"Alcopops" Drogenbeauftragte für Warnhinweise

Sie sind süß, bunt und umstritten: Alkoholische Fertig-Mixgetränke, auch "Alcopops" genannt. Nachdem Suchtexperten höhere Steuern und Warnhinweise gefordert haben, wird nun auch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung aktiv.

Von Von Felix Serrao

"Ich bin für Warnhinweise: 'Erst ab 18', ja". Mit diesen Worten stellte sich Marion Caspers-Merk (SPD), Drogenbeauftragte der Bundesregierung am Freitag hinter die jüngsten Forderungen von Suchtexperten. Diese wollen insbesondere Kinder und Jugendliche von modischen Alkohol-Mix-Getränken wie "Rigo" oder "Smirnoff Ice" fern halten.

Caspers-Merk erklärte gegenüber sueddeutsche.de, dass sie aufgrund der aktuellen Datenlage nicht handeln könne — noch nicht. Sie wisse zwar, dass die Absatzzahlen der Alcopops steigen. "Aber wir haben keine aktuellen Zahlen über den Verbrauch bei Jugendlichen."

Experten fordern mehr Steuern, Werbeverbot und Warnhinweise

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) hatte die Bundesregierung am Donnerstag aufgefordert, mit einer Erhöhung der Steuer auf so genannte Alcopops um einen Euro je 0,1 Liter dem Beispiel der Schweiz zu folgen. Die Experten forderten außerdem ein Werbeverbot und — analog zu Zigaretten — Warnhinweise.

Caspers-Merk kündigte an, dass Ende Oktober die Ergebnisse einer von ihr in Auftrag gegebenen Studie über das Trinkverhalten Jugendlicher vorliegen. "Da geht es natürlich auch um Alcopops", sagte sie. Sollten die Befürchtungen der Gegner dieser Getränke zutreffen, werde sie "entsprechend reagieren".

Ein europäisches Problem

Die Drogenbeauftragte will sich darüber hinaus mit anderen europäischen Ländern über das Alcopops-Problem abstimmen. Konkret wolle sie ihre Kollegen aus Italien, Spanien und Frankreich zu dem Thema befragen. Dort gebe es ebenfalls ein Problem mit Jugendalkoholismus.

Schließlich sagte Caspers-Merk, dass sie Familienministerin Renate Schmidt um ein gemeinsames Vorgehen ersucht hätte. Diese habe als Bundesministerin für die Jugend beim Thema Jugendschutz die Federfühung.

Nach Mitteilung der Hauptstelle für Suchtfragen trinken bereits 37 Prozent der 15-jährigen Jungen und 25 Prozent der 15-jährigen Mädchen regelmäßig Alkohol. Binnen eines Jahres sei der Umsatz der Spirituosen-Mix-Getränke im Lebensmitteleinzelhandel um etwa 340 Prozent gestiegen.

Hauptkonsumenten seien Kinder und Jugendliche. Mit szenetypischer Produktgestaltung und Werbung würden sie gezielt geködert. Mit extremer Süße und künstlichen Aromen werde der für "Anfänger" unangenehme Alkoholgeschmack überdeckt.

675,5 Prozent Umsatz-Plus

Besonders erfolgreich ist etwa die Diageo Deutschland GmbH mit ihrer Marke "Smirnoff Ice". Zwischen der Einführung des Alcopops im Februar 2002 und dem 30. Juni 2003 verkaufte das Unternehmen insgesamt rund 150 Millionen 0,275-Liter-Flaschen. Der Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2003 stieg nach Angaben des Unternehmens damit um 675,5 Prozent.