Wer darf künftig noch früher in den Ruhestand gehen? Ab 2010 werden andere Regeln gelten. Und die IG Metall kämpft dafür - vorerst nur in Baden-Württemberg.
Wer macht sich als Büromensch schon wirklich eine Vorstellung davon, wie es in der Fabrik zugeht? Vielleicht muss man also zunächst einen Mann wie Wilhelm Ludwig zu Wort kommen lassen, 49 Jahre alt und Schlosser im Mercedes-Werk Untertürkheim.
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Er repariert Lackier- und Sandstrahlanlagen, er muss sich bücken, hoch- und runtersteigen, "damit man an die Maschinen richtig rankommt". Ständig ist er Hitze, Dämpfen, Sandstaub und Lacken ausgesetzt. "Ich kann mir nicht vorstellen", sagt Ludwig, "dass ich bis zum 66. Lebensjahr arbeiten werde."
Um Menschen wie Wilhelm Ludwig geht es bei den Tarifverhandlungen, die die baden-württembergische IG Metall und der Arbeitgeberverband Südwestmetall derzeit führen; das Ergebnis, das sie erzielen, soll bundesweit übernommen werden. Sie verhandeln darüber, wer künftig zu welchen Bedingungen noch früher in den Ruhestand gehen kann.
Eine Neuregelung ist nötig, weil die bisherige Grundlage für das wichtigste Modell, die Altersteilzeit, demnächst entfällt: Bei der Altersteilzeit reduziert der Arbeitnehmer seine Arbeitszeit um die Hälfte, erhält aber weiter 82 Prozent des Lohns. 20 Prozentpunkte davon kann sich die Firma von der Bundesagentur für Arbeit erstatten lassen - aber nur noch bis Ende 2009. CDU und CSU lehnen es ab, diese Möglichkeit zu verlängern. Und die Arbeitgeber wollen die 82 Prozent auf keinen Fall alleine tragen.
Bundesweite Streiks angedroht
Am heutigen Montag wird sich erweisen, wie die Sache gelöst wird: zügig oder quälend. An Warnstreiks der IG Metall haben sich vergangene Woche 90.000 Metallarbeiter in Baden-Württemberg beteiligt. Für den Fall, dass auch bei der vierten Verhandlungsrunde nichts vorangeht, hat die Gewerkschaft bundesweite Streiks vom kommenden Montag an angedroht.
Beiden Seiten läuft die Zeit davon: In den ersten Bundesländern beginnen Mitte nächster Woche die Ferien - also die Zeit, in der eine Gewerkschaft in ihren Möglichkeiten zur Mobilisierung beschränkt ist.
Zugleich können die Arbeitgeber kein Interesse haben, dass sich die Sache über den Sommer zieht. Im September beginnt die Lohnrunde, in die die Beschäftigten ohnehin mit hohen Erwartungen ziehen. Wenn dann auch noch die Altersteilzeit mitgeregelt werden muss - "das würde unsere Phantasie nur beflügeln", sagt Jörg Hofmann, der Bezirksleiter der IG Metall in Stuttgart.
Die Verhandlungen sind deshalb so schwierig, weil beide Seiten nicht nur um die Kosten streiten, sondern auch die Arbeitswelt unterschiedlich betrachten: Die IG Metall geht von Menschen wie dem Schlosser Wilhelm Ludwig aus, denen man ermöglichen müsse, halbwegs fit aus dem Beruf zu gehen.
Im Grunde ist es genau diese Klientel, für die sie besonders kämpft. Bisher wird die Altersteilzeit nämlich vor allem von Angestellten genutzt und weniger von Arbeitern - weil die im Schnitt besserverdienenden Angestellten die Abschläge eher verkraften können.
Ausgangspunkt der Arbeitgeber hingegen ist, dass die Menschen heute länger und gesünder leben als früher, also auch länger arbeiten müssen. Deswegen wollen sie die Altersteilzeit nur noch denjenigen gewähren, die wirklich nicht mehr arbeiten können. Ihr Vorschlag: Anspruch darauf soll nur noch haben, wer mindestens 20 Jahre in der Firma ist und in den letzten 15 Jahren mindestens zwölf Jahre im Drei-Schicht-Betrieb gearbeitet hat. Die IG Metall hat ausgerechnet, wie viele Arbeiter in Baden-Württemberg diese Kriterien erfüllen würden: 45.000 von 800.000.
(SZ vom 09.06.2008/hgn)
DFB-Elf vor der Europameisterschaft
Meines Erachtens sollten wir Arbeitsnehmer die Möglichkeit haben, selbst zu entscheiden, wann wir aus dem Arbeitsleben ausscheiden wollen.
Starre Grenzen sind aus meiner Sicht nicht gut, da viele ältere Arbeitnehmer vielleicht noch gerne weiterarbeiten möchten um weiterhin fit zu bleiben.
Regelt doch das Thema so, dass man nach einer gewissen Zeit der Beruftätigkeit selbst entscheiden kann, wann man in Rente geht und wann nicht.