Von S. Liebrich

Ausnahmezustand in Salzburg: Seit kurzem verkauft die Aldi-Gruppe in Österreich Benzin. Ein Testlauf für Deutschland? Tankstellenbetreiber sind alarmiert - und Aldi reagiert, wie Aldi immer reagiert: mit Schweigen.

An den Tankstellen in Salzburg und Umgebung herrscht seit dieser Woche der Ausnahmezustand. Grund dafür ist der Einstieg der österreichischen Aldi-Tochter Hofer ins Mineralölgeschäft. Die Eröffnung von drei Stationen löste in der Region einen Preiskrieg mit etablierten Markentankstellen aus. Treibstoff kostete - zumindest zeitweise - so wenig wie zuletzt vor 30 Jahren. Der Diesel-Preis fiel innerhalb kürzester Zeit von 86,5 auf 56,5 Cent. Vor den Zapfsäulen bildeten sich kilometerlange Staus.

Aldi, Zapfsäule, dpa

Ein Konkurrent für Esso, Aral und Shell? Deutsche Tankstellenbetreiber fürchten, der Discounter Aldi könnte ins Mineralölgeschäft einsteigen. (© Foto: dpa)

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Deutsche Tankstellenbetreiber beobachten den Vorstoß von Aldi Süd im Nachbarland mit Skepsis. Sie fürchten, der Einstieg könnte auch ein Testlauf für den deutschen Markt sein. Mit etwa 2000 Geschäften zählt Aldi Süd, neben der getrennt geführten Schwester-Gesellschaft Aldi Nord, zu den führenden Filialisten im Lebensmittelhandel. Verkauft der Discounter auch hierzulande Benzin und Diesel, könnte er rasch zum Konkurrenten für die bestehenden Tankstellen werden. Derzeit gibt es in Deutschland etwa 14.800 Tankstellen, Marktführer ist Aral mit über 2000 Stationen vor Shell und Esso.

Noch ist unklar, ob es solche Pläne bei Aldi überhaupt gibt. Eine Firmensprecherin des Discounters in Mülheim wollte sich dazu am Mittwoch nicht äußern. Beim Mineralölwirtschaftsverband MWV zeigte man sich besorgt über das Ausmaß, den der Preiskampf in Salzburg angenommen hat: Für kurze Zeit verkauften die Tankstellen ihren Sprit sogar deutlich unter dem Einkaufspreis. Nach deutschem Wettbewerbsrecht ist das zwar nicht erlaubt. Möglicherweise könnte dieses Verbot für den Discounter aber gar nicht gelten, wie ein Sprecher vom Bundesverband mittelständischer Mineralölunternehmen (Uniti) betonte: "Theoretisch könnte Aldi den Einstandspreis unterbieten, weil das Unternehmen im Raffineriegeschäft keine marktbeherrschende Stellung hat."

Andrang der Kunden

Partner der Aldi-Tochter Hofer ist der Tankstellenbetreiber Free Energy, hinter dem der ehemalige österreichische Autorennfahrer Markus Friesacher steht. Zu den früheren Beteiligungen des Unternehmers gehörten Szene-Lokale und ein Nobelhotel, die er inzwischen aber verkauft hat. Seine Strategie im Mineralölgeschäft ist eine Kampfansage: "Wir wollen langfristig zwei bis drei Cent billiger sein als die Mineralölkonzerne." Damit das Geschäft trotzdem Gewinn bringt, verzichtet er ganz auf Personal. Wer tanken will, muss an der Zapfsäule mit Kredit- oder Geldkarte zahlen.

Dass die Wahl der Hofer-Geschäftsführung auf Salzburg als Standort für die ersten drei Tankstellen fiel, dürfte kein Zufall sein. Viele Deutsche fahren regelmäßig zum Tanken über die Grenze, weil Benzin und Diesel dort erheblich billiger sind aufgrund der niedrigeren Mineralölsteuer. Der Andrang an den Hofer-Tankstellen in den ersten Tagen war so groß, dass die Vorräte bereits nach wenigen Stunden erschöpft waren.

Wie viel Geld Friesacher im Preiskampf der ersten Tage verlor, wollte er nicht sagen. Nach eigenen Angaben verkaufte er den Liter Benzin zeitweise 35 Cent unter dem Einstandspreis. Für den ruinösen Wettbewerb der Tankstellenbetreiber in Salzburg interessiert sich inzwischen auch die Bundeswettbewerbsbehörde in Wien. Sie kündigte eine umfangreiche Untersuchung in den nächsten Wochen an.

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(SZ vom 02.07.2009/tob)