Sie pochen auf umweltschonende Landwirtschaft und fairen Handel - doch niedrige Löhne gibt es auch bei Öko-Supermärkten. Alnatura bezahlt einige Beschäftigte unter Tarif.
Nun hat auch die Biobranche ihren ersten vermeintlichen Lohnskandal. Ausgerechnet Deutschlands größte Ökokette Alnatura bezahlt einige Mitarbeiter unter Tarif, wie nun bekannt wurde. Ein Vorwurf, dem sich sonst vor allem Billiganbieter im Handel ausgesetzt sehen. Die Biobranche schien davon bislang ausgenommen. Das dachten zumindest die meisten Verbraucher.
Die Ökokette Alnatura bezahlt ihre Beschäftigten teilweise unter Tarif. (© Foto: dpa)
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Denn viele Ökohändler haben sich nicht nur einem umweltschonenden Landbau verschrieben, sondern auch dem fairen Handel, der etwa eine anständige Bezahlung und Behandlung von Kleinbauern in Entwicklungsländern verlangt.
Für die Gewerkschaft Verdi ist der Fall Alnatura ein gefundenes Fressen. "Der Grundsatz der Fairness darf gerade in der Biobranche nicht nur außerhalb der Landesgrenzen gelten, sondern muss auch im Land selbst gelten", forderte am Dienstag die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Margret Mönig-Raane.
Niedrigster Stundenlohn: 7,50 Euro
Firmenchef Götz Rehn, einer der Pioniere und renommiertesten Unternehmer in der deutschen Bioszene, bestreitet den Vorwurf nicht. Er zeigt sich betroffen über die Kritik: "Unsere Einkommensordnung nimmt Bezug auf Verantwortung, Qualifikation und Leistung. Sie orientiert sich auch am Tarifsystem, spiegelt es aber nicht in jeder Hinsicht", sagte er der Süddeutschen Zeitung und bestätigte damit einen Bericht der taz. Der bekennende Anthroposoph, 60 Jahre alt, ist Gründer, Geschäftsführer und alleiniger Eigentümer von Alnatura. "Fairness ist bei Alnatura ein hoher Wert; die Mitarbeiter liegen mir sehr am Herzen", betonte er.
Alnatura mit Firmensitz im hessischen Bickenbach ist Marktführer vor den Bioketten Denn's Bio und Basic. Der Umsatz beträgt 360 Millionen Euro. In Deutschland betreibt das Unternehmen mehr als 50 Filialen, die Zahl der Beschäftigten liegt bei 1300. Rehn wirbt damit, fair mit Partnern in Produktion und Handel umzugehen. Trotzdem werden einige Mitarbeiter schlechter bezahlt als viele ihrer Kollegen im normalen Einzelhandel. Der niedrigste Stundenlohn liegt bei 7,50 Euro. Ein Betrag, der laut Verdi um mehr als 15 Prozent unter dem Lohnniveau liegt, das beispielsweise die Tarifverbände für die Beschäftigten im Berliner Handel festgelegt haben. Eine Alnatura-Kassiererin bekommt dort nach taz-Recherchen ein Gehalt, das sogar um 19 Prozent unter Tarif liegt.
Eine Sprecherin bestätigte dies, sagte aber, dass dies nur in Einzelfällen bei Minijobbern so sei. Wie viele Beschäftigte der Biokette unter Tarif bezahlt werden, konnte sie nicht sagen. Nach ihren Angaben sind jedoch 15 Prozent der Mitarbeiter, meist Schüler und Studenten, geringfügig Beschäftigte, die nicht mehr als 400 Euro pro Monat verdienen. Der durchschnittliche Stundenlohn bei der Alnatura-Kette liegt nach ihren Angaben zwischen 13 und 14 Euro.
Keine Beschwerden
Rehn hat seine ganz eigenen Vorstellungen von einem gerechten Bezahlungssystem. "Unseren Lehrlingen zum Beispiel zahlen wir über Tarif", sagte er. Außerdem erhielten Mitarbeiter auch eine Art immateriellen Gehaltsausgleich, in Form eines umfangreichen Seminarprogramms, das etwa Yogakurse oder Theatergruppen beinhaltet.
Tatsächlich scheint sich niemand über diese Personalpolitik zu beklagen. Alnatura-Mitarbeiter loben das gute Betriebsklima, auf das so mancher offenbar mehr Wert legt als auf eine höhere Bezahlung. Auch bei Verdi liegen keine Beschwerden von Alnatura-Beschäftigten vor, die sich benachteiligt fühlen. Gewerkschafterin Mönig-Raane erklärt dies mit dem Idealismus der Mitarbeiter, der dem Biomarkt in den vergangenen zwei Jahrzehnten Auftrieb gab. Alnatura ist, wie die meisten anderen Bioketten, nicht Mitglied im Arbeitgeberverband und muss sich nicht an geltende Tarifverträge gebunden fühlen.
Auch Betriebsräte sind in den wenigsten Ökofirmen zu finden, eine der wenigen Ausnahmen bildet die Münchner Basic-Kette. Mönig-Raane zeigt für diese Verhältnisse kein Verständnis: "Viele Biounternehmen sind mittlerweile so professionell aufgestellt wie konventionelle Händler und haben Vorbildcharakter", sagte sie.
- Klimagipfel Kopenhagen Wer ohne Sünde ist ... 08.12.2009
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- Milchpreise Fairness in den Kühlregalen 30.05.2008
(SZ vom 31.03.2010/tob)
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Keiner beschwert sich, aber Verdi fühlt sich zum Kommentar berufen. Na ja...
"Mitarbeiter unter Tarif, wie nun bekannt wurde. Ein Vorwurf, dem sich sonst vor allem Billiganbieter im Handel ausgesetzt sehen."
Billiganbieter? Ist hier Aldi und Lidl gemeint? Komischerweise zahlen beide übertariflich! Klar gibt es auch da 400-Euro Jobs, das haben aber diese Minijobs so an sich.
Man merkt, die Autorin dieses Artikels lebt an der Realität vorbei. Auch im Hinblick darauf, das "in der Regel" nur Billiganbieter betroffen seien. Was ist mit den Billiglöhnen von Tengelmann und Rewe? Oder möchte man für diese oft überteuerten Läden wieder Werbung machen, indem man nur gegen Discounter "hetzt"?
Wer sich als Verbraucher engagieren möchte, kann das übrigens im neuen Verbraucherportal www.einkaufsmonitor.de tun.
Aber sehen wir´s doch mal im größeren Zusammenhang. Das was in letzter Zeit an Geld für Rettungsschirme in die Welt gesetzt worden ist - reicht rechnerisch für einen Inflationsschub von gut 50% - also in absehbarer Zeit wird die Kaufkraft aller Löhne nur etwa die Hälfte des aktuellen Niveaus entsprechen.
In diesem Zusammenhang ist die Frage "Tariflohn oder etwas drunter" - doch schon "Bio-Erbsenzählerei".
Ich kaufe selbst viel Bio (auch im Bio-Supermarkt) - und ich bin eigentlich recht positiv von der dortigen Personalstärke angetan. Pro m2-Ladenfläche und wohl auch relativ zum Umsatz - arbeiten dort wesentlich mehr Menschen als in einem normalen Supermarkt vergleichbarer Größe.
Ich sehe dort nicht nur an den Kassen auch gelegentlich Leute die auf den "normalen Arbeitsmarkt" kaum eine Chance hätten. Daß soviel "Gutmenschentum" letztendlich auch nicht an den wirtschftlichen Realitäten herumkommt ist mir natürlich auch klar.
Als Kunde greife ich ja auch etwas tiefer in die Tasche - da ist es ja dann auch fair wenn die Angestellten auch ihr Schärflein beitragen. Das macht doch gerade den Unterschied zu Bio aus - daß da nicht alleine der Kunde als Zahlmeister für irgendwelchen "Immage-Zirkus" auftritt - sondern Alle - vom Erzeuger bis zum Kunden dazu beitragen daß etwas das finanzell gesehen nicht so "wirtschaftlich" ist - trotzdem funktionieren kann.
Wer hier "gleichen Lohn" fordert - könnte letztendlich ebensogut "gleiche Preise" fordern.
wenn sie eine Familie ernähren müssen, denke dann würden sie garantiert keine Lohneinbußen hinnehmen, egal ob bio oder net...da zählt jeder euro.
das ist für mich nur bla-bla-bla
Dafür ist doch die Lebensqualität höher. Ich würde auch lieber in einem Bioladen etwas weniger verdienen - als beim tagtäglichen Hantieren von konventionellen Grünzeug ständig mit allen möglichen Giften in Berührung zu kommen.
Paging