem: "Nach unseren Erfahrungen versuchen viele Berater in der Filiale, den Interessierten ein anderes Riester-Produkt zu verkaufen, die Premium-Rente", erklärt Plötz, "diese ist aber unnötig unflexibel. Der Kunde muss da einfach hart bleiben."

Die zweite Möglichkeit: Viele Fondssparpläne können günstiger als bei der Bank direkt bei der Fondsgesellschaft im Internet abgeschlossen werden. Bei der Toprente ist dies unter dws-direkt.de möglich. Der Vorteil: Hier zahlt der Sparer nur den halben Aufgabeaufschlag, spart also Geld. Das Online-Formular ohne Hilfe auszufüllen, schreckt manch einen ab. Fragen wie "Soll dieses Riester-Produkt nur aus staatlichen Zulagen bedient werden?" verwirren. "Das muss nur derjenige ankreuzen, der selbst nicht förderberechtigtist, der aber einen förderberechtigten Ehepartner hat", erklärt Verbraucherschützer Plötz. Das Formular fragt außerdem nach dem regelmäßigen Eigenbeitrag. Der berechnet sich wie folgt: Die vollen staatlichen Zulagen erhält, wer vier Prozent des Bruttoeinkommens anspart. Bei einem Jahreseinkommen von 30000 Euro sind das 1200 Euro. Davon zieht man die staatliche Zulage ab - bei einem Alleinsparer ohne Kinder 154 Euro. Wer monatlich in den Riester-Fonds einsparen möchte, der teilt die Summe von 1046 Euro durch zwölf - und gibt "87,17 Euro" als Eigenbeitrag im Formular an.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, was man tun muss, um sich jetzt noch die Zulage für 2008 zu sichern.

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