SZ: Für das kommenden Jahr kursieren bereits horrende Konjunkturszenarien. Müssen Allianz-Mitarbeiter Angst vor Kürzungen haben?
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Perlet: Wir müssen uns auf eine Stagnation, vielleicht sogar eine Rezession einstellen. Was die Allianz betrifft: Nein, wir haben kein Sparprogramm geplant. Natürlich werden wir hier oder da ein paar Dinge machen müssen, aber im Großen und Ganzen haben wir unsere Hausaufgaben schon in den vergangenen Jahren gemacht. Wir sind solide und wetterfest aufgestellt.
SZ: Sie sind dabei, die Dresdner Bank an die Commerzbank zu verkaufen. Ein Großteil wird über Aktien geregelt. Läuft hier alles nach Plan - trotz der Finanzkrise?
Perlet: Alles läuft planmäßig. Da werden Sie keine Änderung sehen, der Verkauf der Dresdner findet statt.
SZ: Braucht die Dresdner Geld aus dem Rettungspaket?
Perlet: Wie gesagt - jeder muss sich die Hilfen zumindest anschauen.
SZ: Welche Lehren sollen wir denn nun aus der Finanzkrise ziehen, damit so etwas nicht wieder passiert?
Perlet: Wir brauchen eine internationale Vereinheitlichung der Aufsichtsregeln. Fußball ist auch nur interessant, weil die Regeln überall auf der Welt gleich sind. Wir müssen schrittweise zu internationalen Aufsichtsbehörden kommen. Es hat keinen Sinn mehr, solche Dinge national zu regeln.
SZ: Ist das denn realistisch?
Perlet: Für diese Forderung bin ich schon vor fünf Jahren ausgelacht worden. Es wird lange dauern, so viel steht fest. Deshalb ist es wichtig, dass die EU jetzt vorangeht: Wir brauchen die Gruppenaufsicht für grenzüberschreitend tätige Finanzdienstleister.
SZ: Das Image von Bankmanagern ist nie so schlecht gewesen wie heute. Gerechtfertigt?
Perlet: Ja, das Image ist beschädigt. Es gibt eine Finanzkrise von gigantischem Ausmaß, und es sind Fehler gemacht worden. Das muss man akzeptieren. Aber manchmal schießt die Kritik auch übers Ziel hinaus.
SZ: Viele Bankkunden sind von ihren Instituten maßlos enttäuscht. Wie nachhaltig ist der Vertrauensverlust?
Perlet: Groß, aber das Vertrauen wird wiederkommen. Eines muss auch mal gesagt werden: Der Privatanleger hat sich sehr besonnen verhalten und das war richtig. Zukünftig werden die Kunden ihre Anbieter und Produkte stärker nach Qualität und Sicherheit auswählen.
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(SZ vom 23.10.2008/mel)
@eiermeier: warum sollte jemand der mit seinem eigenen Geld spekuliert das von jemand anderem verspielen? wollen sie das nicht verstehen? Das ich die Art und Weise der Anwendung wie das hier gelaufen genauso kritisiere merken sie hoffentlich. Generell ist es definitiv gut sich wie sie Gedanken zur Verbesserung der Lage zu machen, wobei es anhand der Komplexität der Probleme nicht zu unüberlegten Kurzschlussreaktionen kommen darf.
@Ankur: Wobei wir wieder bei kurzfristigen Schwankungen wären. Darüber hinaus gibt es viele Einflussfaktoren auf die Börsenkurse. Ausgangspunkt von mir war ja eben NICHT auf kurzfristige Kurse zu schielen sonder ein Unternehmen langfristig attraktiv zu halten.
Über solche Gehaltsquerelen brauchen wir jetzt nicht zu streiten, dass auf der Ebene nicht alles super gelaufen ist wissen wir ja bereits.
Auf Dauer ist ein dümpelnder Aktienkurs sicher kein gutes Zeichen für erfolgreiche Geschäfte. Aber kurzfristig nur auf die Kurse zu schielen bringt gar nichts, zur Zeit haben wir eine Untertreibung auf vielen Gebieten. Wieso schmiert z.B. die Deutsche Post um über 50% ab? Briefe und Pakete sind ne relativ sichere und im vergleich zu Investitionsgütern nicht nennenswert konjunkturabhängige Einnahmequelle.
Übrigens glaube ich nicht, dass es bei Banken mehr Jobs mit höchsten Anforderungen gibt wie bei einem Automobilbauer. In einer Hausse kann eine Bank wenig falsch machen. Ein Auto bzw. Produkt schlecht konstruiert und der Ruf ist im Eimer, egal wie die Konjunktur läuft. Letztlich sind Banken Finanzdienstleiter, damit kundenabhängig und keine Gelddruckmaschinen. So richtig scheint sich diese Erkenntnis bei einigen Bankern noch nicht durchgesetzt zu haben. Wenn ich bedenke, dass der Porsche Chef Wiedeking 65 Mio oder so verdient - u.a. weil er aus einem Pleitekandidaten den profitabelsten Automobilhersteller der Welt gemacht hat - und manche Investmentbanker diese Summe um den Faktor 10 locker toppen, dann läuft was falsch. Ich denke, wir sind gerade dabei dieses zu korrigieren.
Ich bezweife z.B., dass in der Automobilbranche unter den Top10 Herstellern 70 Mrd Boni ausgeschüttet werden wenn die ganze Branche in einer Jahrhundert-Krise ist. Bei den Bankern war das kein Problem, zumindest in den USA.
... Interesse an dem hat worin er anlegt sondern nur rein daran so viel wie möglich durch Spekulation zu gewinnen und er verspielt eben nicht nur sein eigenes Geld sondern wie man sieht auch das Geld anderer. Diese Banken haben mit Ihrem Geld und dem Geld Ihrer Kinder gespielt. Ausserdem kommt noch das Problem dazu dass viel mehr mit Insiderinformationen gemacht wird als wirklich an die Öffentlichkeit kommt.
Aktien wurden mal erfunden damit man für Firmen Investitionen erleichtern kann. Wenn jemand spielen möchte kann er das in Las Vegas oder der Lotto Annahmestelle gerne tun. Von unserem Wirtschaftssystem sollte er die Finger lassen. Mit meinem Vorschlag von einem Monat Sperrfist auf Aktien, Derivate ... hätte man sämtliche dieser Probleme erschlagen.
Das ist ihre Sicht der Dinge. Ich denke jedoch sie gehen das Problem am flaschen Ende an.
Das Problem sind ja eigentlich nicht die Produkte auf die jetzt geschimpft wird (ich gehe davon aus dass sie sich unter anderem auf derivate etc beziehen wenn sie von solch einer kurzen frist sprechen und nicht auf aktien etc) sonder vielmehr der Umgang mit diesen.
Wenn jemand eigenes Kapital, z.B. durch Arbeit erworben, in solch kurzfristige, hochspekulative Produkte anlegen möchte und das Risiko kennt, wo liegt dann das Problem? Der Gewinn kann sehr hoch sein, der Verlust auch aber es kommt niemand dabei zu Schaden, da er nur sein EIGENES Kapital "verspielt". Wenn ich aber hingehe und mir einen Kredit besorge um dann spekulativ zu investieren und ich verspiele Alles, ist in erster Linie das Geld der Bank bzw. des Entleihers futsch, der unter Umständen gar nicht wusste was ich damit vor hatte bzw was damit geschieht. Das dies vereinfacht ausgedrückt ist, ist mir schon klar aber im Grunde ist es das was in großem Stil bei den betroffenen Investmentbanken gemacht wurde.
Es drängt sich der Eindruck auf, dass die Herren Perlet und Ackermann zu den Heerscharen an Neo-Liberalen gehören, die uns täglich mit vernebelnden und undurchsichtigen Interpretatationen einen rationalen Zugang zur Krise des (Finanz)Kapitalismus verstellen möchten.
Ein Zitat von Mark Twain fasst diese Situation treffend zusammen: "Die Forschungen vieler Interpreten haben bereits viel Dunkel in das Thema gebracht, und es steht zu befürchten, dass wir, wenn sie so weiter machen, bald gar nichts mehr darüber wissen werden."
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