Aktionärsklage VW-Chef Winterkorn bereits 2014 über Probleme mit Diesel-Fahrzeugen informiert

Bekam die Diesel-Nachricht mit der Wochenendpost: der damalige Volkswagen-Chef Martin Winterkorn (Bild von 2014).

(Foto: Bloomberg)
  • Der damalige VW-Chef Martin Winterkorn ist bereits im Mai 2014 über Diesel-Probleme bei VW-Fahrzeugen in den Vereinigten Staaten informiert worden.
  • Es sei jedoch nicht klar, ob er die zu seiner Post gelegte Notiz gelesen habe, heißt es.
  • Aktionäre von VW haben den Auto-Hersteller wegen des Abgasskandals verklagt.
Von Thomas Fromm

Der Wolfsburger Volkswagen-Konzern hat erstmals eingestanden, dass der damalige VW-Chef Martin Winterkorn bereits im Mai 2014 über Diesel-Probleme bei VW-Fahrzeugen in den Vereinigten Staaten informiert worden sei - also fast eineinhalb Jahre vor Bekanntwerden der Affäre.

Der Autohersteller wehrt sich aber gegen den Vorwurf, seine Aktionäre zu spät über die Manipulationen und Risiken der Dieselaffäre informiert und so seine Ad-hoc-Pflichten verletzt zu haben. Man halte die "anhängigen Aktionärsklagen für unbegründet", teilte VW am Mittwochabend mit und reichte beim Landgericht Braunschweig eine Klageerwiderung gegen die Vorwürfe ein.

Die Argumentation der Wolfsburger: Man habe nicht gegen die Pflichten verletzt, weil man erst am 18. September 2015 - dem Tag, an dem die US-Behörden die Details des Skandals publik machten - die relevanten Informationen gehabt habe. Am Anfang war da von einer knappen halben Million Autos in den USA die Rede. Zwei Tage später, am 22. September, nachdem man erste belastbare Zahlen und Untersuchungsergebnisse gehabt habe, gestand VW die Manipulationen ein - allerdings an elf Millionen Fahrzeugen.

Die Mitteilung, die VW nun verschickte, ist ungewöhnlich lang und detailliert. Es heißt dort unter anderem, eine "Gruppe von Personen" unterhalb des Vorstands sei für die Software-Manipulationen verantwortlich gewesen.

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Ob Winterkorn die Notiz las, ist "nicht dokumentiert"

Das Bild, das VW zeichnet, ist das eines Konzerns, in dem man sich erst nach und nach über die Tragweite der Affäre im Klaren geworden sei. Wörtlich heißt es: "Im Zusammenhang mit der Diesel-Thematik ergab sich eine Kursrelevanz erst am 18. September 2015, als die Verletzung US-amerikanischer Umweltschutzrichtlinien bekannt gemacht wurde. Bis dahin gab es keinerlei Anzeichen für börsenkursrelevante Informationen, denn bis zu diesem Zeitpunkt war von einer überschaubaren Fahrzeug-Anzahl (etwa 500 000) und Bußgeldern in einem zweistelligen oder unteren dreistelligen Millionen-Bereich auszugehen, wie in der Vergangenheit in den USA in vergleichbaren Fällen im Zusammenhang mit Personenkraftfahrzeugen verhängt." Einige Millionen Euro anstatt Milliardenstrafen, so habe sich auch die Dramatik der Lage erst nach den Veröffentlichungen in den USA am 18. September ergeben.

Was VW allerdings deutlich zugibt: Ja, die Diesel-Probleme in den USA seien schon früh ein Thema gewesen. Am 23. Mai 2014 sei eine Notiz an den damaligen Chef Martin Winterkorn gegangen, sie "wurde seiner umfangreichen Wochenendpost beigelegt", heißt es. Allerdings: "Ob und inwieweit Herr Winterkorn von dieser Notiz damals Kenntnis genommen hat, ist nicht dokumentiert".

Eine weitere Notiz sei am 14. November 2014 erfolgt; am 27. Juli 2015 hätten sich "Volkswagen-Mitarbeiter außerdem am Rande einer regelmäßig stattfindenden Besprechung über Schadens- und Produktthemen unter Anwesenheit von Martin Winterkorn und Herbert Diess zur Diesel-Thematik" ausgetauscht. Der Ex-BMW-Vorstand Diess war da erst einige Wochen Markenchef. Hierzu heißt es: "Konkrete Details dieser Besprechung sind derzeit noch nicht rekonstruiert." Auch nicht, ob "zwischen den Beteiligten bereits zu diesem Zeitpunkt ein Verständnis davon gegeben war, dass die Softwareveränderung gegen US-amerikanische Umweltvorschriften verstieß".

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