Alterssicherung Wäre es besser, wenn auch die Beamten in die Rentenversicherung einzahlten?

Der positive Effekt ist jedoch nicht von Dauer. Die neuen Versicherten erhalten auch irgendwann ihre Rente. Integrieren sie sich in die Gesellschaft in Deutschland, werden sie wohl auch weniger Kinder bekommen. Außerdem sind nicht alle Neuankömmlinge junge Menschen. Wer mit 40 oder gar noch später anfängt, in die Rentenversicherung einzuzahlen, hat ein hohes Risiko, im Alter arm und auf staatliche Hilfe angewiesen zu sein.

Mit Beamten wird nicht alles besser

Über Beamte heißt es im neuen Alterssicherungsbericht der Bundesregierung: "Männer erhalten im Durchschnitt eine monatliche Pension von 2964 Euro und Frauen von 2553 Euro." Natürlich ist bei vielen Beamten die Pension deutlich niedriger, weil die Besserverdiener unter ihnen den Durchschnitt nach oben ziehen. Die gesetzliche Altersrente liegt für Männer im Westen mit durchschnittlich 1040 Euro und 580 Euro für Frauen aber deutlich darunter. Auch hier ist der Durchschnitt verzerrt, weil viele Rentner gar nicht das ganze Leben lang in die Rentenkasse eingezahlt haben. Wären nun auch die Beamten so wie in der Schweiz in der Rentenversicherung Mitglied, wäre dies sicherlich gerechter. Der positive Effekt wäre aber auch nur vorübergehend: Erst kommt Geld in die Rentenkasse, später ist entsprechend mehr auszuzahlen - und das länger als bei normalen Rentnern, weil Beamte eine längere Lebenserwartung haben. Außerdem gibt es bei diesem Modell ein Geldproblem: Bund, Länder und Kommunen müssten für ihre neuen Beamten Rentenbeiträge zahlen - und zugleich jahrelang die noch lebenden Pensionäre finanzieren.

Die Deutschen müssen länger arbeiten

Die Menschen in Deutschland arbeiten immer länger, nicht nur wegen der Rente mit 67, die bis 2031 schrittweise eingeführt wird. Unternehmen schicken Ältere auch nicht mehr so wie früher in den Vorruhestand. Viele fühlen sich fitter, gesünder und wollen länger arbeiten. Es spricht viel dafür, dass dieser Trend andauern wird. Politiker werden sich deshalb wohl dazu durchringen - so wie dies in anderen Ländern bereits der Fall ist - die Regelaltersgrenze für das Renteneintrittsalter von derzeit 65 Jahren und fünf Monaten an die steigende Lebenserwartung anzukoppeln. Dies hätte finanziell einen äußerst positiven Effekt: Das Rentenniveau würde nicht unter 42 Prozent sinken. So könnte man - ohne zusätzliche Steuermilliarden - das Rentenniveau auf 46 Prozent halten. Für viele Menschen in bestimmten Berufsgruppen, die es nicht schaffen, so lange zu arbeiten, wäre dies aber eine verkappte Rentenkürzung. Denn der vorzeitige Ruhestand ist in der Regel mit Abschlägen verbunden. Es wird deshalb darauf ankommen, eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters mit Reformen zu verbinden: Beruflich umzusteigen, müsste leichter möglich sein. Die Renten für Menschen mit einer Erwerbsminderung müssten weiter aufgestockt werden. Die Regeln, wann in Rente zu gehen ist, müssten flexibler werden.

Die Jüngeren sind schlechter dran

Die Jüngeren werden es, gemessen an heutigen Rentnern, weniger gut haben. Sie werden wohl von 2022 an mehr für die Rentenversicherung zahlen müssen. Derzeit liegt der Beitrag bei 18,7 Prozent des sozialversicherungspflichtigen Bruttolohns. Er wird bis 2030 auf fast 22 Prozent steigen. Wenn das Rentenniveau sinkt, trifft dies vor allem die Jüngeren. Von der Ost-West-Renten-Einheit profitieren vor allem Rentner im Osten und rentennahe Jahrgänge. Einbußen haben die Jüngeren, weil ihre Löhne nicht mehr höher gewertet werden. Von der jüngsten Verbesserung der Mütterrente oder der Einführung der abschlagsfreien Rente mit 63 haben 20- oder 30-Jährige nichts. Sie zahlen nur dafür. Doch einen Vorteil haben sie: Sie leben länger und werden länger Rentner sein.

Gleiche Rente in Ost und West

Die Koalition einigt sich auf Eckpunkte zur Altersversorgung: Bis 2025 soll auch bei der Rente die deutsche Einheit kommen. Von Thomas Öchsner mehr ...