Alnatura und dm Ende einer Freundschaft

Alnatura vertreibt seine Lebensmittel bislang auch in den Drogeriemärkten von dm.

(Foto: Andreas Gebert/dpa)
  • Die Drogeriemarktkette dm will künftig eigene Bio-Lebensmittel vertreiben. Der bisherige Partner Alnatura fürchtet um seinen Umsatz.
  • Der Markt für Bio-Produkte wächst - dm will mit einer Eigenmarke größere Anteile davon abgreifen.
Von Max Hägler, Stuttgart

Den Goldenen Zuckerhut hat Götz Rehn zuletzt bekommen. Mit der einigermaßen süßen Auszeichung wollte das Branchenblatt Lebensmittel-Zeitung würdigen, dass Rehn mit den Produkten seiner Marke Alnatura seit drei Jahrzehnten den ökologischen Landbau unterstützt und "nachhaltig" wirtschaftet, wie das so heißt, wenn jemand ordentlich mit der Umwelt und den Ressourcen umgeht.

Gar nicht lang ist das her, eineinhalb Wochen. Die Würdigung, sagte Rehn, gelte vor allem den Kunden und Handelspartnern. Gemeinsam tue man Gutes für Mensch und Erde. Gemeint war da auch die Drogeriekette dm, mit mehr als 3500 Filialen der mit Abstand größte Handelspartner von Alnatura. Viele Regalmeter stehen da voll mit Körnersachen und Säften von Alnatura. 600 Produkte sind es mittlerweile.

Mehr Eigenmarken

Doch jetzt hat das gemeinsame Wirken einen Dämpfer bekommen: dm wird selbst eine Bio-Lebensmittel-Marke entwickeln - und dem Partner damit wohl Marktanteile und Umsatz wegnehmen. Die Drogeriekette bestätigte auf Anfrage entsprechendes Branchengerede. Mit einer Lebensmittel-Eigenmarke trage dm "dem Bedürfnis der Menschen nach Markenvielfalt" Rechnung, erklärt der Drogist mit Hauptsitz in Karlsruhe. Schließlich habe man in allen wichtigen Sortimentsbereichen bereits Eigenmarken. Und weil der Konzern davon ausgehe, dass die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln steigt und nicht schrumpft, sei ja alles gut.

Alnatura gibt sich zwar offiziell "sehr zuversichtlich", die Kunden weiter von den eigenen Waren zu überzeugen. Aber aus dem Haus hört man doch auch etwas von "mittelmäßiger Verstimmung". Jedenfalls dürfte die Entscheidung von dm dem Wachstum einen Dämpfer versetzen: In diesem Geschäftsjahr wird Alnatura wohl auf einen Umsatz von 700 Millionen Euro kommen - der gesamte Bio-Produkte-Markt erwirtschaftet in Deutschland etwa acht Milliarden Euro.

Dass dm sich zur Sortimentserweiterung erklären muss, liegt an der gemeinsamen Geschichte der beiden Unternehmen - und der beiden Unternehmer: Götz Rehn und dm-Gründer Götz Werner haben Alnatura 1984 gemeinsam gestartet. Beide haben auch über die Anthroposophie zusammengefunden, der Lehre, die Spirituelles und Irdisches zusammenzubringen versucht, es erklärbar machen will. Doch gemeinsame Weltanschauung feit nicht vor geschäftlichen Wettbewerb - und Ärger.

Wachsender Markt

Den gibt es wohl auch, weil Werners Unternehmen die Zulieferer von Alnatura anspricht - für seine Eigenmarke. Ist das jetzt ein Bruch mit guten Traditionen? Es stehe doch jedem offen, mit Herstellern zu reden, heißt es von dm. Zumal Alnatura natürlich gelistet bleibe. Wenn sich der langjährige Lieferant dennoch aufrege, nun, dann gelte: "In jeder Beziehung kann es zu unterschiedlichen Auffassungen und zu Differenzen kommen."

Tatsächlich geht es bei Bio-Lebensmitteln um einen wachsenden Markt, dies zeigt das aktuelle Nachhaltigkeitsranking der Werbeagentur Serviceplan: Vor allem die Einkaufshäufigkeit von Bio-Eigenmarken hat demnach zugenommen. Etwa jeder fünfte Kunde von Discountern, aber auch Supermärkten greife mittlerweile einmal die Woche zu solchen Produkten, die mittlerweile selbst Aldi und Lidl im Sortiment haben. Sehr anschaulich zeige sich das bei Milch: Eigenmarken-Bio-Milch werde in jeder Preislage etwas häufiger gewählt als die jeweilige Billig-Eigenmarke und die Markenmilch.

Aus geschäftlicher Sicht also mache dm damit gerade alles richtig, sagt auch Handelsprofessor Jörg Funder von der Hochschule Worms: Gerade dm sei stark bei Eigenmarken, mehr als 20 gibt es. Balea beim Duschen etwa sei hervorragend angesehen. Beim Essen dürfte das nicht viel anders werden. Einen Namen gibt es aber noch nicht dafür.