Airport Köln-Bonn Chef beurlaubt

Der Flughafen lässt Vorwürfe gegen die Geschäftsführung aufarbeiten. Dabei geht es unter anderem um unklare Geschäfte mit einer Kölner Frachtfirma sowie um eine ungewöhnlich hohe Anzahl an Führungskräften, die freigestellt wurden.

Von Benedikt Müller, Köln

Der Flughafen Köln-Bonn steckt in einer Führungskrise. Flughafenchef Michael Garvens ist zumindest bis Mitte Dezember beurlaubt. Das gab die Betreibergesellschaft bekannt. Eine Anwaltskanzlei und eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft gehen derzeit internen Vorwürfen gegen die Geschäftsführung des Flughafens nach. Dabei geht es unter anderem um unklare Geschäfte mit einer Kölner Frachtfirma sowie um eine ungewöhnlich hohe Anzahl an Führungskräften, die freigestellt wurden.

Die Anwälte und Wirtschaftsprüfer hatten am Freitag einen vorläufigen Bericht vorgelegt. Daraufhin hat der Aufsichtsrat der Betreibergesellschaft entschieden, dass die Sonderuntersuchung weitergehen soll, um die "offen gebliebenen Punkte" zu klären. Der beurlaubte Geschäftsführer Garvens soll gegenüber dem Aufsichtsrat bis Ende der Woche Stellung nehmen.

Die Flughafen Köln Bonn GmbH gehört jeweils zu etwa 31 Prozent der Bundesrepublik Deutschland, dem Land Nordrhein-Westfalen und der Stadt Köln. Wenige Tage bevor die Vorwürfe gegen Garvens bekannt wurden, hatte die Landesregierung einen Wechsel an der Spitze des Flughafen-Aufsichtsrates angekündigt: Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat den bisherigen Aufsichtsratschef Kurt Bodewig (SPD) abberufen. Der frühere Bundesverkehrsminister hatte die Untersuchung der Vorwürfe gegen den Flughafen-Chef vorangetrieben. Nachfolger Bodewigs soll der frühere CDU-Spitzenpolitiker Friedrich Merz werden.

Die Opposition im Land kritisiert diese Rochade. "Die Landesregierung muss alle Zweifel ausräumen, dass mit der Personalie Merz eine transparente Aufklärung verhindert werden soll", fordert Arndt Klocke, Fraktionsvorsitzender der Grünen im nordrhein-westfälischen Landtag. Die Vorwürfe gegen den Flughafen-Chef seien gravierend, so Klocke. Die Landesregierung bezeichnet es hingegen als "geübte Praxis", Posten in Landesbeteiligungen nach einem Regierungswechsel neu zu besetzen. Sie unterstütze die Aufklärung der Vorwürfe "vollumfänglich", sagt ein Sprecher.

Der Flughafen Köln-Bonn gehört zu den sieben größten Flughäfen Deutschlands. Seine Betreibergesellschaft erwirtschaftete im vergangenen Jahr knapp 320 Millionen Euro Umsatz. Unter dem Strich blieben gut sechs Millionen Euro Gewinn.